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Inflationsangst und Zinswende : Wie wird das Jahr 2022 für das Gold?

Goldbarren: In Dollar gerechnet ist der Goldpreis im vergangenen Jahr gesunken. In Euro gerechnet hat er dagegen zugelegt. Bild: dpa

Die Analysten des World Gold Council haben sich damit beschäftigt, wie der Goldpreis sich in Zeiten mit hoher Inflation, aber auch mit steigenden Zinsen in der Vergangenheit entwickelt hat. Dabei gibt es offenbar oft ähnliche Muster.

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          Die Inflation ist hoch wie seit Jahrzehnten nicht mehr – trotzdem muss das Jahr 2022 kein Spitzenjahr für die Goldanlage werden. Die Analysten der Branchenorganisation World Gold Council (WGC) jedenfalls schildern in ihrem Jahresausblick die Situation als ambivalent: Einerseits griffen viele Anleger zu Gold, wenn die Inflation hoch sei. Anderseits könnte eine Phase rund um Zinserhöhungen gerade in Amerika für den Goldpreis weniger vorteilhaft sein. Wenn in den Vereinigten Staaten die Zinsen steigen, wird das zinslose Gold im Vergleich zu anderen Anlagen wie Staatsanleihen weniger attraktiv, das drückt den Preis. Zugleich kann die Zinswende den Dollar verteuern, was das in Dollar gehandelte Gold in anderen Währungsräumen relativ unattraktiver macht.

          Gegenwind durch steigende Zinsen

          Christian Siedenbiedel
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Juan Carlos Artigas, der Leiter der Analyseabteilung des Councils, jedenfalls meint: „Die Aussichten für Gold im Jahr 2022 hängen davon ab, welche Entwicklungen fortan den Ausschlag geben werden. Während Faktoren wie die anhaltende Inflation und die Schmucknachfrage wahrscheinlich un­terstützend wirken werden, könnten steigende Zinsen für Gegenwind sorgen.“ Auch wenn der Goldpreis schwanken möge: Sein Wert als hochliquide Absicherung bleibe letztlich konstant, sagte Artigas: „Dies ist eine wichtige Eigenschaft inmitten der anhaltenden, Covid-19 bedingten Marktvolatilität und der zunehmenden Risikobereitschaft der Anleger.“

          Der Goldpreis war zuletzt wieder etwas gestiegen, nachdem er im Sommer zeitweise recht niedrig gewesen war. Eine Feinunze (31,1 Gramm) kostete zuletzt rund 1822 Dollar. Das Jahr 2021 hat er, in Dollar gerechnet, mit einem Minus von rund 4 Prozent auf 1806 Dollar abgeschlossen. Das World Gold Council hebt jedoch hervor, dass die Jahresbilanz in unterschiedlichen Währungen sehr verschieden ausfiel. So verzeichnete Gold in Euro ein Plus von 3,3 Prozent und in schwächeren Währungen sogar noch ganz andere Preiszuwächse – in türkischer Lira etwa ein Plus von mehr als 67 Prozent.

          Zentralbanken dürften 2022 Gold kaufen

          In einer Phase mit steigenden Zinsen stecke der Teufel für den Goldpreis im Detail, meint das World Gold Council. Die Analysten haben Phasen mit Zinserhöhungen aus der Vergangenheit auf ihre Auswirkungen für den Goldpreis untersucht. Sie stellen zunächst fest: „Die Fed hat die Geldpolitik in der Regel nicht so aggressiv gestrafft, wie die Mitglieder des Ausschusses ur­sprünglich erwartet hatten.“ Zudem zeige sich oft ein bestimmtes Muster: In den Monaten vor einer Zinserhöhung der amerikanischen Notenbank habe sich der Goldpreis meistens unterdurchschnittlich entwickelt, um dann in den Monaten danach deutlich besser abzuschneiden. Es seien schließlich vor allem die Erwartungen für die Zukunft, die den Goldpreis bewegten – zudem spiele der Dollar eine wichtige Rolle, der das entgegengesetzte Muster aufwies. Amerikanische Aktien wiederum erzielten ihre stärkste Performance vor einem Zinserhöhungszyklus, verzeichneten danach aber schwächere Renditen. Dabei dürfte man nicht unterschätzen, dass der Goldmarkt global sei, auch wenn er stark an Amerika hänge: Andere Notenbanken wie die Europäische Zentralbank seien noch zurückhaltender mit Zinserhöhungen – das könnte dem Goldpreis helfen.

          Goldkäufe der Zentralbanken selbst dürften in diesem Jahr stützend auf den Goldpreis wirken, meint das World Gold Council. Gleiches gelte für die Goldnachfrage zur Schmuckherstellung: „Wir glauben, dass der Goldpreis im Jahr 2022 immer noch positive, wenn auch bescheidene Unterstützung von wichtigen Schmuckmärkten wie Indien erhalten kann.“

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