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Das liebe Geld : Immanuel Kant und das Geld

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Geld als Thema der Philosophie

Zur Natur von Sachen, allerdings ausschließlich von Sachen, gehört es nun, dass man sie kaufen und verkaufen, also veräußern kann. Dabei gibt es laut Kant zwei Grundarten: den Tausch im strengen Sinn, also das Nehmen und Geben von Waren gegen Waren (Naturaltausch), und den Handel, in dem Waren mit Geld bezahlt werden. Wie der Naturaltausch augenfällig zeigt, ist Geld bei Sachen kein notwendiges, aber ein „allgemein beliebtes“, längst sogar das wichtigste Kommunikationsinstrument. Es ist zwar kein notwendiges, aber das „größte und brauchbarste aller Mittel“. Seinem Wesen nach ist es nicht zu verschenken, da, auch wenn man Geld verschenken kann, es vielmehr als Instrument des Handels, zum „wechselseitigen Erwerben“, gedacht ist.

Das Kommunikationsmittel Geld, darauf legt Kant Wert, hat einen rein formalen, folglich nicht empirischen, vielmehr bloß intellektuellen Charakter. Genau aus diesem Grund tauge es zu einem philosophischen, näherhin rechtsphilosophischen Thema. Andernfalls müsste der Philosoph es vollständig der positiven Rechtswissenschaft und den empirischen Wirtschaftswissenschaften überlassen.

Als juristischer Laie darf man sich hier vom geltenden deutschen Recht bestätigt fühlen. Im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) taucht der Ausdruck „Geld“ zwar an einigen Stellen auf. Nach Paragraph 250 BGB zum Beispiel kann ein etwaiger Schadenersatz auch in Geld verlangt werden. Eine gesetzliche Definition von Geld sucht man im BGB aber – durchaus zu Recht – vergebens. Der Bundesgerichtshof hat sich allerdings in einer Entscheidung zu Paragraph 146 Strafgesetzbuch „Geldfälschung“ an einer Definition versucht, die als weithin sachgerecht erscheint und meines Erachtens problemlos auf das Zivilrecht anwendbar ist. Danach ist Geld „jedes vom Staat als Wertträger beglaubigte, zum Umlauf im öffentlichen Verkehr bestimmte Zahlungsmittel ohne Rücksicht auf einen allgemeinen Annahmezwang“.

„Die Summe des Fleißes“

Während nun Waren einen direkten Wert haben – Kants Beispiel ist das Getreide –, hat Geld an sich keinen Wert: „Man kann es selbst nicht genießen, oder als ein solches irgend wozu unmittelbar gebrauchen“, trotzdem ist es „unter allen Sachen von der höchsten Brauchbarkeit“. Der Grund liegt auf der Hand: Im Nachteil, kein direkter, sondern ein indirekter Wert zu sein, liegt zugleich der Vorteil. Er beläuft sich auf ein Freiheitsmoment, den Kant aber nicht hervorhebt: Indem das Geld „alle Waren repräsentiert“, taugt es zum universalen Zahlungsmittel.

Aus demselben Grund, dass das Geld alle Waren repräsentiert, steht es Kant zufolge für den Fleiß der Menschen, nämlich für die regelmäßige Anwendung ihrer eigenen Kräfte. Für Kant folgt daraus, dass der „Nationalreichtum, insofern er vermittelst des Geldes erworben worden, eigentlich in der Summe des Fleißes“ besteht, „mit dem Menschen sich untereinander lohnen“.

Diesem Gedanken kann man eine aktuelle Bedeutung zusprechen. Da sich im Wert einer Währung, könnte Kant sagen, der Fleiß eines Volkes widerspiegelt, gibt man mit dem Verzicht auf die eigene Währung einen erheblichen Teil der Souveränität, sowohl der Verantwortung als auch der Kontrolle, in Bezug auf den „nationalen Fleiß“ auf.

Noch etwas ist für Kants Geldtheorie wichtig, nämlich die Kritik eines verbreiteten, oberflächlichen Verständnisses: Wer Banknoten für das Geld selbst hält, erliegt einer Täuschung. Banknoten können zwar „eine Zeit hindurch die Stelle“ des Geldes „vertreten“, ihr Wert gründet aber bloß in der Erwartung, sie in der Zukunft „in Barschaft“ umsetzen – nämlich mit den Banknoten etwas kaufen zu können. Was Zeiten hoher Inflation schmerzlich lehren: Der hinter den Banknoten stehende Wert als Zahlungsmittel kann kräftig sinken.

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