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Kosten und Kapazitätsmangel : Immobilienaktien im Abseits

Ein fragwürdiger Vorschlag zur Lösung des Wohnungsproblems, ein Grauen für Aktionäre. Bild: dpa

Immobilienaktien galten jahrelang als Investments mit sicherem Gewinn. Seit kurzem ist das umgekehrt. Doch das Schwächeln geht tiefer.

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          Wohnimmobilienaktien waren in den vergangenen Jahren gute Garanten für Kursgewinne. Jahrelang haussierten sie, allen vorne weg die Aktien der Deutsche Wohnen, bei der zwischen dem Allzeithoch von Ende März und dem Allzeittief mehr als zehn Jahre liegen, in der die Notierung  ohne nennenswerte Schwächephase nur den Weg nach oben kannte. Um 34 Prozent stieg der Kurs im Jahresdurchschnitt, so dass dieser am Ende auf mehr als das Zwanzigfache stieg. Auch Vonovia, seit bald vier Jahren im Auswahlindex Dax vertreten, hat eine fast sechsjährige Erfolgstrecke hinter sich, in der sich der Kurs verdreifachte.

          Martin Hock
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Mittlerweile hat der Wind gegen Immobilienaktien gedreht. In den vergangenen 20 Tagen stellten die Branchen-Aktien am deutschen Markt rund die Hälfte der größten Kursverlierer, allen voran wieder die Deutsche Wohnen, deren Aktienkurs um 23 Prozent fiel. Ginge der Kursrutsch in der aktuellen Geschwindigkeit weiter, wären die Kursgewinne von zehn Jahren bis Ende des Jahres verloren.

          DT. WOHNEN

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          Grund des Kursrutsches ist die jüngste Politisierung des Themas Wohnen, die ihren vorläufigen Höhepunkt mit der Entscheidung des Berliner Senats nahm, fünf Jahre Mieterhöhungen in der Hauptstadt zu untersagen. Doch das Schwächeln der Wohnimmobilienaktien hatte schon vorher begonnen. Der vorläufig letzte Höchstkurs war der von Vonovia, schon einen Monat vor dem Senatsbeschluss. Für die Deutsche Wohnen hatte der Höhenflug schon Ende März sein vorläufiges Ende gefunden, als sich die Spannungen in Berlin mit der Bürgerinitiative zur Enteignung der Deutsche Wohnen verschärften.

          Tatsächlich aber hat der schwächere Lauf der Immobilienaktien schon früher begonnen. Ende August 2018 erreichten die Kurse einiger Werte aus der zweiten Reihe, wie Grand City Properties, GSW und Adler Real Estate ihre Höchstkurse – mit unterschiedlichen Fortsetzungen. Während sich etwa der Kurs von Grand City Properties mit dem Aktienmarkt Anfang 2019 wieder erholte, fiel der von Adler weiter.

          VONOVIA

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          Auch diese unterschiedlichen Entwicklungen zeigen, dass die Situation bei Immobilienaktien komplexer geworden ist, und zwar schon vor längerer Zeit. Das Deutsche Hypo-Immobilienklima, basierend auf der Befragung von 1200 deutschen Marktexperten, ist für den Teilbereich Wohnen im Trend schon seit etwa Anfang 2017 rückläufig. Den großen Vorsprung vor anderen Teilbereichen hatte es schon 2015 eingebüßt und seit jüngstem wird es vom Bereich Logistik und Industrie übertroffen.

          Denn es ist nicht nur die Politik, die derzeit das Klima belastet, sondern auch der starke Anstieg der Baukosten und der Mangel an Kapazitäten, wie Sven Carstensen vom Immobilien-Forschungsunternehmen Bulwiengesa meint, vor allem aber der Mangel an Baugrundstücken. Hohe Kosten einerseits und eine durch die Politik verringerte Preissetzungsmacht andererseits – diese Faktoren sind üblicherweise Gift für Aktienkurse. Solange es also keinen Meinungsschwenk in der Öffentlichkeit und der Politik gibt, dass der Mangel an (bezahlbaren) Wohnungen besser mit als gegen Wohnungsunternehmen bekämpft werden sollte, sind die Aussichten für die Aktien nicht eben rosig.

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