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Sensex auf Allzeithoch : Modi befeuert die Kurse indischer Bankaktien

Börse in Mumbai: Indische Bankaktien freuen sich über steigende Kurse. Bild: AFP

Die indische Regierung will 120 Milliarden Euro für Banken und Infrastruktur mobilisieren. An der Börse in Mumbai haussieren die Aktien der Finanzhäuser. Der führende Aktienindex Sensex erreicht ein Allzeithoch.

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          Besitzer indischer Bankaktien hatten am Mittwoch Grund zur Freude: Um satte 46,2 Prozent sprang der Kurs der Punjab National Bank. Um 27,6 Prozent verbesserte sich der Kurs der State Bank of India, während der Kurs der Bank ICICI immerhin um 14,7 Prozent zulegte. Die Kursausschläge seien erstaunlich hoch, bemerkte Anand James vom Maklerhaus Geojit Financial Services. Die Hausse der Bankaktien trug den Sensex, den bekanntesten Aktienindex an der Börse in Mumbai, auf einen neuen historischen Höchststand.

          Gerald Braunberger
          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Auslöser der Hausse waren Pläne der Regierung in Neu Delhi, durch deutliche Steigerungen der Staatsausgaben überschuldete Banken zu stabilisieren und das Straßennetz zu verbessern. Umgerechnet sollen knapp 90 Milliarden Euro in neue Straßen fließen, die Banken werden in den nächsten zwei Jahren mit gut 27 Milliarden Euro rekapitalisiert. Allein dies entspricht 1,3 Prozent der Wirtschaftsleistung Indiens.

          An vielen Banken in Indien ist der Staat beteiligt. So hält er 57,1 Prozent des Kapitals der State Bank of India. An ausländischen Börsen, darunter auch an manchen deutschen Regionalbörsen, werden nicht die Aktien, sondern aktienähnliche Hinterlegungsscheine (ADR) gehandelt. Allerdings sind in Deutschland die Handelsumsätze in diesen Papieren gering; dagegen ist in London ein lebhafterer Handel zu beobachten. Die Börsenwerte indischer Banken sind im internationalen Vergleich allerdings nicht sehr beeindruckend. Der Marktführer State Bank of India kommt auf einen Wert von rund 23 Milliarden Euro; der Börsenwert der Deutschen Bank liegt bei 30 Milliarden Euro.

          Private Bank ICICI profitiert von der Hausse

          Von der Hausse profitierte auch die private Bank ICICI, die zweitgrößte Bank des Landes. Rund ein Viertel ihres Kapitals ist an westlichen Börsen in Form von aktienähnlichen Hinterlegungsscheinen handelbar. Der größte Teil des Handels findet in New York statt; aber auch an deutschen Regionalbörsen sind die Papiere handelbar. Doch die Handelsumsätze in Deutschland sind gering. Da eine amerikanische Tochtergesellschaft der Deutschen Bank die Aktien hält, für die Hinterlegungsscheine ausgegeben wurden, erscheint die Deutsche Bank in der Datenbank der Nachrichtenagentur Bloomberg mit einem Anteil von rund 25 Prozent als größter Aktionär der Bank ICICI. Tatsächlich hält die Deutsche Bank die Aktien nur treuhänderisch, da sie als Deckung für die aktienähnlichen Hinterlegungsscheine dienen.

          Im Jahre 2008 trat die ICICI mit einer Tochtergesellschaft in den deutschen Markt ein, auf dem sie seinerzeit mit überdurchschnittlich hohen Zinssätzen für Kundeneinlagen für Aufsehen sorgte.

          Seit Jahren lastet die Rate der uneinbringlichen und gefährdeten Kredite auf der wirtschaftlichen Entwicklung Indiens und seinen Banken. Der Chefökonom der Asiatischen Entwicklungsbank (ADB), Yasuyuki Sawada, warnte am Mittwochmorgen in Singapur noch vor der wachsenden Überschuldung Asiens und mahnte eine „dringende Stärkung der Regulierung und Überwachung“ des Finanzsektors an. Neu-Delhi hat nun zumindest für die Stärkung der staatlich dominierten Banken gesorgt: Die angekündigten 2,11 Billionen Rupien sollen sich zu 1,35 Billionen aus Anleihen und zu 760 Milliarden Rupien aus „Haushaltsunterstützung“ – also Kapitalerhöhungen der Banken und direkten Subventionen – speisen.

          Gesamtverschuldung höher als bei asiatischen Nachbarn

          Die Investmentbank Morgan Stanley zog eine Parallele zu Tarp, dem Rettungsprogramm der Amerikaner nach der Finanzkrise. Völlig offen ist noch, ob die indische Regierung ihr Defizitziel wird aufrechterhalten können, nachdem sie nun das Füllhorn öffnet. So herrscht zwar im Markt Zustimmung zu den überfälligen Vorhaben. Doch gibt es auch Stimmen, die sich gegen die neuerliche Staatshilfe für die Wirtschaft wenden – insbesondere da sie nun vor wichtigen Wahlen kommt, zunächst in Gujarat, dem Heimatland von Ministerpräsident Narendra Modi.

          Denn Indiens Gesamtverschuldung liegt wesentlich höher als die seiner asiatischen Nachbarn. Die Ratingagenturen Fitch Ratings und Moody’s Investors Service lobten den Schritt der Regierung dennoch. Sie hatten Indien lange Zeit scharf wegen des Zustandes seiner Staatsbanken kritisiert.

          Mit ihren Entscheidungen will die Regierung das Wachstum langfristig stützen. In den vergangenen Monaten mehrte sich auch innerhalb der Regierungspartei die Kritik an Modis Wirtschaftspolitik. Zumal die beiden Großreformen, der Bargeldentzug und die Einführung einer bundesweiten Mehrwertsteuer, die Konjunktur stark ausbremsten. Zugleich verliehen die Banken kaum noch Geld, da sie auf geschätzten gefährdeten Krediten im Gesamtvolumen von fast 200 Milliarden Dollar sitzen. Und auch die Nachfrage nach Krediten verharrt angesichts der Unsicherheiten auf dem niedrigsten Stand seit gut 20 Jahren. Die reine Refinanzierung der Banken wird deshalb wohl nicht ausreichend sein.

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