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Anleihenmarkt : Zinsloses Risiko statt risikolosem Zins

Risiko gibt es auch in Österreich - nur keinen Zinsen. Bild: dpa

Im Zeitalter der Nullzinsen ist der risikolose Zins Geschichte, klagen Vermögensverwalter. Zinsen gibt es noch, aber eben nur für ordentliches Risiko.

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          „Statt risikolosem Zins gibt es nur noch zinsloses Risiko“ ist ein Stoßseufzer, den man nun schon seit Jahren von so manchem Vermögensverwalter hört. Gemeint ist, dass die Zeiten eben vorbei sind, in denen man ein Aktiendepot mit ein paar Bundesanleihen einfach absichern konnte und mittels Zinskupon halbwegs genug Ertrag einheimsen konnte. Blickt man auf das aktuelle Anleihenangebot, ist man zunächst einmal geneigt in die Klage einzustimmen.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Im Rahmen einer Aufstockung bietet Österreich für eine fünfjährige Anleihe einen Kupon von - 0 Prozent, die Apobank zahlt für neun Jahre 0,37 Prozent. Da muss man nicht groß rechnen, um davon ausgehen zu können, dass nach Abzug der Inflation mit diesen Anleihen das Geld zur Endfälligkeit weniger wert sein wird. Diese Aussicht ist risikoarm.

          Das zinslose Risiko

          Nicht geändert hat sich mit Blick auf das Laufzeitende aber das Risiko der Anleihen selbst. Die Wahrscheinlichkeit, dass Österreich oder die Apobank ihren Verpflichtungen in einigen Jahren nicht nachkommen können, musste man früher genauso abschätzen wie heute. Und wer auf höhere Bankenrisiken verweist, dem mag man entgegenhalten, dass neue Kapitalvorschriften und eben gerade die niedrigen Zinsen deren Situation andererseits verbessert haben. So gesehen ist das Risiko nicht wesentlich anders, nur gibt es das eben (weitgehend) zinslos.

          Für Vermögensverwalter sieht es noch etwas schwieriger aus. Denn trotz vernachlässigbarer Zinsen befinden sich die Anleihenkurse weiter auf hohem und die Renditen auf niedrigstem, oft negativen Niveau . Nicht nur ist die Gefahr eines Rückschlags latent höher, sondern Geld kann man mit Anleihen nur über Kursgewinne verdienen – ähnlich wie mit Aktien nur ohne (nennenswerte) Ausschüttung – zinsloses Risiko eben.

          Zinsen mit Risiko

          Wer höhere Zinsen will, muss noch mehr ins Risiko gehen. Es ist ja nicht so, dass es keine Angebote gäbe. Doppelwährungsanleihen, etwa von der britischen Barclays Bank, begeben wird sie in brasilianischen Real, Tilgung 5 Prozent Zinsen gibt es in japanischen Yen. Noch mehr Zinsen zahlt aktuell die Foxtrot Escrow, die 12,25 Prozent für ihre siebenjährige Dollar-Anleihe anbietet. Dafür gibt es neben dem Wechselkurs- gleich noch ein ordentliches Emittentenrisiko. Viel schwächer als „B-„ kann ein Rating kaum noch sein. Und nur mit einiger Mühe kann man herausfinden, dass hinter Foxtrot der amerikanische Kunststoffhersteller FXI steckt.

          Alternativ kann man immer noch zu Mittelstandsanleihen greifen. Ja, die gibt es noch, auch wenn die Bezeichnung seit der Insolvenzwelle unter den Emittenten vor einigen Jahren an Klang verloren hat. Die aufgrund der geringen Volumina auch als „Mini-Bonds“ bezeichneten Titel bringen heute auch ein deutliches größeres Zinsspektrum mit sich. 13 Prozent gibt es etwa von der estnische Iutecredit, die auf dem Balkan von Bosnien bis Moldawien Ratenkredite vergibt. Die Geschäftsrisiken liegen angesichts von Weichwährungen, niedrigem Lebensstandard und politischen Instabilitäten auf der Hand.

          Wer es etwas weniger risikoreich mag, für den bietet sich womöglich die Underberg-Anleihe an. Für den Produzenten von Magenbitter ist dies schon die siebte Anleihe. Mit dem neuen Papier im Volumen von 60 Millionen Euro und einem Kupon von 4 bis 4,25 Prozent will man zwei ältere höher verzinsliche Titel ablösen. Der Mangel an Zinsen kommt Underberg zupass: Für die Debüt-Anleihe im Jahr 2011 zahlten die Rheinberger noch 7,125 Prozent.

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