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Immobilienkonzern : Leerverkäufer attackiert Adler Real Estate

Und es trifft nicht nur die Deutsche Wohnen. Bild: dpa

Wieder einmal gibt es eine Leerverkäuferattacke. Im Visier steht diesmal der Immobilienkonzern Adler. Der Zeitpunkt ist gut gewählt, wie die Kursreaktionen zeigen.

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          Wieder einmal ist der Leerverkäufer Viceroy am Werk. Das Unternehmen, hinter dem der ehemalige Sozialarbeiter Fraser Perring steckt und das für Furore in den Fällen Wirecard, Steinhoff und Grenke sorgte, hat sich diesmal das Immobilienunternehmen Adler Group als Opfer erkoren.

          Martin Hock
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Nach bewährtem Muster lautet der Vorwurf auch diesmal, die Bilanz sei künstlich aufgeblasen. Außerdem ziehe das Management Geld aus übernommenen Firmen ab. In einer ersten Stellungnahme wies Adler die Vorwürfe zurück. Die angesetzten Immobilienwerte seien von unabhängigen, marktführenden Immobilienbewertern ermittelt und von finanzierenden Banken selbständig überprüft worden. Anders als dargestellt, habe Adler allein in den vergangenen zwölf Monaten mehrere Portfolien an institutionelle Investoren zu einem Preis verkauft, der über dem ausgewiesenen Bilanzwert gelegen habe.

          Zudem sei man auch in den vergangenen Tagen und Wochen von mehreren institutionellen Interessenten angesprochen worden, die große Teile des Portfolios erwerben wollten. Diese Anfragen würden derzeit geprüft. Dabei geht es wohl vor allem um die 2015 übernommene Berliner Gesellschaft Westgrund. Es liege, anders als behauptet, kein Kündigungsgrund für die begebenen Anleihen vor.

          Aggregate Holdings, größter Aktionär von Adler, erklärte, man sei völlig überzeugt vom Wert der Beteiligung an Adler. Der aktuelle Kurs spiegele diesen nicht wider. Es sei an der Adler Group, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen.

          Nichtsdestoweniger reagierten Anleger heftig: Der Aktienkurs des Unternehmens fiel am Dienstag um rund 27 Prozent auf den tiefsten Stand seit der Corona-Krise. Die Rendite der im April 2022 mit 1,5 Prozent verzinsten Unternehmensanleihe schnellte von 6 auf mehr als 15 Prozent nach oben, die des 2026 fälligen und mit 3 Prozent verzinsten Papiers von 5,6 auf 6,8 Prozent. Am Mittwoch stabilisierten sich die Kurse zunächst wieder etwas.

          ADLER REAL ESTATE AG

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          Nicht nur die Anleger, auch die BaFin nimmt nach eigener Aussage den Bericht ernst. Man prüfe die Vorwürfe, sagte eine Sprecherin der deutschen Finanzaufsicht. „Wenn sich daraus Verdachtsmomente für Straftaten ergeben, zeigen wir diese bei der zuständigen Staatsanwaltschaft an."

          Perring war einer der ersten Kritiker des in einem Bilanzbetrugs-Skandal zusammengebrochenen Zahlungsabwicklers Wirecard. Auch bei der Aufdeckung der Bilanzbetrügereien beim Möbelkonzern Steinhoff tat er sich hervor. Angriffe auch anderer Leerverkäufer gegen Firmen wie Ströer und ProSiebenSat.1 verpufften allerdings.

          Auch das Leasing-Unternehmen Grenke hatte Viceroy angegriffen. Viele Vorwürfe stellten sich als unzutreffend heraus, nichtsdestoweniger veränderte sich daraufhin viel im Unternehmen.

          ADLER REAL ESTATE 17/24

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          Leerverkäufer leihen sich Aktien, um diese sofort loszuschlagen. Sie setzen darauf, dass sie sich bis zum Rückgabe-Termin billiger mit den Papieren eindecken können. Die Differenz streichen sie als Gewinn ein. Diese Praxis wird im Börsenjargon „Short Selling“ genannt.

          Eine Attacke auf Adler wurde Perring schon einmal im Juni nachgesagt, die aber weniger auf Gehör stieß. Viceroy hatte auch dementiert, einen Bericht verfasst zu haben. Nichtsdestoweniger suggeriert der Vorgang, dass Adler für diese Art Zweifel anfällig scheint. Die Kurse von Aktien und Anleihen stehen schon seit Ende August merklich unter Druck, so dass die Attacke offenbar zu einem für Viceroy günstigeren Zeitpunkt kommt.

          Berliner Probleme

          In jüngster Zeit rückten tendenziell negative Entwicklungen rund um das Unternehmen in den Fokus der Anleger. So hatte Adler zwar gute Halbjahresergebnisse vorgelegt und die Prognose erhöht. Thematisiert wurden aber etwa  Firmenwertabschreibungen von fast einer halbe Milliarde Euro bei der Adler Real Estate im vergangenen Jahr, die im Zusammenhang mit der Fusion mit Ado Properties und Consus Real Estate zur Adler Group anfielen.

          Die Fraktion der Linken hatte den Konzern im Zusammenhang mit dem Zusammenschluss wegen angeblicher Intransparenz angegriffen. Ado ist wie Westgrund auf den Berliner Wohnungsmarkt spezialisiert, der für die Linke besondere politische Bedeutung hat. Auch diese Vorwürfe hatte der Konzern zurückgewiesen.

          Offenbar ist auch das Ergebnis der Berliner Abstimmung über eine Enteignung von Immobilienkonzernen nicht spurlos an Adler vorbeigegangen, die mit Ado und Westgrund, aber auch über Accentro (ehemals Estavis) dort stark  engagiert sind.

          Auch dass der Konzern in jüngster Zeit immer wieder die Schuldenreduktion in den Vordergrund stellt, dürfte ein teil einer Melange sein, die die Kurse von Aktien und Anleihen belastet und den Boden für Viceroy bereitet hat.

          Adler trat in den vergangenen Jahren vor allem durch eine aggressive Übernahmepolitik in Erscheinung, die sich nun gegen das Unternehmen zu wenden scheint.

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