https://www.faz.net/-gv6-9xn8b

Invesco-Stratege : „Die Märkte übertreiben“

Invesco-Stratege Bernhard Langer Bild: Frank Röth

Bernhard Langer, Stratege der Fondsgesellschaft Invesco erwartet vom jüngsten Hilfsprogramm der EZB einen positiven Effekt auf die Märkte, die derzeit übertrieben.

          2 Min.

          Die Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) für ein neues Anleihenkaufprogramm begrüßt Bernhard Langer, Chefstratege des amerikanischen Vermögensverwalters Invesco. „Sie demonstriert, dass die Zentralbank bereit ist, alles zu tun, um zu helfen“ sagt er im Gespräch mit der F.A.Z. Langer rechnet damit, dass die neuen Käufe mittel- bis langfristig ihre Wirkung entfalten werden. Sie erhöhten die Liquidität und unterstützten die Staaten, sich zu refinanzieren. Doch Prognosen im aktuellen Umfeld sind Langer unmöglich. „Die Reaktion der Märkte auf die Corona-Krise ist nicht nur heftig ausgefallen, sondern auch übertrieben.“  

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die aktuelle Lage kommt für ihn einer Kapitulation der Anleger gleich. Neben der Ausbreitung des Coronavirus habe zu der Verunsicherung auch der Ölpreisschock aufgrund des Streits zwischen Russland und Saudi-Arabien beigetragen. Für bedenklich hält er, dass in den Tagen zuvor jede Maßnahme der Notenbanken von den Märkten als Indiz wahrgenommen worden sei, dass die Weltwirtschaft am Abgrund stehe. „Wir sind in einem Szenario, in dem alles rabenschwarz gesehen wird.“  

          Doch dabei gebe es ein Drehbuch, wie die Corona-Krise besiegt werden könne. Hier verweist Langer auf China, wo die Produktion wieder hochgefahren werde. Zwar seien hier auch einschneidende Maßnahmen nötig gewesen, sie hätten aber geholfen. Langer vertraut den Zahlen der Weltgesundheitsorganisation WHO zu den Corona-Infizierten in China. Demnach ebbt die Entwicklung dort ab.  

          Keine Börsenschließung

          Der Invesco-Stratege erwartet nun eine Rezession. Deshalb will er vorerst auf Sicht fahren. Die Risikosysteme hätten funktioniert, sagt er mit Blick auf die quantitative Anlagestrategie von Invesco, die auf das frühe Erkennen von Trendwechseln an den Märkten setzt. Die Verluste seien nicht so stark ausgefallen wie an den Märkten.

          Langer hofft, in zwei Wochen mehr Klarheit zu haben, ob die Einschränkungen des öffentlichen Lebens in Europa erfolgreich waren, um die Ausbreitung des Virus zu unterbinden. Gar nichts hält er davon, die Börsen zu schließen, auch wenn die aktuelle Entwicklung von Panik bestimmt sei. „Ein solches Signal wäre fatal“, warnt Langer. Gerade jetzt komme es darauf an, die Möglichkeit zum Handel von Wertpapieren aufrechtzuerhalten.  

          Einen noch umfassenderen Schutzschirm der Regierungen für die Unternehmen kann seiner Ansicht nach Vertrauen wiederherstellen. Das sei aber sehr schwierig, weil es um Tausende von Einzelfirmen gehe. Für eine grundlegende Erholung müssten die Zahlen der Infizierten wieder zurückgehen.

          Darüber hinaus dürfe Chinas Rückkehr zur Produktion nicht mit einer abermaligen Ausbreitung des Coronavirus einhergehen. Schließlich sei ein überzeugendes Konzept nötig, um die Unternehmen umfassend abzusichern.

          Weitere Themen

          Mit Spam-Fleisch auf Kurshoch

          Aktie Hormel Foods : Mit Spam-Fleisch auf Kurshoch

          Das Konservenfleisch mit dem abstoßenden Markennamen gibt es seit den 1930er-Jahren. Dank Corona ist die Aktie des Herstellers Hormel Foods auf neuen Höhen. Ein Portfoliomanager rät aber dennoch vom Kauf ab.

          Das boomende Geschäft mit den Fresspaketen

          Scherbaums Börse : Das boomende Geschäft mit den Fresspaketen

          Online-Bestellplattformen gehören zu den Profiteuren der Corona-Pandemie – etwa Delivery Hero, das es nach dem Abstieg von Wirecard sogar in den Dax schaffen könnte. Doch es gibt auch vielversprechende Konkurrenten.

          Topmeldungen

          Die Hagia Sophia in Istanbul

          Debatte um Hagia Sophia : Erdogan, der „zweite Eroberer Istanbuls“?

          Die Hagia Sophia in Istanbul kann wieder eine Moschee werden. In der Türkei gibt es keinen Zweifel, dass Präsident Erdogan bald ein entsprechendes Dekret unterzeichnet. Seine Kritiker sehen die Debatte als nationalistische Selbstinszenierung – und als Ablenkungsmanöver.

          Nach Corona-Ausbruch : Tönnies beantragt Lohnzahlung vom Land

          Deutschlands größter Fleischbetrieb und mehrere seiner Subunternehmer haben beantragt, dass ihnen das Land Teile der Löhne für die Quarantänezeit erstattet. Die Aussicht auf Erfolg ist gering.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.