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Investmentbanking : Das Milliardengrab der Deutschen Bank

Die Deutsche Bank streicht am wichtigen Finanzplatz London besonders stark. Bild: Reuters

Die Einstellung des Aktienhandels treibt die Sanierungskosten. Deshalb fällt der Quartalsverlust höher aus als erwartet. Doch schwächelt ausgerechnet auch ein Geschäft, das sogar ausgebaut werden soll. Ein Anlass für tiefer gehende Sorgen.

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          Um die jüngsten Geschäftszahlen der Deutschen Bank zu interpretieren, braucht es mindestens drei Blickwinkel: Vom ersten und dritten Standpunkt aus betrachtet fallen die am Mittwochmorgen veröffentlichten Zahlen für das zweite Quartal 2019 enttäuschend schlecht aus. Vom zweiten Standpunkt (dem der Bank) aus gesehen, relativiert sich das Ganze (nur) etwas.

          Hanno Mußler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Reaktion der Börse kann daher nicht überraschen. Die Deutsche-Bank-Aktie startete am Mittwochmorgen mit einem Kursminus von 6 Prozent. Am späten Vormittag lag die Aktie mit 7,10 Euro noch 4 Prozent tiefer als am Vortag und war größter Tagesverlierer im Dax.

          Warum sehen die am Mittwoch veröffentlichten Geschäftszahlen der Deutschen Bank auf den ersten Blick schlecht aus? Nun, der Verlust ist im zweiten Quartal mit 3,1 Milliarden Euro höher ausgefallen als die Deutsche Bank noch am 7. Juli erwartet hatte. Damals hatte die Deutsche Bank gewarnt, dass die Einstellung des Aktienhandels und der Abbau von 18.000 Stellen im abgelaufenen Quartal statt dem bis dahin für 2019 erwarteten Gewinn einen Verlust von 2,8 Milliarden Euro verursachen werde.

          Warum ist der Quartalsverlust nun um rund 300 Millionen Euro größer ausgefallen? Das liegt ganz wesentlich an den Sanierungskosten – etwa nicht mehr nutzbare steuerliche Verlustvorträge oder zuvor als Vermögen angesetzte Software, die nicht mehr benötigt wird. Hier relativiert nun die Deutsche Bank. Die mit insgesamt 7,4 Milliarden Euro veranschlagten Kosten für die Sanierung bis 2022 hätten sich seit 7. Juli nicht verändert, sondern nur das Buchungs-Timing. Man habe in Absprache mit dem Wirtschaftsprüfer schon mehr von den Sanierungskosten im zweiten Quartal 2019 berücksichtigen können als anfangs gedacht.

          Somit würden die Belastungen aus der Sanierung in künftigen Quartalen geringer. Schon mit 900 Mitarbeitern, überwiegend im Aktienhandel, seien die Trennungsgespräche geführt. Die Deutsche Bank, so die Botschaft, treibt die Sanierung entschlossen voran. Klar ist aber schon jetzt: Den Verlust im ersten Halbjahr von 2,9 Milliarden Euro wird die Deutsche Bank bis Jahresende nicht aufholen. 2019 wird sie den dritten Milliardenverlust in vier Jahren hinnehmen müssen.

          DT. BANK

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          Warum sind die Quartalszahlen auch nach einem vertieften (dritten) Blick schwach? Kurz gesagt, weil das Investmentbanking nicht nur in den Geschäftsfeldern mit Ertragsrückgängen kämpft, aus denen sich die Deutsche Bank zurückziehen will. Dass die Erträge im Aktienhandel im zweiten Quartal um 32 Prozent deutlich zurückgegangen sind, juckt kaum noch jemanden, denn den Aktienhandel will die Deutsche Bank ja ohnehin komplett einstellen. Aber die Erträge im Aktienemissions- und Beratungsgeschäft etwa mit Börsengängen und Kapitalerhöhungen brachen auch um 32 Prozent ein.

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