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Sorgen vor Geldentwertung : Hohe Inflation in Osteuropa

U-Bahn-Station in Prag: Das gesellschaftliche Leben nimmt wieder Fahrt auf - und damit auch die Inflation. Bild: Bloomberg

Corona-Folgen, anziehende amerikanische Geldpolitik und nun auch noch übeschießende Inflation: Wie stellen sich Notenbanken Osteuropas auf die neue Lage ein?

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          Die Inflationsdaten, die das tschechische Statistikamt am Dienstag verbreitete, waren für sich genommen keine Überraschung. Mit einem Plus von 2,8 Prozent lag der Anstieg der Verbraucherpreise im Juni aufs Jahr gerechnet etwas über den Erwartungen. Ein Muster, das sich derzeit in vielen Ländern Ostmittel- und Südosteuropas wiederholt. In Ungarn beträgt die aktuelle Rate der Teuerung der Lebenshaltungskosten 5,3 Prozent, in Rumänien 3,9 Prozent und in Serbien 3,3 Prozent, überall war sie höher als erwartet und vielleicht wiederholt sich das am Donnerstag in Polen. Inflationssorgen gehörten neben den Spekulationen über eine verschärfte Geldpolitik der amerikanischen Notenbank zu den wichtigsten Bewertungsfaktoren am Markt, schreibt DZ-Bank-Analystin Sandra Striffler. Als dritten Belastungsfaktor nennt sie die sich schnell ausbreitende Delta-Variante des Corona-Virus.

          Andreas Mihm
          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel-, Südosteuropa und die Türkei mit Sitz in Wien.

          Der Dollar sei als sicherer Hafen verstärkt gefragt und dränge den Euro zurück. Die Konsequenzen sind bekannt: Verliert der Euro an Wert, folgen ihm die Währungen der nicht zur Eurozone, wohl aber zur EU gehörenden Staaten. Geringere Risikofreude und der schwächere Euro ließen die Währungen Polens, Tschechiens und Ungarns „verunsichert zurück“, zumal „Delta“-bedingte Konjunktursorgen hinzukämen, stellt Striffler fest. Diese Analyse kann man auf Rumänien übertragen, wo die Industrieproduktion im Mai unerwartet sank.

          Vor dem Hintergrund wird darüber spekuliert, wie sich die Notenbanken der Staaten dazu verhalten werden. In Ungarn und Tschechien waren die Leitzinsen im Juni bereits zum ersten Mal seit der Krise angehoben worden. Polen und Rumänien haben durchscheinen lassen, dass sie sich noch Zeit lassen wollen. Dabei weichen die gesamtwirtschaftlicher Faktoren in den Staaten nicht sonderlich stark von einander ab. Die Zahl der gegen das Corona-Virus Geimpften nimmt zu, aktuelle Daten zeigen eine deutliche wirtschaftliche Erholung, auch wegen des Binnenkonsums. In einer tendenziell bereits angespannten Lage zeigen sich die Arbeitsmärkte in Polen, Tschechien und Ungarn – ein weiterer Faktor, der die Inflationsentwicklung eher beschleunigt als dämpft. Dabei liegt die überall am oberen Rand, wenn nicht schon über den Zielwerten, die die Notenbanken sich gesetzt haben.

          Weitere Zinserhöhungen in Tschechien

          In Tschechien rechnet etwa die Commerzbank-Analystin Melanie Fischinger mit zwei weiteren Zinserhöhungsschritten um je 0,25 Prozentpunkte auf dann 1,00 Prozent noch in diesem Jahr. Sie teilt damit den Konsens vieler Kollegen, auch wenn Jiri Polansky von Österreichs Erste Bank zu bedenken gibt, dass die Lage nicht mehr so eindeutig sei, weil manche Mitglieder des Zentralbankrates wohl die Pandemielage Anfang August abwarten wollten. Auch von der ungarischen Notenbank erwartet die Deutsche Bank angesichts weiter überschießender Inflationsdaten weitere Zinserhöhungen bis Jahresende, von aktuell 0,90 Prozent auf dann 1,35 Prozent.

          Unklar bleibt das Bild in Polen, wo einige Mitglieder der Notenbankführung wegen der Inflation an der Zinsschraube drehen wollen, was die Mehrheit unter Führung von Gouverneur Adam Glapinski vereitelt. Vorige Woche beließen sie den Leitzins auf historisch niedrigen 0,1 Prozent. Analysten erwarten erste Schritte gegen Jahresende oder erst 2022, wenn Glapinskis Amtsperiode endet. Den polnischen Zloty sehen deshalb die meisten Beobachter weiter unter Druck. Marktteilnehmer konzentrierten sich auf Polens negative Realzinsen und schätzen die Entwicklung des Zloty pessimistisch ein, schreibt Commerzbank-Analyst Tatha Ghose, der einen zunehmenden Druck auf den Zloty erwartet.

          Zurückhaltend dürfte sich weiterhin die Notenbank Rumäniens, des nach Polen größten EU-Staates in Osteuropa, verhalten. Allerdings liegt ihr Leitzins mit 1,25 Prozent weit über dem anderer Staaten der Region. Zum anderen, schreibt Dan Busca von der Bank UniCredit, dürfte die Notenbank in Bukarest negative fiskalpolitische Folgen einer zügigen Geldverknappung vermeiden wollen. Insofern stehe eine Leitzinserhöhung wohl erst Anfang nächsten Jahres auf der Tagesordnung, zumal die Notenbank signalisiert habe, dass sie als Erstes das Liquiditätsmanagement verschärfen werde.

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