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Warren Buffett Bild: dpa

IBM-Aktie im Plus : Hat Warren Buffett einen Fehler gemacht?

  • -Aktualisiert am

Kursfeuerwerk beim Börsenflop: Der Aktienkurs des Technologieriesen IBM ist in dieser Woche deutlich gestiegen. Andere prominente Aktien gingen dagegen auf Talfahrt – obwohl dem Produkt ein „Superzyklus“ prognostiziert wird.

          Warren Buffett, der superreiche Starinvestor aus Omaha, hat oft ein gutes Händchen. Im Fall von IBM hatte er jetzt möglicherweise noch ziemlich viel Glück, obwohl die Aktien des traditionsreichen Technologiekonzerns in den vergangenen Quartalen auf seiner Verkaufsliste standen. Der Aktienkurs von IBM war am Mittwoch nach überraschend guten Quartalszahlen um 9 Prozent in die Höhe geschnellt und legte auch am Donnerstag zu. Am Freitag gab der Kurs im frühen Handel dann wieder leicht nach. Das Plus vom Mittwoch war der höchste Tagesgewinn für den Dow-Jones-Wert seit Januar 2009. Für Buffett, der Ende Juni noch 54 Millionen Aktien von IBM im Portfolio seiner Gesellschaft Berkshire Hathaway hatte, kam das einem Gewinn von fast 800 Millionen Dollar gleich – vorausgesetzt, dass Buffett im dritten Quartal seine Beteiligung nicht weiter reduziert hat.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Buffett, dessen Anlageentscheidungen an der Wall Street stark beachtet und häufig kopiert werden, hatte sich 2011 überraschend an IBM beteiligt, obwohl er bis dahin um Technologieaktien einen großen Bogen gemacht hatte. Allerdings ging für Buffett die Wette auf IBM angesichts eines enttäuschenden Umsatzwachstums nicht auf. Buffett reduzierte die Beteiligung in diesem Jahr wieder und bezeichnete die Entscheidung für den Kauf der Aktien im Nachhinein als Fehler. „Ich lag falsch. IBM ist ein starkes Unternehmen, aber sie haben auch große und starke Wettbewerber“, sagte Buffett im Mai in einem Fernsehinterview. „Ich schätze IBM nicht mehr so stark ein wie noch vor sechs Jahren, als ich zu kaufen begann. Ich habe die Bewertung etwas reduziert.“

          Buffett hält 2,5 Prozent an Apple

          An der Wall Street waren viele Anleger seinem Beispiel gefolgt. Der Aktienkurs von IBM liegt in diesem Jahr trotz der kräftigen Erholung dieser Woche immer noch um rund 3 Prozent im Minus – obwohl Technologieaktien in diesem Jahr abermals die größte Triebfeder der anhaltenden Hausse waren. Auch längerfristig betrachtet, gehörte IBM in den vergangenen Jahren zu den größeren Börsenflops. Zwar hat die Aktie seit Anfang 2011, also dem Jahr, in dem Buffett zu kaufen begann, um insgesamt rund 10 Prozent zugelegt. Der Dow-Jones-Index hat sich im gleichen Zeitraum allerdings verdoppelt. Noch größere Gewinner waren allerdings Titel wie der Elektronikkonzern Apple, dessen Kurs sich seit Anfang 2011 mehr als verdreifacht hat.

          IBM

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          APPLE

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          Das hatte offenbar auch Buffett registriert und sich daher seit 2016 in großem Stil an Apple beteiligt. Allein in diesem Jahr liegt der Aktienkurs von Apple um rund 35 Prozent im Plus – obgleich sich der Kurs seit der Vorstellung der neuen iPhone-Generation Mitte September etwas ermäßigt hat. Am Donnerstag sackte der Apple-Kurs um mehr als 2 Prozent ab, weil die neue Apple-Uhr in China Schwierigkeiten mit der Mobilfunk-Verbindung hat. Die Uhr soll erstmals unabhängig von einem iPhone als Mobiltelefon genutzt werden können. Buffett hält derzeit 2,5 Prozent an Apple.

          Buffett, der bevorzugt Aktien kauft, die er für unterbewertet hält, hält seine Beteiligungen in der Regel sehr lange. Das Beispiel IBM zeigt aber, dass sich auch Buffett von Papieren trennt, wenn er den Unternehmen keine großen Zukunftsaussichten mehr unterstellt. Möglicherweise hat er im Fall von IBM allerdings einen zu kurzen Atem gehabt. Für die Analystin Katy Huberty von der Investmentbank Morgan Stanley ist das jüngste Quartalergebnis von IBM jedenfalls ein möglicher „Wendepunkt“ nach langer Durststrecke, weil Umsätze und Bruttomargen weniger stark zurückgegangen seien als befürchtet. IBM stellte für das laufende vierte Quartal nach 22 Quartalen in Folge mit rückläufigen Umsätzen eine Rückkehr zum Wachstum in Aussicht.

          iPhone 6 unterscheidet sich von seinen Vorgängern

          Das Unternehmen kämpft seit geraumer Zeit mit Umwälzungen in der Technologiebranche, die das traditionsreiche Hardware- und Softwaregeschäft des Unternehmens bedrohen. Das populäre „Cloud Computing“, die Auslagerung von Rechnerkapazitäten, schwächt die Nachfrage von Firmenkunden nach Großcomputern von IBM. Der Konzern arbeitet selber an Zukunftsbereichen wie Cloud oder Künstliche Intelligenz, konnte damit bislang die Einbußen in den Traditionssparten aber nicht ausgleichen. Rund 46 Prozent der Umsätze von IBM entfallen auf das Cloud-Geschäft und andere Zukunftsbereiche wie Cyber-Sicherheit oder Datenanalyse. Die Umsätze in diesen Sparten stiegen um 11 Prozent auf 8,8 Milliarden Dollar. Insgesamt gingen die Umsätze des Konzerns aber leicht um 0,4 Prozent auf 19,2 Milliarden Dollar zurück.

          Für Apple sind Börsianer trotz des starken Kursanstiegs insgesamt deutlich zuversichtlicher als für IBM. Eine entscheidende Rolle für die Bewertung der Aktien spielt dabei das im September vorgestellte iPhone X, das rund 1000 Dollar kostet und von zwei günstigeren iPhone-8-Modellen flankiert wurde. Die meisten Analysten prognostizieren einen neuen „Superzyklus“ für das wichtigste Produkt des Unternehmens. Gemeint ist damit die Einführung einer grundlegend überarbeiteten Gerätegeneration, auf der die weiterentwickelten iPhones der kommenden Jahre aufbauen werden.

          Der jüngste Superzyklus hatte mit der Einführung des iPhone 6 und des iPhone 6 Plus begonnen, die sich von ihren Vorgängern unter anderem durch deutlich größere Bildschirme unterschieden. Der Aktienkurs von Apple ist seit der Präsentation der neuen Modelle um mehr als 2 Prozent gefallen. Analysten hatten nach den starken Aufschlägen in den vergangenen zwölf Monaten allerdings Rückschläge erwartet, weil Anleger typischerweise einen Teil ihrer Kursgewinne realisieren. Ein halbes Jahr nach der Einführung eines neuen iPhones war der Aktienkurs von Apple bisher immer wieder gestiegen. Darauf dürfte auch Warren Buffett hoffen.

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