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Insolvenzantrag : Kurs der Mybet-Aktie fällt um 70 Prozent

Sportwetten sind umstritten. Bild: dapd

Ein langes Kapitel einer Wett- und Glücksspiel-Aktie geht wohl zu Ende: Mybet, einst auch als Fluxx.com bekannt, will einen Insolvenzantrag stellen.

          Sportwetten-Anbieter galten vor gut einem Jahrzehnt kurzzeitig als Unternehmen mit großer Zukunft. Der Kurs von Bet-at-home etwa verdreifachte sich in den ersten drei Monaten des Jahres 2006. Der Kurs der Bwin-Aktie stieg von Anfang 2005 bis zum gleichen Zeitpunkt um das Zehnfache, bevor eine harte staatliche Regulierung die Hoffnungen zunichte machte.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Ein Unternehmen der ersten Stunde war auch Fluxx.com, das später Jaxx und zuletzt Mybet hieß. Nun geht die Geschichte wohl zu Ende. Am Dienstagnachmittag teilte der Vorstand mit, man bereite einen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens wegen drohender Zahlungsunfähigkeit vor. Grund sei das Scheitern von Gesprächen mit einem strategischen Investor über eine mögliche Veräußerung des unter der Domain www.mybet.com betriebenen Online-Geschäfts. Die Bedingungen seien nicht zu erfüllen gewesen. Auslösend war letztlich, dass das Finanzamt Frankfurt einen Antrag auf einstweilige Einstellung der Vollstreckung von rückständigen Sportwettensteuern abgelehnt hat, den die maltesische Tochtergesellschaft Personal Exchange gestellt hatte. Dabei ging es um rund 4 Millionen Euro.

          Regulierungskonflikte, Rechtsstreits

          Gut ging es Mybet schon lange nicht mehr. 2009 hatten die Umsätze mit rund 115 Millionen Euro ihren Gipfel erreicht. Danach dümpelten sie zwischen 60 und 70 Millionen Euro. 2016 waren es noch 45 Millionen, in den ersten neun Monaten des Jahres 2017 kamen nur noch 25 Millionen zusammen. Gewinn hatte das Unternehmen nie viel gemacht – gerade einmal in fünf Jahren seit 1996 stand kein Minus unter dem Strich. Der Rekordgewinn des Jahres 2012 von 6 Millionen Euro war einem Sondereffekt zu verdanken und so stand am Schluss ein Bilanzverlust von mehr als 28 Millionen Euro zu Buche.

          Das Unternehmen hatte dabei zahlreiche Probleme. Die Konflikte mit Regulierungsbehörden, unter denen auch andere Anbieter litten, führten immer wieder dazu, dass Geschäft in einigen Ländern aufgegeben musste und sich die Rahmenbedingungen immer wieder verschlechterten. Zuletzt war das Casino-Geschäft in Griechenland jahrelang blockiert gewesen. Auch der 2014 endgültig beendete Ausflug ins Lotto-Geschäft verlief unglücklich.

          Ebenso waren zahlreiche Rechtsstreitigkeiten, die schließlich Anlass des Insolvenzantrags waren, eine Belastung. In Slowenien verlor man einen Prozess um Gewinnauszahlungen. Der Rechtsstreit mit der Westlotto um eine Kartellstrafe zog sich fast zehn Jahre hin, bis er Mitte 2017 mit einem Vergleich endete. Dieser brachte dem Unternehmen seinerzeit zwar knapp 12 Millionen Euro, doch hatte man dafür eine Zwischenfinanzierung abgeschlossen, die fast 7 Millionen kostete.

          Es wurde kein Wertpapier gefunden!

          Ein nicht zu unterschätzender Punkt aber dürften die IT-Probleme gewesen sein. 2014 stellte Mybet fest, dass die Leistung der eigenen Plattform mit denen der Marktführer in den vergangenen Jahren nicht habe Schritt halten können. Die neue Plattform aber verzögerte sich und konnte erst im Frühjahr 2017 in Betrieb gehen.

          Diese brachte zwar wohl etwas frischen Wind, doch die Liquiditätsprobleme wurden akuter. Das slowenische Urteil gegen Mybet im November 2017 belief sich auf noch nicht einmal 300.000 Euro., doch benötigte das Unternehmen schon einen kurzfristigen Überbrückungskredit. Eine Wandelanleihen-Emission brachte statt geplanter 4,9 Millionen Euro zunächst noch nicht einmal die Hälfte ein. Zudem war das Geld hauptsächlich für den Rückkauf einer älteren Wandelanleihe vorgesehen, nicht zuletzt um über eine hinterlegte Bar-Sicherheit verfügen zu können. Der Umschuldung folgte dann  eine Kapitalherabsetzung, um wieder Aktien ausgeben zu können.  

          Ein Schlag kam im Januar, als der Casinospielanbieter Novomatic unvermittelt alle Casinospiele für Mybet-Kunden in Deutschland abzuschalten. Im März gab man Gespräche mit einem strategischen Investor aus Malta über ein Gemeinschaftsunternehmen bekannt, die im Juni scheiterten. Danach scheiterte wie beschrieben der Versuch Tochtergesellschaften und Domain zu verkaufen.

          Der lange Leidensweg der Mybet/Jaxx/Fluxx.com zeigte sich auch im Kursverlauf. Vom Kapitel Neuer Markt, der den Kurs zurückgerechnet von rund 65 bis auf 436 Euro explodieren ließ, bevor er sich 2003 bei knapp 2 Euro wiederfand, muss mal wohl absehen. Die kurze Wettanbieter-Hausse ließ ihn bis Anfang 2006 noch einmal auf 53 Euro steigen, bevor sich international das Klima gegen die Branche drehte.

          2009 gab es ein kleine Erholung bis auf 10 Euro, danach ging es nur noch abwärts. Am Mittwoch fällt der Kurs um mehr als 70 Prozent auf nur noch 6,6 Cent.

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