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Stresstest durch Rezession : Den Banken steht ein großer Sturm bevor

Deutschen Banken steht ein stressiger Winter bevor. Bild: dpa

In der Rezession drohen Banken mehr Kreditausfälle. Doch Bundesbank und Bafin halten deutsche Institute für gewappnet.

          3 Min.

          Der Konjunkturabschwung steht mit dem dramatischen Anstieg der Energiekosten so gut wie fest. Damit rücken auch die Risiken der Banken immer mehr in den Blick, insbesondere das Ausmaß der drohenden Kreditausfälle. Diese können die Eigenkapitalbasis der Institute belasten, sie zu einer geringeren Kreditvergabe zwingen und so die Abwärtsspirale der Wirtschaft verstärken. Geht es nach den Bankenaufsehern der Bundesbank und der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin), dann steht den Banken ein Sturm bevor.

          Markus Frühauf
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Doch auf Basis des jüngsten Stresstests von 1300 kleinen und mittelgroßen Instituten, vor allem von Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken, erwarten die Aufseher keine Bankenkrise. So hat es Joachim Wuermeling, im Vorstand der Bundesbank für Bankenaufsicht zuständig, am Mittwoch auf der Pressekonferenz zu den Stresstestergebnissen in Frankfurt formuliert.

          Auch wenn der Stresstest nicht das aktuelle von Ukrainekrieg, steigenden Energiekosten, hoher Inflation und deutlichem Zinsanstieg geprägte Umfeld widerspiegelte, hält ihn Raimund Röseler, als Exekutivdirektor oberster Bankenaufseher der Bafin, für sehr gehaltvoll. Denn man habe viele Daten erhalten, die in der Analyse der einzelnen Institute und deren Risikolage sehr hilfreich seien.

          Hartes Stressszenario

          Zudem sei als Stressszenario ein Rückgang des Bruttoinlandsprodukts im Zeitraum von drei Jahren von insgesamt 4,7 Prozent unterstellt worden. Derzeit werde ein deutlich geringerer Abschwung erwartet, sagte Wuermeling. Trotzdem räumten er und Röseler ein, dass der Blick nach vorne noch mit großen Unsicherheiten behaftet sei. „Die Bedingungen für einen perfekten Sturm sind gegeben“, sagte Röseler. Die Institute müssen seinen Angaben zufolge der Aufsicht melden, wenn ihr Eigenkapital um mehr als 5 Prozent durch Bewertungsverluste sinkt. Laut Röseler meldeten mehr als hundert Institute dies im laufenden Jahr. Grund dafür sind vor allem die Bewertungsverluste bei Anleihen infolge des Zinsanstiegs.

          Warnt vor einem Sturm: der oberste Bankenaufseher der Bafin, Raimund Röseler.
          Warnt vor einem Sturm: der oberste Bankenaufseher der Bafin, Raimund Röseler. : Bild: Frank Rumpenhorst

          Im Stresstest führte das Stressszenario zu einer Verschlechterung der harten Kernkapitalquote der Institute im Durchschnitt um 3,2 Prozentpunkte auf 14,5 Prozent. Das Kernkapital besteht in der Regel aus den bei Verlusten sofort haftenden Eigenkapitalkomponenten wie Grundkapital oder Gewinnrücklagen. „Die deutschen Institute sind überwiegend gut kapitalisiert. Eine niedrige zweistellige Anzahl von Instituten wird jedoch im Fall eines deutlichen wirtschaftlichen Abschwungs zu kämpfen haben“, betonte Röseler. Seinen Worten zufolge würden diese Institute das Stressszenario nicht ohne zusätzliche Kapitalzufuhr überstehen.

          JP-Morgan-Chef befürchtet Wirbelsturm

          Sein Vergleich mit einem Sturm erinnerte stark an die Aussage von Jamie Dimon. Der Vorstandschef von JP Morgan, der größten Bank Amerikas, hatte im Sommer vor einem „wirtschaftlichen Wirbelsturm“ gewarnt. Es sei besser, sich nun anzuschnallen, lautete der Rat des Chefs der gemessen am Börsenwert teuersten Bank der Welt.

          Immerhin können sich die deutschen Banken auf einen üppigen Krisenpuffer stützen. Wuermeling bezifferte das überschüssige Eigenkapital in der Kreditwirtschaft auf 151 Milliarden Euro. Die Summe entspricht dem Überhang an Eigenkapital nach Erfüllung aller regulatorischen Anforderungen. Allerdings schüttete er etwas Wasser in den Wein, als er auf die Aggregatsbetrachtung hinwies. Es gebe einzelne Institute, deren Kapitalausstattung kritischer sei. Trotzdem befürchtet der Bundesbank-Vorstand keine Kreditklemme im kommenden Jahr.

          Zinswende stärkt Ertragskraft

          Denn ein Faktor, der ebenfalls im Stresstest nicht in diesem Ausmaß unterstellt worden ist, ist die Zinswende. Diese belaste zwar noch die Anleihebestände aufgrund der damit verbundenen Kursverluste. Aber in den kommenden Jahren werden die Zinserträge zu einem wichtigen Ergebnisfaktor der deutschen Kreditwirtschaft. Wuermeling wertete die Planungen der befragten Banken und Sparkassen als weitestgehend vorsichtig. Dies schaffe Puffer für negative Planungsabweichungen.

          Die Umfrage dazu führten Bundesbank und Bafin im zweiten Quartal des Jahres durch. Die Zinswende sei von einem Großteil der Institute noch nicht eingeplant worden, sodass die mittelfristigen Beiträge des Zinsergebnisses aufgrund der steigenden Zinsen eher positiver ausfallen dürften. Eine kurzfristige Belastung für die Banken durch die steigenden Zinsen sei für den Bankensektor allgemein verkraftbar, sagte Wuermeling.

          „Banken sind gerüstet“

          „Wenn die Banken diesem extremen Stresstestszenario standhalten können, wie es dem Stresstest zugrunde lag, so sind sie – Stand heute – auch für das gerüstet, was wir in den nächsten Monaten erwarten“, betonte er. „Trotz Inflation, Energiekrise, Rezession rechnen wir jetzt nicht damit, dass diese Ereignisse auch noch eine Bankenkrise nach sich ziehen.“ Er warnte vor zu großer Gelassenheit: „Die Banken sollten sich nicht zurücklehnen.“ Denn die Realität nähere sich dem Stressszenario.

          Die von der Bundesbank und der Bafin veröffentlichten Einschätzungen zur Ertragslage und Widerstandsfähigkeit der kleinen und mittelgroßen Banken belegten die robuste Verfassung der Kreditinstitute in Deutschland, wie der Dachverband der Banken und Sparkassen, die Deutsche Kreditwirtschaft (DK), mitteilte. Die Ergebnisse zeigten, dass die rund 1300 einbezogenen Institute für mögliche Stresssituationen gut gewappnet seien. Die Kapitalisierung der Institute bleibe auf hohem Niveau und erfülle die Mindestanforderungen mehr als nötig. Auch die DK verwies auf das niedrige Zinsniveau im Stressszenario, das der aktuellen Situation nicht mehr entspreche.

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