https://www.faz.net/-gv6-acggv

Aktienauswahl : Wer von mehr Inflation profitiert

Handelssaal der Börse Frankfurt Bild: dpa

Zunehmende Inflation und wachsende Sorgen beschäftigen derzeit viele Investoren. Eigentlich ist das ein gutes Umfeld für Aktien. Doch zyklische und defensive Werte reagieren anders.

          2 Min.

          Wachsende Inflationssorgen beschäftigen Analysten und Anleger schon seit einiger Zeit. Weitere Nahrung dürften die Diskussionen durch die vor wenigen Tagen veröffentlichten ersten Schätzungen des Statistischen Bundesamtes bekommen haben. Danach hat die Inflationsrate in Deutschland vor allem durch deutlich höhere Energiepreise im Mai den nächsten Sprung gemacht: von 2,0 Prozent im April auf nun 2,5 Prozent.

          Kerstin Papon
          Redakteurin in der Wirtschaft.

          In Zeiten von Inflation gelten Sachwertanlagen wie Aktien, Immobilien oder Gold für Investoren gemeinhin als gute Absicherung. Doch der jüngste Anstieg der Inflationserwartungen habe an den Märkten für Verunsicherung gesorgt, obwohl Inflation gut für Aktien sein sollte, heißt es vom Vermögensverwalter HQ Trust. Schließlich spiegelt sich in solchen Erwartungen die Hoffnung auf eine Erholung der Wirtschaft.

          Von höheren Preisen besonders profitieren sollten dabei theoretisch die Sektoren, die den Preisdruck an ihre Konsumenten weiterreichen könnten. Der Frage, ob das in der Vergangenheit auch tatsächlich so war, ist Sven Lehmann, Fondsmanager von HQ Trust, nachgegangen und hat untersucht, welche Aktien in Phasen zunehmender Inflationserwartungen besser abgeschnitten haben als andere. Die Analyse erfasst die Jahre von 2002 bis 2021.

          Reine Inflationsbetrachtung nicht sinnvoll

          Lehmann hat dabei festgestellt, dass sich bei steigenden Inflationserwartungen zyklische, also konjunkturabhängige, Branchen besser entwickelt hätten als andere. Für defensive Sektoren wiederum treffe dies in Phasen fallender Inflationserwartungen zu. So haben demnach in den vergangenen 20 Jahren in Zeiten zunehmender Erwartungen zur Inflation Aktien aus den Bereichen Halbleiter, Hardware und Automobile im Durchschnitt besonders gut abgeschnitten. Vier Sektoren sind dagegen in Phasen steigender Inflationserwartungen deutlich hinter dem Markt zurückgeblieben: Aktien aus den Bereichen Immobilien, Telekom, Einzelhandel und Energie.

          Eine reine Inflationsbetrachtung ist jedoch nicht sinnvoll. Investoren sollten vielmehr auch die aktuelle Bewertung der Aktien mit einbeziehen, sagt Lehmann von HQ Trust, dem Multi-Family-Office der Familie Harald Quandt. In der jüngsten Phase steigender Inflationserwartungen zum Beispiel liefen die schon relativ teuren Technologieaktien schlechter als viele andere Sektoren.

          Für seinen Vergleich hat Lehmann die Wertentwicklung der 24 Sektorindizes des Indexanbieters MSCI für die Welt und die sogenannte Break-even-Inflationsrate in den Vereinigten Staaten gegenübergestellt. Hier vergleiche man Renditen normaler Anleihen mit inflationsindexierten Papieren gleicher Laufzeit und Bonität, sagt der Fondsmanager. Dieser Wert zeige an, was die Marktteilnehmer in den kommenden zehn Jahren im Durchschnitt an Inflation erwarten würden.

          In den vergangenen Jahren war die Inflationsrate in Deutschland eher niedrig. Im Jahresdurchschnitt von 2019 etwa erhöhten sich die Verbraucherpreise um 1,4 Prozent gegenüber dem Jahr 2018. In den Vereinigten Staaten betrug die durchschnittliche Inflationsrate zu dieser Zeit 1,8 Prozent.

          Weitere Themen

          Wenn Titan und Iron bricht

          FAZ Plus Artikel: Kryptowährungen : Wenn Titan und Iron bricht

          Das Misstrauen gegenüber Kryptowährungen ist so alt wie diese selbst. Besicherte „Stablecoins“ sollten dies ändern. Auch die kontrollwütige Regierung in Peking geht gegen die Digitalwährung vor.

          Topmeldungen

          Der belarussische Staatschef Alexandr Lukaschenko

          Belarus : Lukaschenko greift Deutschland wegen Sanktionen scharf an

          Der belarussische Staatschef bringt die Strafmaßnahmen des Westens in Verbindung mit dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion vor 80 Jahren. In Richtung von Außenminister Maas fragt er, ob dieser ein „Erbe der Nazis“ sei.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.