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Naturkatastrophen : Hurrikan Dorian treibt Preise der Rückversicherer

Der Wirbelsturm Dorian hat große Schäden auf den Bahamas angerichtet Bild: Reuters

Allmählich machen sich die hohen Schäden des Hurrikans Dorian bemerkbar. Das hat Folgen - für Kunden und die Rückversicherer.

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          Die hohen Versicherungsschäden der vergangenen zwei Jahre haben die schwierige Situation der Rückversicherer leicht entschärft. Schon in den Vertragserneuerungen im Januar, April und Juli konnten sie zum Teil erhebliche Preissteigerungen für Rückversicherungsschutz durchsetzen. Mit Steigerungen von durchschnittlich 5 Prozent in den anstehenden Verhandlungen dürfte sich das weiter fortsetzen, erwartet Johannes Bender, Rückversicherungsanalyst der Ratingagentur Standard & Poor’s. „Wir sehen Verbesserungen, aber der Sektor ist auch Gegenwind ausgesetzt“, sagte er im traditionellen Pressegespräch vor dem jährlichen Rückversicherungstreffen in Monte Carlo, das am vergangenen Wochenende stattfand.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Die 20 größten Rückversicherer – an der Spitze die Munich Re, die Swiss Re und die Hannover Rück – zeichne eine robuste Kapitalisierung aus. Ihr Risikomanagement sei professionell, und sie zeichneten Versicherungsrisiken sehr vernünftig. Herausfordernd sei weiterhin die Konkurrenz durch alternative Kapitalgeber, die häufig Risikoschutz über verbriefte Rückversicherungsverträge anböten (Collateralized Reinsurance).

          Auf diesem Markt hätten Investoren allerdings in den vergangenen zweieinhalb Jahren durch Großschäden wie die Hurrikans Irma, Maria und Harvey, den Taifun Jebi in Kapan oder die Wildfeuer in Kalifornien zu spüren bekommen, dass Renditen von 7 Prozent und mehr keine Selbstverständlichkeit sind. In den vergangenen Jahren erlitten sie durchschnittlich Verluste von 5,6 und 3,9 Prozent. Auch in diesem Jahr zeichnet sich bislang eine negative Rendite ab.

          Der Rückversicherungsschutz wird teurer

          Diese Erfahrungen bringen aber auch mit sich, dass der Rückversicherungsschutz teurer wird und die Branche profitabler wirtschaften kann. Je nach Risiko konnten die Rückversicherer zum Teil zwischen 25 und 35 Prozent Preissteigerungen erzielen. Naturkatastrophen in Florida zählen dazu. Dort droht auch jetzt wieder der Hurrikan Dorian starke Schäden zu hinterlassen.

          Doch einen Markt, der sich einheitlich „verhärtet“ (also verteuert), gibt es wegen des vielen Kapitals, das in die Branche geflossen ist, heute nicht mehr. „Wir sehen weiterhin eine Abkopplung vom globalen Preistrend und eine Regionalisierung der Märkte“, sagt Bender. Wenn für Rückversicherungsrisiken in Florida durch die großen Naturkatastrophenschäden höhere Preise anfielen, habe das heute kaum mehr Auswirkungen auf den Markt und den früher klarer zu erkennenden Preiszyklus. So fallen in Europa die Prämienraten seit dem Jahr 2003 nahezu kontinuierlich.

          Für Aktionäre der Branche bleiben die Zeiten vorerst erfreulich. In den beiden vergangenen Jahren schütteten die 20 größten Rückversicherer über Aktienrückkäufe und Dividenden jeweils 9 Milliarden Dollar aus. Die Ertragskraft verbessere sich. Zwar liege die durchschnittliche Rendite in der Kapitalanlage weiterhin bei niedrigen 2,7 Prozent. Investoren und Unternehmen seien sich einig, dass es keinen Sinn ergebe, durch höhere Aktienengagements das Risiko auf der Kapitalanlageseite zu vergrößern.

          Der Wettbewerb ist zeitweise etwas schwächer geworden. Stieg das Kapital innerhalb der vergangenen zehn Jahre kontinuierlich an, was die Preise drückte, ist im Jahr 2018 erstmals traditionelles Kapital aus dem Markt herausgeflossen und Anfang dieses Jahres auch erstmals alternatives Kapital. Viele Unternehmen setzen weiterhin auf Übernahmen und Fusionen, um die eigene Position im Markt zu stärken.

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