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„Greenflation“ : Wie der Klimaschutz die Inflationsrate beeinflusst

Auto oder Fahrrad? Wer sich fürs Auto entscheidet, spürt den Klimaschutz beim Tanken. Bild: Ricardo Wiesinger

Ökonomen versuchen zu berechnen, wie stark der Klimaschutz schon bei der aktuellen Inflationsrate eine Rolle spielt. Für den Emissionshandel und den CO2-Preis ist das relativ einfach. Die Bedeutung dieses Themas dürfte wachsen.

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          Ein Liter Diesel kostet erstmals in der Geschichte in Deutschland im Durchschnitt mehr als 1,60 Euro. Darauf hat der Autoklub ADAC in seiner wöchentlichen Auswertung der Benzinpreise hingewiesen. Hauptgrund sei der gestiegene Rohölpreis. Rohöl der Nordseesorte Brent hatte bereits am Dienstag mit 88 Dollar je Barrel (159 Liter) den höchsten Stand seit sieben Jahren erreicht - verteuerte sich am Mittwoch aber abermals auf mehr als 89 Dollar.

          Christian Siedenbiedel
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Auch für die höchste Inflation in Deutschland seit fast 30 Jahren spielen das teure Öl und Benzin eine wichtige Rolle. Das Statistische Bundesamt hat  seine Schätzung für die außergewöhnlich hohe Inflationsrate von 5,3 Prozent für Deutschland im Dezember bestätigt - und Details veröffentlicht. Für das Gesamtjahr 2021 lag die Inflation hierzulande demnach bei 3,1 Prozent.

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          Ein halber Prozentpunkt mehr

          Etwa ein halber Prozentpunkt davon entfalle auf die „Greenflation“, also unmittelbare Folgen von Klima- und Umweltpolitik, hat der Ökonom Holger Schmieding ausgerechnet. Darunter fasst er den Anfang 2021 eingeführten CO2-Preis auf Heiz- und Kraftstoffe und die Folgen der knapperen Zertifikate im Emissionshandel. Die Definition ist allerdings ausgesprochen eng.

          Besonders stark fiel der Preisanstieg im Dezember auf Jahressicht beim Heizöl mit 61 Prozent und bei Kraftstoffen mit 33,8 Prozent aus. Das hatte laut Statistischem Bundesamt drei Gründe: Rohöl an den globalen Märkten, das im Vorjahr wegen der Pandemie außergewöhnlich billig war, hat sich stark verteuert, in Euro mehr noch als in Dollar. Hinzu kam, mit einem geringeren Anteil, der CO2-Preis. Zudem war die Mehrwertsteuer höher als im Vorjahresmonat.

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          Mehl und Getreideerzeugnisse verteuern sich um 14,5 Prozent

          Auch Nahrungsmittel haben sich stark verteuert, um 6 Prozent. Das Statistische Bundesamt hebt hervor, dies sei keine Folge der verstärkten Nachfrage nach Biolebensmitteln. Es würden jeweils nur Produkte derselben Qualitätsgruppe verglichen. Allenfalls längerfristig machten sich solche Entwicklungen bemerkbar, wenn die Zusammensetzung der Stichprobe und die Gewichtungen an das Verbraucherverhalten angepasst würden. Die Supermärkte haben offenbar durch die Bank die Preise angehoben. Besonders stark verteuerte sich Butter, um 16,9 Prozent. Der Preis für Mehl und andere Getreideerzeugnisse stieg im Schnitt um 14,5 Prozent. Geflügelfleisch verteuerte sich um 10,5 Prozent, Kartoffeln um 13,7 Prozent. Gemüse wurde im Durchschnitt 9,9 Prozent teurer. Der Preis für Fleisch und Fleischwaren stieg um 5,3 Prozent. Obst verteuerte sich um 2,7 Prozent.

          Auch Autos sind deutlich teurer geworden. Die Preise für Neuwagen einschließlich Wohnmobilen stiegen um 7 Prozent. Hier könnten eine starke Nachfrage nach Wohnmobilen, aber auch Lieferengpässe und Preissteigerungen bei Vorprodukten eine Rolle spielen. Gebrauchtwagen verteuerten sich um 11,7 Prozent. "Das ist eine ähnliche Entwicklung wie in den USA, nur nicht ganz so extrem", sagte der Ökonom Karsten Junius. Auch für die Autos hebt das Statistische Bundesamt hervor, der Preisanstieg sei keine Folge eines verstärkten Kaufs von Elektrofahrzeugen. Die Preise von Elektroautos würden zwar in der Statistik berücksichtigt. Es würden aber jeweils nur Verbrenner mit Verbrennern und Elektroautos mit Elektroautos verglichen. Längerfristig werde allerdings der Warenkorb angepasst, wenn die Zahl der Verbraucher steige, die Elektroautos kauften.

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