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Ein Investor zum Fürchten : Paul Singer lehrt deutsche Konzernlenker das Fürchten

Paul Singer Bild: Reuters

Paul Singer attackiert Firmen in aller Welt, zuletzt vermehrt in Deutschland. Seine Schlachten folgen einem raffinierten Plan – und kosten manchen Konzernchef den Job.

          Am Anfang steht die Angst. Sie überkommt selbst gestandene Vorstandschefs von Dax-Konzernen, üblicherweise Menschen mit gesundem Selbstbewusstsein. Nach glaubhaften Berichten reicht in diesen Tagen ein einziger Name aus, um Deutschlands oberste Konzernlenker in Unruhe zu versetzen – die Rede ist von „Elliott“.

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die meisten Menschen würden damit nichts anzufangen wissen, doch in den Vorstandsetagen wissen sie genau, wer gemeint ist: Der Amerikaner Paul Elliott Singer hat einen Ruf wie Donnerhall. Der 74-jährige amerikanische Investor, dessen Anlagefirma nach seinem zweiten Vornamen schlicht „Elliott“ heißt, hat in seinem Leben schon viele Unternehmen und selbst Staaten vor sich hergetrieben.

          Legendär ist sein Streit mit Argentinien, das nach dem Staatsbankrott im Jahr 2001 alle Gläubiger zu einer Umschuldung zwingen wollte, unter Inkaufnahme hoher Verluste versteht sich. Singer, der kurz zuvor in großem Stil Staatsanleihen des Landes gekauft hatte, ließ sich nicht darauf ein. In einem jahrelangen, erbitterten Rechtsstreit gelang es ihm sogar, ein Schiff der argentinischen Marine vorübergehend beschlagnahmen zu lassen, wofür ihn die damalige Staatspräsidentin Cristina Kirchner aufs übelste beschimpfte. Mit ihrem Nachfolger Mauricio Macri handelte Singer dann aber einen Vergleich aus und kam mit Gewinn aus der Sache heraus.

          Einer der am stärksten kritisierten Investoren der Welt

          Es ist diese bedingungslose Konsequenz, die Singer und sein Team aus 450 Mitarbeitern auszeichnet. Eine Konsequenz, die Vorstände und Staatschefs erschreckt und die andere Investoren in Ehrfurcht erstarren lässt. Jeder weiß: Singer und seine Mannen geben niemals auf. Eine Rendite von 13,1 Prozent hat sein Fonds im Jahresdurchschnitt seit Gründung im Jahr 1977 erzielt, es gibt wenige, die da mithalten können. Darum will jeder sein Geld bei ihm anlegen: Als Singer den Fonds 2017 für neue Anlagegelder öffnete, dauerte es nur 24 Stunden, bis er fünf Milliarden Dollar eingesammelt hatte. Ein Rekord.

          Trotzdem ist Singer zugleich auch einer der am stärksten kritisierten Investoren der Welt: Aggressiv gehe er vor, ohne Skrupel und in gewisser Weise brutal, wird ihm immer wieder vorgehalten. Wahr ist, dass er vor nichts und niemandem haltmacht. Dies zeigt allein schon ein Blick in sein aktuelles Portfolio: Singers Fonds hält Anteile an amerikanischen Konzernen wie Ebay und Dell, aber auch am französischen Getränkehersteller Pernod Ricard oder am italienischen Telekommunikationsunternehmen Telecom Italia.

          Seit einiger Zeit ist Singer auch in Deutschland aktiv. Er investiert dabei sowohl in Firmen, die nur Spezialisten bekannt sind, wie die Maschinenbauer SLM Solutions oder Gea, aber mittlerweile auch in die ganz gr0ßen Namen wie den Energieversorger Uniper oder gar den Stahlkonzern Thyssen-Krupp. Als Elliott bei Thyssen im vergangenen Jahr auf Veränderungen drang, gaben kurz danach der Vorstandschef Heinrich Hiesinger und der Aufsichtsratsvorsitzende Ulrich Lehner ihre Ämter ab. Daher die Unruhe, die deutsche Vorstände erfasst, wenn sie den Namen „Elliott“ hören. Denn nahezu alle Firmen, in die Singer investiert, haben eine Gemeinsamkeit: Sie befinden sich in einer Phase des Umbruchs und schwächeln an der Börse. Singer selbst würde es anders ausdrücken, positiver. Unternehmen, in die er investiere, hätten das Potential, ihren Wert für alle Aktionäre zu maximieren, lautet sein Credo. Was indirekt bedeutet: Die Unternehmen sind längst nicht so gut, wie sie eigentlich sein könnten.

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