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Neue Regierung in Japan : Der Kishida-Schock belastet die Börse in Tokio

Japans neuer Ministerpräsident Fumio Kishida Bild: dpa

Japan hat seit Kurzem eine neue Regierung. Der Ministerpräsident spricht offensiv von einem neuen Kapitalismus und von Umverteilung. Das macht den Anlegern Sorgen.

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          Ein Einstieg nach Maß ist das nicht. Der Beginn der neuen japanischen Regierung von Ministerpräsident Fumio Kishida geht mit einem deutlichen Rückgang der Aktienkurse an der Börse in Tokio einher. Am Mittwoch verlor der Nikkei-Index 1 Prozent auf 27.529 Punkte. Es war der achte Handelstag nachein­ander mit einem Minus. Eine solch lange Abwärtssträhne gab es zuletzt im Sommer 2009 im Gefolge der globalen Finanzkrise. Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter haussiert das Stichwort Kishida-Schock, weil der Ministerpräsident offensiv von einem neuen Kapitalismus japanischer Art und von Umverteilung spricht. Zugleich zeigen erste Umfragen, dass die neue Regierung direkt nach Amtsantritt weit weniger populär ist als die Vorgängerregierung, die sich nur ein Jahr im Amt hielt.

          Patrick Welter
          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Gründe für den jüngsten Kursverfall gibt es in der globalen Wirtschaft genug. Zuvörderst sind da die steigenden Energiepreise und die Unsicherheit über die weitere Entwicklung der chinesischen Wirtschaft nach den Turbulenzen um das Immobilienunternehmen Evergrande und die politischen Querschläge gegen chinesische Technologieunternehmen. Auch die pandemiebedingt stockenden Zulieferungen von Halbleitern und anderen Bauteilen aus Südostasien, die die großen japanischen Autohersteller wie Toyota treffen, belasten den Aktienmarkt in Tokio.

          Abkehr von Abenomics

          Doch der Kursverfall in Tokio ist in den vergangenen Tagen schärfer als in New York oder Frankfurt. Seit der Wahl Kishidas zum Parteichef der regierenden Liberaldemokraten Ende September, die die Ernennung zum Ministerpräsidenten vorbestimmte, hat der Nikkei-Index rund 9 Prozent verloren. Der Rücktritt des Vorgängers Yoshihide Suga Anfang September hatte den Index noch in die Höhe getrieben und einen vorherigen monatelangen Abwärtstrend gebrochen. Doch das Suga-Rücktrittshoch ist mit dem Ki­shida-Schock schon wieder Vergangenheit.

          NIKKEI

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          „Es gibt kein Wachstum ohne Umverteilung“, sagt Kishida und argumentiert, dass Nachfrage und Konsum nicht steigen, wenn die Früchte des Wachstums nicht breit verteilt werden. Was das wirtschaftspolitisch genau bedeutet, ist noch unklar. Kishida denkt an steuerliche Subventionen für Unternehmen, die die Löhne erhöhen, aber auch an höhere Einkommensteuern für Spitzenverdiener und höhere Steuern auf Kapitalgewinne. Wenn es so käme, würde das den Aktienmarkt in Tokio belasten. Es wäre eine Abkehr von der Politik der Abenomics des früheren Ministerpräsidenten und Vorvorgängers Shinzo Abe. Der hatte den Spitzensteuersatz noch gesenkt und mit der drastisch expansiven Geldpolitik und Aktienanlagen des staatlichen Pensionsfonds bewusst den Aktienmarkt befördert.

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