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Jamie Dimon : Der König der Wall Street

  • -Aktualisiert am

Ist bestens aufgelegt: JP Morgan-Chef Jamie Dimon Bild: Reuters

Der Vorstandschef von JP Morgan sitzt nach Rekordzahlen fester im Sattel denn je. Strafen gegen die Bank und Kritik haben ihn nicht zu Fall bringen können.

          An der Wall Street gibt es nur zwei Vorstandschefs, die trotz aller Kritik die Finanzkrise an der Spitze ihres Instituts überlebt haben: Lloyd Blankfein, der Vorstandsvorsitzende der Investmentbank Goldman Sachs, und Jamie Dimon, der Chef von JP Morgan Chase, der größten amerikanischen Bank. Der 63 Jahre alte Lloyd Blankfein, der Goldman seit 12 Jahren führt, bereitet jetzt seinen Rücktritt vor. Nach einem Bericht der „New York Times“ wird Goldman noch in dieser Woche bekannt geben, wann der designierte Nachfolger David Solomon das Ruder übernehmen wird. Jamie Dimon, der nur ein halbes Jahr jünger ist als Blankfein, macht dagegen keine Anstalten, seinen Posten zu räumen.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Wie Blankfein hat er in den vergangenen Jahren eine Reihe von Spitzenbankern frustriert, die sich Hoffnung auf die Nachfolge gemacht hatten. Blankfeins langjähriger Kronprinz Gary Cohn war als Wirtschaftsberater in das Kabinett des amerikanischen Präsidenten gewechselt. Bei JP Morgan hatte vor einem Jahr der für das operative Geschäft zuständige Matt Zames aufgegeben und war später zur Beteiligungsgesellschaft Cerberus gewechselt. Zames soll jetzt als Kopf eines Cerberus-Teams die Deutsche Bank bei ihrer Sanierung beraten.

          Keiner macht ihm den Job streitig

          Seit Ende Januar gibt es bei JP Morgan zwei Manager, die gemeinsam für das operative Geschäft zuständig sind: Daniel Pinto, der auch die Firmenkunden- und Investmentbankingsparte leitet, und Gordon Smith, der Leiter des Privatkundengeschäfts. Pinto und Smith haben ein langes Kopf-an-Kopf-Rennen vor sich. Als die Nachfolgeregelung angekündigt wurde, teilte Dimon mit, dass er „noch ungefähr fünf Jahre lang“ Vorstandsvorsitzender von JP Morgan bleiben wolle. Streitig machen wird ihm den Posten derzeit niemand.

          Am Freitag hatte die Bank für das zweite Quartal einen Rekordgewinn von 8,3 Milliarden Dollar ausgewiesen und die Prognosen der Analysten deutlich übertroffen. Dimon sieht die wirtschaftliche Zukunft einigermaßen rosig. „Wenn Sie nach Schlaglöchern suchen, es gibt derzeit nicht viele, und das Wachstum beschleunigt sich“, sagte Dimon auf die Frage eines Analysten nach den Aussichten für das Wirtschaftswachstum. Sorgen macht sich Dimon allerhöchstens wegen des eskalierenden Handelsstreits zwischen den Vereinigten Staaten und China sowie der EU. „Es gibt unwägbare Folgen, wenn man ein solches Gerangel mit großen Ländern anfängt. Es ist eine Sorge – hoffentlich wird das gelöst“, sagte Dimon.

          Wie Blankfein war Dimon während der Finanzkrise auch persönlich in die Kritik geraten, obwohl die Bank vergleichsweise unbeschadet durch die Krise gesteuert war. Als seine Bank von Skandalen gebeutelt wurde, wurde Dimons Rolle zeitweilig in Frage gestellt. So musste JP Morgan 13 Milliarden Dollar zahlen, um vom amerikanischen Justizministerium und mehreren Aufsichtsbehörden erhobene Betrugsvorwürfe in Zusammenhang mit der Krise beizulegen. Es ging unter anderem um falsche Angaben zur Qualität von Ramschhypotheken, mit denen Investoren hohe Verluste gemacht hatten. Das war damals die höchste Summe, die ein Unternehmen je in einem Vergleich mit der amerikanischen Regierung zahlen musste. Dimon selbst hielt einen Großteil der Milliarden-Strafen für ungerechtfertigt.

          Lob von Warren Buffett

          Die Krise war nicht der einzige Anlass für Kritik an Dimon. Ein paar Jahre nach der Finanzkrise stand Dimon wegen eines mehr als sechs Milliarden Dollar schweren Verlusts am Pranger, den ein als „Wal von London“ bekanntgewordener Händler dem New Yorker Geldhaus eingebrockt hatte. Die Behörden hatten der Bank damals Mängel bei den internen Kontrollen vorgeworfen. Dazu soll JP Morgan falsche Angaben zu den Transaktionen gemacht haben.

          Börsianer waren schockiert, weil es ein ungewöhnlicher Fehltritt für Dimon war. Dimon genießt nicht nur hohes Ansehen bei Starinvestor Warren Buffett, sondern galt schon damals allgemein als eine Art König der Wall Street. Buffett, der mit Kritik an der Wall Street nicht spart, bezeichnet Dimon schon mal als „fabelhaften Banker“ und empfiehlt den Aktionären seiner eigenen Anlagegesellschaft Berkshire Hathaway Dimons Briefe an die Aktionäre von JP Morgan zur Lektüre. In einem Fernsehinterview verriet er einmal, dass er Aktien von JP Morgan für sein privates Depot erworben hat. Größer kann ein Lob von Buffett kaum ausfallen.

          Dimon ist aber auch zur Selbstkritik fähig. Als „fehlerhaft, komplex, schlecht geprüft, schlecht ausgeführt und schlecht überwacht“ bezeichnete Dimon in einer Telefonkonferenz mit Analysten und Investoren die Handelsstrategie der Bank, die zu den damaligen Verlusten geführt hatte. Die klaren Worte, mit denen Dimon das Handelsdesaster des Wals beschrieb, sind für ihn nicht ungewöhnlich. Der im New Yorker Arbeiterstadtteil Queens aufgewachsene Bankmanager gilt generell als sehr direkt. Der rauhe Umgangston der Wall Street wurde Dimon in die Wiege gelegt. Sein Großvater war ein Einwanderer aus Griechenland, der 1919 nach New York kam und vom Tellerwäscher zum Aktienbroker aufstieg.

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