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Im Visier Amerikas : Kurs von ZTE fällt um 40 Prozent

Der ZTE-Stand beim Mobile World Congress in Barcelona vergangenen Februar. Bild: Reuters

Nach zwei Monaten wird die Aktie des chinesischen Telekomausrüsters wieder gehandelt. Dass der Kurs fällt, ist kein Wunder: Es verdichten sich Anzeichen, dass Amerikas Kongress das Unternehmen insolvent gehen sehen will.

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          Der Kurs der Aktien des zweitgrößten chinesischen Telekommunikationsausrüsters ZTE, der nach dem Willen von großen Teilen des amerikanischen Kongresses nicht mehr für den Geschäftsbetrieb unabdingbare Mikroprozessoren aus den Vereinigten Staaten beziehen dürfen soll, ist nach einer zweimonatige Handelspause am Mittwochmorgen an der Hongkonger Börse um 40 Prozent gefallen.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Auch zwei Stunden nach Handelsbeginn lag der Kurs der ZTE-Aktie mit 15,68 Hongkong-Dollar weiter bei nur knapp 39 Prozent des Schlusskurses vom 17. April. An diesem Tag war der Handel in Hongkong und an der Börse in Shenzhen eingestellt worden, nachdem das amerikanische Wirtschaftsministerium angeordnet hatte, dass ZTE aus den Vereinigten Staaten keine Zulieferteile mehr beziehen dürfe.

          Widerstand gegen Trumps Vorzugsbehandlung

          Zwar will die amerikanische Regierung auf Drängen von Präsident Donald Trump den Bann gegen ZTE eigentlich wieder aufheben. Nach einem am Montag veröffentlichten Kompromiss soll das Unternehmen eine Strafe zwischen 1 und 1,4 Milliarden Dollar zahlen und unter amerikanische Zwangsaufsicht gestellt werden.

          Dass der Marktwert von ZTE dennoch um rund acht Milliarden Dollar Wert gefallen ist, spiegelt die großen Zweifel wieder, dass der Handel mit der amerikanischen Regierung Bestand haben wird. Bereits nach den ersten Ankündigungen Trumps, als nette Geste dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping gegenüber ZTE wieder auf die Beine helfen zu wollen, schlug dem amerikanischen Präsidenten sowohl von Demokraten als auch von führenden Republikanern massiver Widerstand entgegen.

          Der amerikanische Kongress will ZTE am liebsten sterben sehen, nachdem das Unternehmen sich nicht an Auflagen der amerikanischen Regierung aus dem vergangenen Jahr gehalten hatte, Mitarbeiter dafür zu bestrafen, gegen die Handelssanktionen gegen den Iran verstoßen zu haben.

          Massive Stimmung gegen China

          Der Fall ZTE zeige, dass China mit unfairen Methoden die amerikanische Technologieführerschaft in der Welt infrage zu stellen drohe, lautet die Argumentation in Washington. Dass sich in Amerikas Hauptstadt seit etwa eineinhalb Jahren ohnehin die Stimmung massiv gegen China gewendet hat, dass es zunehmend als Gefahr für die eigene Zukunftsfähigkeit und als größter Rivale empfunden wird, hat ZTE ebenfalls nicht geholfen.

          Zu Wochenbeginn hatten führende Republikaner angekündigt, in Senat und Repräsentantenhaus eine Mehrheit zu organisieren, die einem in dieser oder nächster Woche zu verabschiedenden Gesetz zur nationalen Sicherheit einen Satz zufügen will, der ZTE von den für die Produkte des Unternehmens alternativlosen Mikrochips aus Amerika ein für allemal abschneidet.

          Es gebe keine Anzeichen dafür, dass Trump das Vorhaben stoppen werde, sagte am Dienstag der republikanische Senator Bob Corker. Der Präsident sei an ZTE „nicht interessiert“. Dem Sicherheitsgesetz, das die Senatoren mit der ZTE-Klausel versehen wollen, müssen Senat und Repräsentantenhaus zwingend zustimmen, und zwar in derselben Version. Dann wird es dem Präsidenten vorgelegt, der es unterzeichnet oder mit seinem Veto stoppt.

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