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Ein Investor zum Fürchten : Paul Singer lehrt deutsche Konzernlenker das Fürchten

Doch wie rabiat geht Singer wirklich dabei vor, um die Firmen auf den von ihm favorisierten Weg zu zwingen? Und ist die Angst vor ihm berechtigt? Die F.A.S. hat sich hinter den Kulissen umgehört, offen spricht in der Angelegenheit fast niemand. Danach ergibt sich folgendes Bild: Deutschlands Vorstände haben allen Grund, beunruhigt zu sein. Dies hat allerdings weniger mit dem robusten Auftritt von Singer und seinen Leuten zu tun. Sondern vielmehr mit der Tatsache, dass der Investor und sein Team gut darin sind, die Mängel der jeweiligen Unternehmensstrategie gnadenlos zu identifizieren. „Man darf nicht den Fehler machen, diesen Investoren mangelnde Seriosität vorzuwerfen“, sagt Thomas Meurer, der als Partner der Anwaltskanzlei Hengeler Müller viele Jahre Erfahrung in solchen Auseinandersetzungen hat. „Sie gehen hochprofessionell vor und decken bei einigen Unternehmen echte Schwächen auf. Sie halten ihnen gewissermaßen den Spiegel vor.“

„Aktivisten“ helfen nach

Es versteht sich von selbst, dass dies insbesondere für den Vorstand nicht angenehm ist. Deswegen ruft dieser Ansatz gerade in Deutschland immer noch Befremden hervor. Hierzulande waren es die Vorstände von Aktiengesellschaften jahrzehntelang gewohnt, dass sie von Aktionären nicht mit unangenehmen Fragen belästigt wurden. Dass die Eigentümer eines Unternehmens, denn nichts anderes sind ja die Aktionäre, diese Rolle selbstbewusst ausüben, ist in Deutschland eine neue Entwicklung. Auch wenn es dem Management nicht gefällt: Man kann dies einen Fortschritt nennen.

Mit Blick auf Deutschland folgt Singer dabei einem klaren Schlachtplan. Unter Führung seines Sohnes Gordon erörtert ein Team von London aus Anlagechancen in Europa. Insgesamt 100 Leute hat Elliott in der britischen Hauptstadt stationiert. Bei vielen von ihnen handelt es sich um Analysten, die mühsame Kleinarbeit nicht scheuen. In London werden Bilanzen verglichen und Zahlen ausgewertet, um jene Firmen zu finden, die wohl jeder Investor gerne in seinem Portfolio haben möchte – Unternehmen also, die, technisch ausgedrückt, an der Börse über „Kurssteigerungspotential“ verfügen. Die besten Ideen präsentieren die Analysten mindestens einmal in der Woche per Videokonferenz Paul Singer und seinem Ko-Chef Jonathan Pollock.

Singer verlässt sich jedoch nicht nur auf die Londoner Analysten. In Deutschland berät beispielsweise der ehemalige Goldman-Sachs-Banker Thomas Schweppe den Singer-Fonds, er gilt als Initiator des Einstiegs bei Thyssen-Krupp. Auch der Rechtsanwalt und Kapitalmarktspezialist Josef Broich ist schon seit Jahren für Elliott tätig. Beide zählen auf ihrem jeweiligen Gebiet zu den absoluten Profis, wie selbst Gegenspieler eingestehen.

Nach dem Kauf der Aktien eines bestimmten Unternehmens warten Singer und seine Leute keineswegs in aller Ruhe ab, wie sich die Dinge entwickeln. Es ist Kern ihrer Strategie, dass sie stattdessen versuchen, aktiv nachzuhelfen. An den Finanzmärkten nennt man Anleger wie sie darum „Aktivisten“. Keiner ist auf diesem Feld so umtriebig wie Elliott. Nach einer Aufstellung der Investmentbank Lazard ging Elliott 2018 öffentlich 22 Unternehmen an, mehr als jeder andere vergleichbare Fonds. Die Elliott-Leute würden sagen, sie erzeugten dabei „konstruktiven Druck“, manche Vorstände dagegen empfinden diesen als über die Maßen unangenehm.

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