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Handel und Cloud-Dienste : Amazon verdoppelt Gewinn

Amazon-Chef Jeff Bezos und seine Ehefrau MacKenzie Bezos in dieser Woche in Berlin Bild: dpa

Der Online-Händler legt glänzende Zahlen vor, und Vorstandschef Jeff Bezos wird immer reicher. Das ist aber nicht in erster Linie dem traditionellen Kerngeschäft zu verdanken.

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          Der Online-Händler Amazon.com hat mit seinen am Donnerstag nach Börsenschluss vorgelegten Quartalsbericht die Erwartungen deutlich übertroffen. Das bis vor kurzem noch als chronisch ertragsschwach geltende Unternehmen hat seinen Nettogewinn in den ersten drei Monaten dieses Jahres auf 1,6 Milliarden Dollar mehr als verdoppelt, das Ergebnis je Aktie von 3,27 Dollar lag weit über den von Analysten im Schnitt vorhergesagten 1,26 Dollar. Amazon setzte auch sein rasantes Umsatzwachstum fort, diesmal gab es ein Plus von 43 Prozent auf 51,0 Milliarden Dollar. Analysten hatten mit 49,8 Milliarden Dollar gerechnet. Das Umsatzwachstum erklärt sich zum Teil mit der im vergangenen August vollzogenen Übernahme der Supermarktkette Whole Foods.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Der Gewinnsprung ist in hohem Maße Amazon Web Services (AWS) zu verdanken, dem Geschäft mit Cloud Computing, das zwar nur für gut 10 Prozent des Umsatzes steht, aber mehr als 70 Prozent zum Betriebsergebnis beiträgt. Mit dieser Sparte stellt Amazon Unternehmen, die ihre Informationstechnik ins Internet verlagern wollen, Computerkapazitäten zur Verfügung. Jenseits des reinen Vermietens von Rechnern bietet AWS mittlerweile aber auch eine Fülle anderer Computerdienstleistungen an und hilft seinen Kunden zum Beispiel bei der Datenanalyse oder der Entwicklung von Smartphone-Anwendungen. Der Umsatz von AWS stieg im ersten Quartal um 49 Prozent auf 5,4 Milliarden Dollar, der Betriebsgewinn erhöhte sich um 57 Prozent auf 1,4 Milliarden Dollar.

          Die noch jungen Aktivitäten im stationären Einzelhandel brachten Amazon im vergangenen Quartal einen Umsatz von 4,3 Milliarden Dollar ein. Der weitaus größte Teil davon dürfte auf Whole Foods entfallen, daneben betreibt Amazon unter seinem eigenen Namen auch eine Kette von Buchläden, die heute 15 Filialen umfasst. Unlängst sorgte der Konzern auch mit der Eröffnung eines Lebensmittelladens für Aufsehen, der keine Kassen hat. Eine immer wichtigere Umsatzsäule werden auch gebührenpflichtige Dienste wie das Kundenbindungsprogramm Prime, die insgesamt 3,1 Milliarden Dollar und damit 60 Prozent mehr als im Vorjahr einbrachten. Amazon gab erst vor wenigen Tagen bekannt, mehr als 100 Millionen Prime-Mitglieder zu haben. Prime war zunächst ein Programm, das besonders schnelle Auslieferung von Bestellungen ohne zusätzlichen Aufpreis versprach. Heute genießen Prime-Kunden auch eine ganze Reihe anderer Annehmlichkeiten, beispielsweise haben sie Zugang zu einer Online-Videothek mit Filmen und Fernsehserien, die mit Netflix vergleichbar ist.

          Der Aktienkurs von Amazon stieg am Donnerstag nach Börsenschluss zeitweise mehr als sechs Prozent auf ein neues Rekordhoch. Die Amazon-Aktie hat seit Jahresbeginn schon 38 Prozent an Wert gewonnen, in den vergangenen zwölf Monaten stieg der Kurs sogar um mehr als 75 Prozent. Das lässt auch das Vermögen des Vorstandsvorsitzenden Jeff Bezos anschwellen, der einen Anteil von rund 17 Prozent am Unternehmen hält. Im „Bloomberg Billionaires Index“ wird der Reichtum von Bezos derzeit auf 122 Milliarden Dollar beziffert.

          AMAZON.COM INC. DL-,01

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          Nicht thematisiert wurde in dem Quartalsbericht die Serie von Verbalattacken des amerikanischen Präsidenten Donald Trump, mit denen sich das Unternehmen in den vergangenen Wochen auseinanderzusetzen hatte. Trump hat sich darüber beklagt, dass Amazon der chronisch defizitären amerikanischen Staatspost USPS zu wenig für die Auslieferung seiner Pakete bezahle. Er hat dem Konzern auch vorgeworfen, zu wenig oder gar keine Steuern zu bezahlen und Tausende von Händlern in den Ruin zu treiben.

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