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Immobilien-Crowdinvesting : Erster Zahlungsausfall droht

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Mikroapartments (hier in Berlin-Adlershof) entstehen derzeit allenthalben. Bild: dpa

Das Immobilien-Cowdinvesting hatte bisher eine makellose Bilanz. Doch nachdem im Juli erste Schatten darauf fielen, könnte jetzt erstmals ein Projekt ausfallen.

          Erstmals müssen Anleger bei einem Crowdfunding-Immobilienprojekt konkret um ihr Geld fürchten. Wenige Wochen vor einem geplanten Rückzahlungstermin haben der Träger eines Projekts und dessen Muttergesellschaft Insolvenz angemeldet.

          Die Conrem Ingenieure GmbH hatte sich über die Internet-Plattform Zinsland.de zunächst 500.000 Euro und später noch einmal 750.000 Euro bei etwa 250 Anlegern für den Bau der Mikroapartmenthäuser „Luvebelle“ in Berlin-Tempelhof geliehen. Eigentlicher Bauherr war deren Tochtergesellschaft Arplan Projektgesellschaft Alpha 1. Nun haben beide Gesellschaften sowie eine weitere Tochtergesellschaft der Conrem Insolvenz angemeldet.

          Zinsland-Geschäftsführer Carl von Stechow zeigt sich überrascht. „Wir können im Moment nicht nachvollziehen, warum ein Insolvenzantrag gestellt wurde.“ Denn schließlich habe es sich bei dem Projekt um einen Forward-Deal gehandelt. Das „Luvebelle“ ist grundsätzlich schon verkauft, die Zahlung erfolgt nach Projektfortschritt.

          Nicht nachvollziehbar

          Vor rund zwei Wochen hatte die Alpha 1 noch mitgeteilt, dass Im Vorderhaus die Wände im Ergeschoss errichtet seien und die Deckenplatte vorbereitet werde. Jetzt aber habe nach Aussage von Stechows der kauf­männische Leiter der Projekt­gesell­schaften urplötzlich das Unternehmen verlassen.

          Der Geschäftsführer der Projektgesellschaften, Heinz Michael Groh, habe daher vorsichts­halber Insolvenz angemeldet, da eine dreimonatige Verzögerung eingetreten sei, weil Styropor-Altlasten nicht plan­mäßig hätten entsorgt werden konnten. Nachvollziehen kann von Stechow das allerdings nicht wirklich: „Eine solche Bauverzögerung ist aber im Projektgeschäft eigentlich nicht ungewöhnlich.“ Informiert hatte Groh Zinsland allerdings erst eine Woche nach den Insolvenzanträgen.

          Die Stiftung Warentest kritisiert, dass die Eigenkapitalsituation des „Luvebelle“ im Nachhinein viel schlechter gewesen sei als im Vorfeld angekündigt. Laut Plan hätte Conrem-Ingenieure rund 2,2 Millionen Euro beisteuern sollen, mit rund 29 Prozent wäre das eher viel gewesen. Tatsächlich aber habe Conrem nur eine Million Euro eingebracht, von denen die Hälfte durch das Crowd-Darlehen abge­löst worden sei.

          Zum Zeit­punkt der ersten Finanzierung sei  der „Forward-Deal“ noch nicht fixiert gewesen, sagt von Stechow dazu. Später seien so hohe Eigenmittel nicht mehr notwendig gewesen, weil das Risiko der Anlage durch den Vorab-Verkauf ja deutlich niedriger geworden war - eigentlich.

          Hoffen auf ein Abwenden des Ausfalls

          Derzeit arbeite man daran, dass die Insolvenzanträge zurückgenommen würden, heißt es von Zinsland. Auch Käufer des Projekts, der Luxemburger Vermögens­verwalter Aviarent Capital, habe sich sehr daran interessiert gezeigt, dass das Projekt fertig gebaut werde.

          Hoffnung gibt es für die Crowdanleger noch eine in Gestalt einer Bürgschaft der Arplan Development GmbH aus der Grohschen Firmengruppe für die erste „Luvebelle“-Finanzierung. Indes ist derzeit noch nicht klar, wie werthaltig diese ist und ob sie gezogen werden kann.

          Optimismus für das „Kantoneum“

          Mehr Mut macht von Stechow dagegen den Anlegern des Leipziger „Kantoneums“. Dies war im Juli in Misskredit geraten, als ein Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Hof gegen die mittelbaren Eigentümer der Projektgesellschaft einen Schatten auf dieses Projekt warf.

          Seinerzeit kündigte von Stechow im Einvernehmen mit den Projektverantwortlichen eine vorzeitige Rückzahlung des Projekts bis Ende Juli an. Diese verzögerte sich allerdings, so dass auch der ursprünglich erwartete Auszahlungstermin am vergangenen Samstag nicht gehalten werden konnte. Derzeit wird die Auszahlung für Freitag anvisiert. Von Stechow ist sich allerdings sicher, da nur noch ein vergleichsweise geringer Betrag fehle: „Das Geld wird kurzfristig vertragskonform zurückgeführt.“ Der Zinsland-Geschäftsführer verbucht das „Kantoneum“ letztlich als Erfolg, da man erreichen konnte, dass das Darlehen zurückgeführt wird, obwohl das Projekt noch nicht verkauft sei.

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