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Büroimmobilien : Paris läuft London den Rang ab

Paris hat London als führenden Standort für Immobilieninvestitionen entthront. Bild: AFP

Paris ist der neue Spitzenreiter für Büroimmobilien. Die französische Hauptstadt hat laut einer Studie aber nicht nur in Europa an Bedeutung hinzugewonnen.

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          Paris hat London als führenden Standort für Immobilieninvestitionen entthront. Nach Angaben der Beratungsgesellschaft CBRE flossen im dritten Quartal 2019 erstmals mehr Investitionen in die französische als in die britische Hauptstadt. Damit sei Paris sogar der attraktivste Immobilienstandort der Welt geworden – vor London, New York, Schanghai und Singapur, schreiben die Analysten von CBRE in einer aktuellen Studie.

          Inken Schönauer

          Redakteurin in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Der Wachwechsel ist eine Folge der Unsicherheiten um den Brexit. Besonders auf dem Markt für Büroimmobilien ist das zu spüren. Die Metropole an der Themse hat im dritten Quartal einen Einbruch von 29 Prozent bei den Investitionen hinnehmen müssen; seit Jahresanfang sind es sogar 33 Prozent. Paris ist dagegen ein klarer Gewinner des Brexits. Im dritten Quartal ließen die Investoren der französischen Hauptstadt 44 Prozent mehr Mittel zukommen als vor einem Jahr. Seit Jahresbeginn beträgt das Plus 16 Prozent.

          Südkoreanische Fonds haben es verstanden

          Vor allem südkoreanische Fonds waren zuletzt aktiv. Sie investieren beispielsweise in zwei neue Bürotürme im Geschäftsviertel La Défense, zudem in große Gebäude im 12. Arrondissement und im Vorort Neuilly-sur-Seine. Seit Jahresbeginn haben die Südkoreaner in Frankreich für mehr als 4 Milliarden Euro zugekauft. „Zudem sind Investoren aus Singapur zunehmend präsent, und auch die Japaner zeigen sich sehr am Entwicklungsprojekt ,Grand Paris‘ interessiert“, sagte der CBRE-Direktor Nicolas Verdillon der Wirtschaftszeitung „Les Échos“.

          Im Rahmen des Projektes „Grand Paris“ entstehen 200 Kilometer an neuen U-Bahn-Linien, was mehr als einer Verdoppelung des bestehenden Netzes entspricht. 68 neue Bahnhöfe werden gebaut, und Dutzende neuer Stadtteile mit mindestens 600 000 Quadratmetern Wohn- und Bürofläche sind in Planung. 17 Prozent der ausländischen Investoren in Frankreich kommen heute aus Asien. Insgesamt ist die Lage in Europa jedoch kontrastreich.

          Laut CBRE sind in den ersten neun Monaten dieses Jahres nur 192 Milliarden Euro investiert worden, was einen Rückgang von 14 Prozent darstellt. Vor allem in Deutschland sei eine Verlangsamung zu spüren, weil die Objekte dort teuer und weniger liquide geworden seien, heißt es. Stärker begehrt seien dagegen die Märkte Irland, Italien und Schweden.

          Bei den anhaltend niedrigen Zinsen bleiben Immobilien insgesamt attraktiv. Weil die Preise für Büroimmobilien stark gestiegen sind, wenden sich die institutionellen Investoren jetzt stärker dem als stabil geltenden Markt für Privatimmobilien zu, berichtet CBRE. Der Privatsektor hat im dritten Quartal 2019 die Segmente Einzelhandel und Logistik überholt.

          Das Plus der in Privatimmobilien investierten Gelder erreichte in Europa im dritten Quartal 61 Prozent. Doch auch Privatimmobilien sind sehr teuer geworden. Der durchschnittliche Quadratmeterpreis beträgt in Paris inzwischen rund 10 000 Euro. In Regionalstädten wie Lyon und Bordeaux sind es 4300 Euro. Nach Angaben der französischen Notare betrug der Preiszuwachs in Paris in den zwölf Monaten bis August 5,7 Prozent.

          Mehrfamilienhäuser gefragt

          Auch in Deutschland kennen die Immobilienpreise derzeit nur den Weg nach oben. Der Verband deutscher Pfandbriefbanken (vdp) gab am Montag die Steigerung des Immobilienpreisindexes im dritten Quartal 2019 im Vergleich zum Vorjahr um 5,9 Prozent bekannt. Damit erreicht der Index ein neues Allzeithoch.

          „Sowohl Wohn- als auch Gewerbeimmobilien sind nach wie vor stark nachgefragt“, sagte Jens Tolckmitt, Hauptgeschäftsführer des vdp. „Allerdings hat sich im dritten Quartal 2019 wie erwartet das fortgesetzt, was bereits in den Vorjahresquartalen zu beobachten war: Die Wachstumsdynamik verlangsamt sich kontinuierlich.“ Eine deutliche geringere Wachstumsdynamik hätten die Wohnimmobilien in den Top-7-Städten Hamburg, Berlin, Frankfurt, Köln, Düsseldorf, München und Stuttgart verzeichnet.

          Hier hätten die Preise im Vergleich zum Vorjahresquartal um lediglich 3,6 Prozent zugelegt, wobei sich die Mehrfamilienhäuser etwas stärker verteuert hätten als selbstgenutztes Wohneigentum. Die abgeschwächte Preisdynamik stehe in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Mietendeckel oder der Mietpreisbremse. Sie würden insbesondere in den Metropolen ihre Wirkung entfalten, aber in keiner Weise zur Lösung des Problems der Wohnungsnot beitragen. Als Wachstumstreiber bei den Gewerbeimmobilien haben sich laut vdp die Büroimmobilien erwiesen.

          Deren Preise seien um 8,8 Prozent gestiegen, was insbesondere auf die konstant hohe Flächennachfrage und das gleichzeitig geringe Flächenangebot zurückzuführen sei. Insgesamt verharre der Immobilienzyklus auf seinen „Hochplateau“, sagte Tolckmitt. Und das, obwohl sich Deutschland im Konjunkturabschwung befinde.

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