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Mode : Insolvenzen reißen Kurs der Tom-Tailor-Aktie mit

Tom Tailor: Best price, best quality, bad Aktienkurs Bild: dpa

Nach den Insolvenzen von Gerry Weber und AWG steht am Mittwoch der Aktienkurs von Tom Tailor abermals unter Druck. Die Anleger reagieren augenscheinlich verschnupft auf eine möglich Kapitalmaßnahme.

          Die Lage der deutschen Modebranche ist nicht gut. In den vergangen Jahren gingen die Hersteller Laurèl und René Lezard sowie die Handelsketten Steilmann-Boecker und Wöhrl in die Insolvenz, während sich etwa More&More oder Peine, teilweise in fast letzter Sekunde, in die Arme ausländischer Investoren retteten.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Am vergangenen Wochenende erhielt die Krisen-Story neuen Antrieb als am Freitag der bekannte Modehersteller Gerry Weber und am Montag die Handelskette AWG Insolvenz beantragten.

          An der Börse wirken sich die Geschehnisse auch auf den  Kurs der gleichfalls als angeschlagen geltenden Handelskette Tom Tailor aus. Um 16 Prozent geht es derzeit mit dem Kurs nach unten. Mit 2,02 Euro hat die Notierung damit ein Allzeittief erreicht. Das Unternehmen mit einem Jahresumsatz von rund 850 Millionen Euro wird gerade noch mit 75 Millionen Euro bewertet.

          Dabei hatte sich der Kurs zunächst noch ganz gut gehalten und war unter heftigen Ausschlägen von Freitag bis Montag Mittag zunächst um mehr als 16 Prozent gestiegen.

          Was den Anlegern offenbar nicht gefällt, ist dass der chinesische Mischkonzern Fosun offenbar anschickt, die vollständige Kontrolle über Tom Tailor zu erlangen. Derzeit hält Fosun rund 29 Prozent der Anteile.

          Am Dienstag hatte die EU-Kommission eine Pressemitteilung veröffentlicht, wonach sie die Kontrollübernahme nach der EU-Fusionskontrollverordnung freigegeben hat. Am Mittwoch folgte nun diesbezüglich eine Klarstellung durch das Unternehmen, wonach sich diese Freigabe auf die schon bestehende faktische Hauptversammlungsmehrheit von Fosun aufgrund abnehmender Präsenz in den Hauptversammlungen bezieht. Dieser passiven Kontrollmöglichkeit wurde die Freigabe erteilt.

          Darüber hinaus teilte Tom Tailor mit, dass man sich derzeit „in Gesprächen über die Durchführung einer Kapitalmaßnahme“ befinde. Auch dies könnte eine Faktor sein, der den Anlegern nicht behagt, die 2 und 2 zusammenzählen und dabei auf 4, womöglich aber auch auf 5 kommen.

          Denn natürlich könnte die Kapitalmaßnahme so beschaffen sein, dass Fosun dadurch auch eine zahlenmäßige Mehrheit der Anteile übernimmt. Oder eben auch nicht.

          Fosun ist wie die Konkurrenz Shandong Ruyi, die Peine übernommen hat oder die türkische Cemsel in Europa auf Einkaufstour. Im April 2018 erwarb man das französische Modehaus Lanvin  und im Mai den österreichischen Strumpfhersteller Wolford. Auch andere Marken gehören zum Portfolio der Chinesen. 

          Im Dezember hatte Tom Tailor hat zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate die Gewinnziele gesenkt, vor allem weil die Marke Bonita hinter den Erwartungen zurückblieb. Zum Jahresende schrieb Tom Tailor auf die Tochtergesellschaft 120 bis 130 Millionen Euro ab.

          Für das laufende Jahr rechnet Tom Tailor mit einem Konzernumsatz zwischen 840 und 860 Millionen Euro. Die operative Marge (Ebitda) werde aber nur bei 6,0 bis 6,5 Prozent liegen. Bisher war der Modekonzern von einer Marge in Höhe von 7,5 bis 8,5 Prozent ausgegangen. Die Bewertung des Unternehmens liegt damit bei dem 1,3- bis 1,5fachen des operativen Gewinns.

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