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Aktienmärkte : Nun sind sichere Häfen gefragt

Nicht zum Hinsehen: Der Dax fiel am Montagvormittag wegen der Spannungen am Golf unter 13000 Punkte. Bild: dpa

In der Iran-Krise werden Aktien unbeliebt. Stattdessen flüchten die Anleihen in Edelmetalle und Staatsanleihen. Aber auch Bitcoin stehen hoch im Kurs.

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          Die gezielte Tötung des iranischen Generals Kassem Soleimani durch das amerikanische Militär hat auch am Montag die Aktienmärkte deutlich belastet. Die Furcht vor einem militärischen Konflikt in der Golfregion ließ den deutschen Aktienindex Dax am Montag zeitweise um 2 Prozent auf 12950 Punkte fallen. Danach pendelte sich das Börsenbarometer über der Marke von 13000 Punkten ein. Kurz vor Handelsschluss lag der Dax mit 13089 Punkten um 1,0 Prozent niedriger, nachdem der Index schon am Freitag 1,3 Prozent abgegeben hatte.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Anleger sind deshalb so nervös, weil eine Eskalation des Konflikts den Ölpreis nach oben treibt. Das kann das Wachstum der Weltwirtschaft deutlich belasten. Neben Öl kauften die Anleger darüber hinaus Vermögenswerte, die in Krisenzeiten an den Finanzmärkten als sichere Häfen aufgesucht werden.

          Dazu zählt insbesondere das Edelmetall Gold, dessen Kurs um 1,8 Prozent auf 1579,72 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) anzog. Das ist der höchste Stand seit fast sieben Jahren. Sollte der Goldpreis die Marke von 1585 Dollar überwinden, rücke die psychologisch wichtige Marke von 1600 Dollar je Feinunze ins Visier der Anleger, sagt Analyst Benjamin Lu vom Brokerhaus Phillip Futures.

          Palladium auf Rekordhoch

          Das Edelmetall Palladium stieg über 2000 Dollar je Feinunze und erreichte mit 2022 Dollar ein Rekordhoch. Das Sieben-Jahres-Hoch des Goldpreises unterstützte die Aktienkurse von Minenwerten. In London gewann die Aktie der russischen Bergbaufirma Polymetal um 1,8 Prozent an Wert. An der Wall Street legten die Kurse von Newmont, Barrick, Yamana, Anglo Gold Ashanti und Sibanye vorbörslich um bis zu 4,7 Prozent zu.

          Auch Staatsanleihen erstklassiger Schuldner waren gefragt. Zu ihnen zählt der deutsche Staat: Die Kursgewinne drückten die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe auf minus 0,3 Prozent. Damit ist der Anstieg in Richtung null Prozent wieder vertagt worden. In der vergangenen Woche war die Rendite bis auf minus 0,162 Prozent gestiegen, was das höchste Niveau seit Mai vergangenen Jahres war.

          Das hatte noch an der Erwartung einer konjunkturellen Stabilisierung gelegen, die weitere geldpolitische Stimulierungsmaßnahmen der Zentralbanken unwahrscheinlicher hätte werden lassen. Doch nun hat sich das Blatt gewendet, weil eine Krise am Golf über einen höheren Ölpreis für konjunkturellen Gegenwind sorgen kann.

          Bitcoin gefragt

          Auch der Krypto-Vermögenswert Bitcoin wird in schwierigen Zeiten stärker nachgefragt. Der Bitcoin-Kurs stieg um mehr als 4 Prozent auf 7584 Dollar. In diese Anlage flüchten in der Regel Anleger aus Ländern, in denen es kaum Zugang zu liquiden Vermögenswerten mit hoher Sicherheit gibt. Bitcoin werden oft von chinesischen Anlegern gekauft, wenn es zu Kapitalverkehrskontrollen oder ähnlichen Einschränkungen kommt.

          Im vergangenen Jahr hat der Bitcoin-Kurs um 95 Prozent zugelegt, was einige Fachleute als Warnsignal für eine Kurskorrektur betrachten. Am vergangenen Donnerstag, dem ersten Handelstag des neuen Jahres, war der Kurs unter 7000 Dollar gefallen, doch am Freitag setzte eine Erholung ein, die der Iran-Krise zu verdanken ist.

          Der steigende Ölpreis belastete die Aktien von Fluggesellschaften. Die Kurse von Lufthansa, Air France-KLM und des British-Airways-Konzerns IAG gaben um bis zu 5 Prozent nach. Die Titel der Ölkonzerne BP, Shell und Total stiegen dagegen. Im Dax verloren vor allem die Titel aus konjunkturabhängigen Branchen. Die Verliererliste führten Papiere des Kunststoffherstellers Covestro mit minus 6 Prozent an. Die Titel des Halbleiterherstellers Infineon verbilligten sich um 3,5 Prozent.

          Kurs von Saudi Aramco fällt

          Am Markt für Kreditversicherungen stiegen die Risikoprämien für Saudi-Arabien. Die Prämie für eine Kreditausfallversicherung (Credit Default Swap; CDS) verteuerte sich auf 0,64 Prozentpunkte oder 64 Basispunkte. Das heißt, die Absicherung gegen den Ausfall einer Forderung gegenüber Saudi-Arabiens in Höhe von einer Million Euro kostet die Anleger eine jährliche Prämie von 6400 Euro. Vor dem Angriff auf den iranischen General Soleimani waren dafür lediglich 5500 Euro erforderlich.

          Zudem verkauften Investoren Anleihen des Königreichs. Die Aktien des staatlichen Ölkonzerns Saudi Aramco fielen an der Börse in Riad auf 34,05 Riyal und damit auf den niedrigsten Stand seit ihrem Debüt im Dezember.

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