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Anlagetrends : Institutionelle Investoren kehren Börsen zunehmend den Rücken

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Zu unsicher: Börsenhektik wollen Institutionelle derzeit eher weniger. Bild: AFP

Wenn es an der Börse gut läuft, wollen alle dabei sein. Institutionelle Investoren wollen 2019 dort eher weniger aktiv sein.

          Wertpapierbörsen gelten stets als Spiegelbild der Konjunktur. Tatsächlich ist der Zusammenhang kurzfristig eher lose, längerfristig aber folgt die Kursentwicklung schon der wirtschaftlichen. Wer also an den Wertpapiermärkten investiert, holt sich damit ein Konjunkturrisiko ins Depot.

          Institutionelle Investoren sind aber stets bemüht, ihre Portfolien möglichst wertstabil aufzubauen, sprich von eben diesen Konjunkturrisiken möglichst abzukoppeln. Folgt man einer jüngsten Umfrage der weltgrößten Fondsgesellschaft Blackrock, so scheinen die konjunkturellen Sorgen Ende 2018 zugenommen zu haben. Dafür hat Blackrock 230 seiner größten institutionellen Kunden rund um den Globus befragt. Diese verwalten ein Vermögen von mehr als sieben Billionen Dollar.

          Vor allem Amerikaner mögen Aktien nicht mehr

          Deutlich mehr als die Hälfte der Befragten gab an, in diesem Jahr vor allem stärker in Sachwerte investieren. An zweiter Stelle folgt Private Equity, die bei 47 Prozent mehr Gewicht erfahren soll. Immerhin 40 Prozent wollen mehr Immobilien kaufen.

          Dagegen will ebenfalls mehr als die Hälfte ihre Aktienpositionen verringern, 2018 war es nur wenig mehr als ein Drittel, 2017 waren es nur 29 Prozent. Aktien werden also zunehmend weniger interessant. Vor allem betrifft dies aber Nordamerika, wo mehr als zwei Drittel ihre Aktienquoten reduzieren wollen. Dagegen bleiben die Europäer den Börsen treu. Nur 27 Prozent wollen mehr Aktien verkaufen als kaufen.

          Für Edwin Conway, Leiter des Geschäftes mit institutionellen Kunden bei Blackrock, hat diese Entwicklung nichts überraschendes. „Wir betonen bereits seit einiger Zeit das Potential alternativer Anlageklassen, wenn es darum geht, Renditen zu erhöhen und die Risikostreuung zu optimieren.“

          Wenn es dann um Aktien geht, so wird die Anlagestrategie zunehmend defensiver. Nicht nur, dass an erster Stelle steht, Risiken im Portfolio zu reduzieren. Vermehrt soll auch mehr „Alpha“ generiert werden, also der Teil der Rendite, der nicht aus Marktbewegungen stammt. Und nachhaltiges oder sozial verantwortliches Investieren wird wichtiger, bis hin zum sogenannten Impact Investing, mit dem direkt Veränderungen bewirkt werden sollen.

          Möglicherweise versprechen sich die Investoren davon auch eine größere Stabilität der Portfolios. Allerdings ist es in allen Fällen immer noch die Minderheit der Investoren, die so denkt. 41 Prozent wollen Risiken reduzieren, 28 Prozent nachhaltiger anlegen.

          Mehr gefragt sind wieder Anleihen. 38 Prozent wollen ihre Bestände aufstocken, eine merkliche Steigerung gegenüber nur 29 Prozent vor einem Jahr. Aber auch hier geht der Trend weg von den Börsen. Weit mehr als die Hälfte der Teilnehmer wollen sich vor allem stärker an Privatplatzierungen beteiligen.

          Die Verunsicherung der Investoren zeigt sich am deutlichsten in der Region Asien-Pazifik. Dort plant ein Drittel der Investoren ihre Liquidität zu erhöhen, um Portfolios abzusichern. „Umschichtungen in den Bereich Fixed Income sind bei Pensionseinrichtungen von Unternehmen besonders ausgeprägt“, sagt Conway. Es gebe viele Pläne mit festen Leistungszusagen, auf deren Auslaufphasen sich die Träger vorbereiteten.

          In Deutschland sei vor allem ein steigendes Interesse an Infrastrukturinvestitionen zu erkennen, sagt Marcus Severin, Leiter des Geschäftes mit Versicherern in Deutschland und Österreich. Diese hätten etwa in den vergangenen Jahren deutlich mehr investiert, auch wenn der Anteil nur 5 Prozent beträgt. Allerdings lag er vor gar nicht allzu langer Zeit noch bei weniger als 1 Prozent. Auch das Interesse an nachhaltigen Anlagen steige – und das nicht nur bei den Versicherern.

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