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Politische Unsicherheit : Zweifel an Italiens Bonität

Will Ministerpräsidentin werden: Giorgia Meloni,Vorsitzende der postfaschistischen Fratelli d’Italia. Bild: dpa

Nach einem negativem Ratingausblick von Moody’s steigt die Rendite. Die Neuwahlen in dem südeuropäischen Land könnten wichtige Reformen gefährden.

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          Italienische Staatsanleihen sind am Montag unter Verkaufsdruck geraten, während die Schuldtitel anderer Euroländer Kursgewinne verzeichneten. Grund für die schlechtere Entwicklung italienischer Anleihen war der negative Ausblick, den die Ratingagentur Moody’s am Freitagabend mitgeteilt hatte. Zuvor hatten die Bonitätsprüfer die Perspektiven des hoch verschuldeten Landes noch mit stabil eingestuft. Sollte der negative Ausblick zu einer Herabstufung führen, verlöre Italien bei Moody’s den investitionswürdigen Status („Investment Grade“). Derzeit liegt das Rating auf „Baa3“ und damit auf der letzten Investment-Grade-Stufe.

          Markus Frühauf
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihe stieg am Montag auf 3,02 Prozent, nachdem sie in der Vorwoche unter die Marke von 3,0 Prozent gesunken war. Der Risikoaufschlag gegenüber zehnjährigen Bundesanleihen lag am Montag bei 2,14 Prozentpunkten und damit deutlich niedriger als Mitte vergangener Woche mit knapp 2,40 Prozentpunkten.

          Die Analysten von Moody’s begründeten ihren skeptischeren Ausblick mit den politischen Unsicherheiten nach dem Ende der von Mario Draghi geführten Regierung und den nun bevorstehenden Neuwahlen. Sie sehen die rechtzeitige Umsetzung wichtiger Reformen im Rahmen des EU-Wiederaufbaufonds gefährdet. Zudem bedrohten Engpässe in der Energieversorgung die wirtschaftliche Entwicklung. Geringeres Wachstum, höhere Refinanzierungskosten und eine nachlassende Haushaltsdisziplin nennen die Moody’s-Analysten als Risiken für die Staatsfinanzen.

          „Das Risiko einer weiteren Herabstufung auf Ramsch nimmt mit Blick auf die mögliche politische Gemengelage nach den Wahlen am 25. September zu“, kommentierten Analysten der Dekabank die Entscheidung von Moody’s. Die Ratingagentur S&P Global hatte Ende Juli den positiven Ratingausblick für Italien gestrichen. Sowohl bei S&P als auch bei Fitch liegt das Rating Italiens auf jeweils „BBB“ und damit um zwei Stufen über dem Bereich, der nicht mehr als investitionswürdig gilt. In Umfragen führen die drei rechten Parteien Fratelli d’Italia, Lega und Forza Italia. Stärkste Kraft könnte die postfaschistische Fratelli d’Italia werden, deren Vorsitzende Giorgia Meloni Ministerpräsidentin werden will.

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