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Abwertungstrend : Türkische Lira durchbricht wichtige Marke

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Großmachtspiele auf tönernen Füßen: Während die Türkei mit ihren Nachbarn den Konflikt sucht, verfällt die Währung. Bild: dpa

Der Kurs der türkischen Lira ist gegenüber dem Dollar unter die psychologisch wichtige Marke von 8 Lira je Dollar gefallen. Eine Wende ist derzeit nicht abzusehen.

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          Der Kurs der Lira ist am Montag über die Marke von 8 Lira für den Dollar gestiegen. Damit hat die Landeswährung der Türkei in den vergangenen drei Monaten gegenüber der Welt-Leitwährung um 15 Prozent nachgegeben.

          Dabei ist die Zuspitzung des Zerwürfnisses zwischen Frankreich und der Türkei zwar nicht als förderlich, aber auch nicht als alleiniger oder Hauptgrund zu sehen. Vielmehr ist es das Ausbleiben einer Zinserhöhung in der vergangenen Woche, das im Zusammenwirken mit anderen Faktoren wie drohenden amerikanischen Sanktionen, den Konflikten mit Griechenland und an vielen anderen Schauplätzen der Region sowie den Auswirkungen der Corona-Krise auf das Land, ausländische Investoren sich weiter zurückziehen lässt.

          Die Türkei hat schneller als jedes andere Schwellenland Währungsreserven aufgewendet, um den Kurs der Lira - weitgehend erfolglos - zu stützen. In diesem Jahr haben ausländische Anleger türkische Aktien und Anleihen im Wert von 13,3 Milliarden Dollar verkauft, berichtet der Finanzinformationsdienst Bloomberg. Die sei die größte Summe seit wenigstens 2005. Der Wert der Lira ist in diesem Jahr um mehr als 25 Prozent gefallen, so dass dies international die zweitschwächste Währung nach dem brasilianischen Real ist.

          Die türkische Notenbank hatte vor zwei Wochen noch ihren Kurs einer schrittweisen Zinsanhebung fortgesetzt - obgleich Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan weiter niedrigere Zinsen fordert, um die Binnenkonjunktur anzuschieben. Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung warnt indes, dass die Banken die Ausweitung der Kreditvergabe womöglich mit hohen Forderungsausfällen bezahlen müssten.

          Es fehle noch der Wille, die Geldpolitik zu verschärfen, sagte Viktor Szabo, leitender Rentenmanager bei Aberdeen Asset Management der Nachrichtenagentur Bloomberg. Jahrelange Politikfehler kulminierten nun im Verlust an Währungsreserven und Druck auf den Lira-Kurs.

          Seit dem Frühjahr 2008 hat die Lira gegenüber dem Dollar die Hälfte ihres Wertes verloren, seit der Finanzkrise 85 Prozent. Gegenüber dem Euro sieht die Bilanz ähnlich aus und auch gegenüber diesem befindet sich die Währung auf einem neuen Tiefstand von 9,52 Lira je Euro.

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