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Anleihemarkt in China : Erstmals bekommt chinesische Anleihe ein ausländisches Rating

Die Commercial Bank of China (ICBC) in Peking Bild: Reuters

Mehr als 90 Prozent aller Kredite bekommen ein Top-Rating von chinesischen Ratingagenturen. Das macht Investoren misstrauisch. Auch wenn ausländische Agenturen der Transparenz helfen: Vorsicht ist dennoch geboten.

          Das Jahr 2019 markiert für den chinesischen Anleihemarkt einen weiteren Meilenstein. Im Januar wurde bekannt, dass erstmals eine ausländische Kreditratingagentur Bewertungen in China vornehmen dürfe. Nun hat die Tochtergesellschaft der amerikanischen Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P), S&P Global, ihr erstes Anleihe-Rating vergeben. Eine Einheit von ICBC, der größten Bank Chinas, wurde mit einem AAA-Rating bewertet – dem höchstmöglichen Rating, welches in China zu vergeben ist.

          Antonia Mannweiler

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Der Zugang zum chinesischen Anleihemarkt ist für ausländische Investoren derzeit noch stark begrenzt. In dem Schritt, ausländische Kreditratingagenturen in China zuzulassen, sehen viele Fachleute die Absicht der Regierung, den Druck auf die Konkurrenz unter inländischen Ratingagenturen zu erhöhen. Zwar gibt es solche in China. Sie stehen jedoch in der Kritik, keine transparenten Kreditratings vorzunehmen und in der Tendenz zu viele positive Ratings zu vergeben.

          So entzogen im vergangenen Jahr die chinesischen Behörden etwa der Ratingagentur Dagong Global Credit Rating ihre Lizenz. Das Unternehmen hatte den Behörden falsche Informationen geliefert und den Kreditnehmern sehr hohe Gebühren in Rechnung gestellt – Gründe, die die Unabhängigkeit der Agentur in Frage stellte.

          Zweifel an der Unabhängigkeit

          Immer wieder gibt es Zweifel an der Unabhängigkeit der Ratingagenturen–nicht nur in China. Dennoch ist das Vertrauen in die ausländischen Kreditratingagenturen immer noch größer als das in chinesische Agenturen. Gerade das Vertrauen in die korrekte Einschätzung und Einordnung der Risiken ist für die Investoren essenziell.

          Laut der Handelsorganisation „National Association of Financial Market Institutional Investors“ werden rund 97 Prozent aller chinesischen Unternehmensanleihen mit einem Rating von „AA“ oder besser bewertet. „Die meisten Investoren sind da misstrauisch“, sagt Gene Frieda, Anleihe-Fachmann von Pimco. Daher seien es „gute Neuigkeiten“, dass S&P Global nun innerchinesische Ratings vornehmen dürfe.

          Gleichzeitig blieben immer noch Probleme, meint Frieda. So orientiere sich das Rating nicht an den internationalen Standard von S&P Global. Stattdessen gebe es eigene Kriterien für den chinesischen Markt. Aus seiner Sicht ist es daher nach wie vor eine große Herausforderung, die in China angewandten Ratings mit internationalen Maßstäben zu vergleichen. Auch könne man nicht von jetzt auf gleich mit neuen Ratingagenturen in China rechnen. „Es gibt eine Präferenz für eine kontrollierte Konkurrenz.“

          Es stellt sich zudem die Frage der Vertrauenswürdigkeit – auch mit einem internationalen Rating. Ein Beispiel seien etwa implizite Garantien der chinesischen Regierung im Fall von Unternehmensinsolvenzen, die sich schon in der Vergangenheit als falsch herausstellten. Sollte die Liberalisierung jedoch weiter voranschreiten, könne der 12-Billionen-Dollar schwere chinesische Anleihemarkt zu einem der wichtigsten Bondmärkte der Welt werden, schätzt Frieda.

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