https://www.faz.net/-gv6-9npx7

Vereinigte Staaten : Hoffnung auf Zinssenkung treibt Aktienkurse

Jerome Powell ist der Präsident der amerikanischen Notenbank. Bild: AP

Jerome Powell, Präsident der amerikanischen Notenbank, signalisiert Bereitschaft, die Geldpolitik weiter zu lockern. Die Finanzmärkte danken es mit Kursgewinnen.

          Die Stimmung an den Finanzmärkten hat sich gedreht. Dafür hat Jerome Powell gesorgt, der Präsident der amerikanischen Notenbank Federal Reserve (Fed), als er dieser Tage seine Bereitschaft signalisierte, das Wirtschaftswachstum weiter zu unterstützen und dabei die Entwicklung im Handelskonflikt zu berücksichtigen.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Hatte zuvor die Handelspolitik des amerikanischen Präsidenten Donald Trump die Anleger noch verunsichert, sind sie nun wieder zuversichtlich. Am Mittwoch legte der amerikanische S&P-500-Aktienindex um 0,8 Prozent auf 2826 Zähler zu und fing damit die Verluststrecke von 5 Prozent im Mai ab.

          Der den deutschen Aktienmarkt in seiner Breite abbildende F.A.Z.-Index gewann am Mittwoch sogar 1,3  auf 2212 Punkte. Auch zehnjährige Bundesanleihen waren gefragt, so dass ihre Rendite auf ein neues historisches Tief von minus 0,23 Prozent sank.

          F.A.Z.-Index

          -- -- (--)
          • 1T
          • 1W
          • 3M
          • 1J
          • 3J
          • 5J
          Zur Detailansicht

          Wie sehr sich die Stimmung binnen sechs Monaten gedreht hat, zeigen die Markterwartungen bezüglich der Geldpolitik der Fed. „Der Markt erwartet nun eine Zinssenkung in den Vereinigten Staaten, obwohl die Notenbank Fed am Jahresanfang noch drei Zinserhöhungen in Aussicht gestellt hatte“, sagt Carsten Mumm, Chefvolkswirt der Privatbank Donner & Reuschel. Die Wachstumsaussichten würden durch den Handelskonflikt deutlich eingetrübt. Es handelt sich nach Ansicht von Mumm nicht nur um eine zyklische Abkühlung.

          Auch David Lafferty, Chefstratege des Vermögensverwalters Natixis Investment Managers, ist überrascht, wie schnell der Markt von der Erwartung einer straffen Geldpolitik zu aggressiven Zinssenkungen umgeschwenkt ist. „Zu dieser dramatischen Wende hat die Verunsicherung durch Trumps Handelspolitik beigetragen“, sagt er. Fed-Chef Powell habe die Flexibilität der Notenbank bekräftigt, aber noch keine baldige Zinssenkung angekündigt. Die Fed werde abwarten, wie sich die amerikanische Wirtschaft über den Sommer entwickele.

          Der Stratege rät der amerikanischen Notenbank, vorsichtig zu sein: Eine aggressive Lockerung der Geldpolitik könne zu mehr Unsicherheit führen. „Dann kann am Markt der Eindruck entstehen, die Lage der Weltwirtschaft sei deutlich schlechter als bislang angenommen.“ Lafferty fürchtet, dass so das Vertrauen der Investoren in die Wirtschaft untergraben werden könne.

          Auch Mumm ist noch zurückhaltend: „Ich erwarte vorerst noch keine Zinssenkung der Fed.“ Die amerikanische Notenbank müsse aufpassen, sich nicht dem Vorwurf auszusetzen, Trumps Erfüllungsgehilfe zu sein. Der amerikanische Präsident hatte der Notenbank Ende des vergangenen Jahres vorgeworfen, sie falle ihm mit ihren Zinserhöhungen in einer Zeit in den Rücken, in der er gegen das Ausland Erfolg verheißende Handelskonflikte ausfechte.

          Kurze Zeit später trat die Fed auf die Bremse und sah keinen Zwang mehr zu weiteren Zinserhöhungen. Noch im ersten Quartal wurde der geldpolitische Standpunkt weiter aufgelockert. Der Chefvolkswirt von Donner & Reuschel führt die Kursgewinne an den Aktienmärkten im ersten Quartal auf die Anzeichen einer wieder lockeren Geldpolitik zurück.

          Trotzdem ist Mumm davon überzeugt, dass die Fed die Gratwanderung zwischen dem geldpolitisch Erforderlichen und ihrer Unabhängigkeit von der amerikanischen Regierung hinbekommen werde. „Die Phase unkonventioneller Geldpolitik wie zum Beispiel über Anleihekaufprogramme ist noch längst nicht vorbei“, sagt er.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Konkurrenz lauert : Herbe Enttäuschung von Netflix

          Der Videodienst gewinnt weniger Kunden als erwartet. Auf seinem Heimatmarkt schrumpfen die Abonnentenzahlen sogar. Die Aktie verliert deutlich an Wert, denn die Sorgen werden auch in Zukunft nicht weniger.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.