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Scherbaums Börse : Unruhe bei Spaniens (un)bekanntem Modegiganten

  • -Aktualisiert am

Gehört zu Inditex - die bekannte Modekette Zara: Filiale im spanischen Bilbao, Bild: Reuters

Inditex galt viele Jahre als zuverlässiger Depotbestandteil für konservative Anleger. Nun wirbelt nicht nur Corona die Geschäfte durcheinander. Es ist auch ein Generationenwechsel, der den Modegiganten beschäftigt.

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          Die Inditex-Aktie erlebte zuletzt eine deutliche Korrektur. Die Aktie kennen Sie nicht? Inditex steht für Industria de Diseño Textil S.A. und ist eines der größten Textilunternehmen der Welt mit Sitz in Arteixo, einem Vorort von A Coruña in Galicien. Firmenchef Amancio Ortega gründete 1975 ein Textilunternehmen und eröffnete dessen ersten Filiale. Der Name des Unternehmens: Zara – heute eine der bekanntesten Modeketten, die eigentlich in jeder größeren Stadt in Deutschland präsent ist.

          Im Jahr 1985 fasste Amancio Ortega seine ganzen Textil-Aktivitäten unter Inditex zusammen. Heute gehören zum Konzern unter anderem die Marken Pull & Bear, Massimo Dutti und Oysho. Der Spanier selbst gehört zu den reichsten Menschen der Welt, die Aktie des Konsum-Konzerns war für viele konservative Anleger in den vergangenen Jahren ein fester Bestandteil im Depot.

          Personalwechsel an der Spitze

          Aktuell herrscht Unruhe bei den Spaniern. Ein Grund dürfte der Umstand sein, dass derzeit die vierte Corona-Welle wütet und abermalige Beschränkungen für den Modeeinzelhandel befürchtet werden. Allerdings wurden die jüngsten Kursbewegungen auch durch einen Personalwechsel an der Spitze des Textilriesen ausgelöst.

          Christoph Scherbaum
          Christoph Scherbaum : Bild: Christoph Scherbaum

          Denn Marta Ortega Pérez, Tochter von Unternehmensgründer Amancio Ortega, wird vom 1. April 2022 an den Verwaltungsrat anführen. Dies war nicht die einzige angekündigte personelle Änderung. Óscar García Maceiras übernimmt den Posten des CEO und ersetzt Carlos Crespo. Dieser wird wieder COO. Das klingt bisher einfach nur nach einer gewöhnlichen Personalie. Doch im Mittelpunkt steht ein Generationenwechsel, der auch die Organisation der Unternehmensführung verändert. Bisher war Pablo Isla der starke Mann des Unternehmens und hatte Inditex zunächst als stellvertretender Vorsitzender und CEO seit dem Jahr 2005 und von 2011 an als Verwaltungsratschef geleitet. Ein solche Doppelfunktion ist in vielen Unternehmen in Spanien noch üblich. Unter ihm hat sich Inditex zum weltweit führenden Unternehmen seiner Branche entwickelt. Die Marktkapitalisierung kletterte zeitweise auf mehr als 90 Milliarden Euro.

          Nun ändert sich das Machtgefüge und Marta Ortega Pérez wird als eine Art Aufsichtsratschefin fungieren. Marktteilnehmer dürften sich nun fragen, ob der Wechsel an der Spitze schon nach zweieinhalb Jahren sein musste. Außerdem stellt sich die Frage, ob die neue Führungsgeneration an frühere Erfolge anknüpfen kann und einen der größten Modehändler wieder auf Kurs bringen kann.

          Bilanz stimmt wieder

          Die mehr als 6600 Geschäfte sind zwar in 96 Märkten zu finden, während Inditex inklusive seiner Online-Plattformen insgesamt in 216 Märkten tätig ist. Im Vorjahr mussten viele Geschäfte Corona-bedingt schließen. Dies hatte deutliche Umsatzeinbußen zur Folge.

          In diesem Jahr haben sich die Geschäfte schon wieder erholt gezeigt. Im zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2021/22 (Ende Juli) erreichten Umsatz, EBITDA und das Konzernergebnis sogar neue Höchststände. Die Erlöse lagen währungsbereinigt um 7 Prozent über denjenigen im zweiten Quartal des Vorkrisenjahres 2019. Im ersten Halbjahr kletterten die Umsätze im Vorjahresvergleich währungsbereinigt um 53 Prozent auf 11,9 Milliarden Euro. Das EBITDA legte um 109 Prozent auf 3,1 Milliarden Euro zu, während der Nettogewinn bei 1,3 Milliarden Euro lag, nach einem Verlust von 195 Millionen Euro im Vorjahr.

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