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Neo-Fisher-Effekt : Wie die Zielinflation erreicht werden kann

  • -Aktualisiert am

Ein Origami aus einem 500-Euro-Schein: Die Schönheit des fließenden Geldes ist momentan außer Kraft gesetzt. Bild: Getty

Der Leitzins hierzulande ist historisch tief. Dennoch schafft es die Inflation nicht, das angepeilte Zwei-Prozent-Ziel zu erreichen. Eine alternative Geldpolitik könnte helfen.

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          Am 6. Juni 2019 hat der EZB-Rat in seiner regulären, diesmal in Vilnius abgehaltenen Sitzung beschlossen, die Nullzinspolitik nicht nur bis zum Jahresende, sondern bis mindestens Mitte 2020 auszudehnen. Sie wird hier nun schon seit mehr als einem Jahrzehnt, in Japan seit zwei Jahrzehnten verfolgt. Aber ihr offiziell deklariertes Ziel, die Inflation auf ein Niveau nahe 2 Prozent zu heben, hat sie nicht erreicht. Eine solche moderate Inflation galt schon unter Ökonomen des 18. Jahrhunderts wie Richard Cantillon als wünschenswert, weil sie das Horten von Geld unrentabel macht, also das wirtschaftliche Wachstum antreibt, während die Preisveränderungen überschaubar bleiben.

          Man hat sich oft gefragt, warum an der Nullzinspolitik festgehalten wird, wenn sie dieses einfache Ziel zu erreichen offenbar nicht geeignet ist. Die Zentralbank wird verdächtigt, heimlich andere Zwecke zu verfolgen, wie die Erleichterung der Finanzierung staatlicher Defizite, die desto dringender erscheint, je höher die Staatsschuld steht. Niedrige Zinsen führen zu hohen Vermögenspreisen und begünstigen insofern die Reichen in der Gesellschaft. Begünstigt werden im übrigen die Schuldner überhaupt, ob es nun um den Bau eines Hauses oder die Finanzierung der Käufe von Wertpapieren zur Ausnutzung der Hebelwirkung durch die Spanne zwischen Zinskosten und erwarteten Erträgen geht. Aber wir wollen der Zentralbank nicht unterstellen, unaufrichtig zu handeln. Wir nehmen sie beim Wort und fragen, ob die Nullzinspolitik überhaupt geeignet ist, den Preistrend anzuheben.

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