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Hochzinsmarkt : Neue Anleihen haben es schwer

Für viele Anleger ist Voltabox der interessanteste Teil von Paragon. Bild: Hersteller

Der deutsche Markt für kleine Hochzinsanleihen schwächelt. Der Autozulieferer Paragon sagt seine Emission ab und die Deutsche Entertainment ergreift Marktpflegemaßnahmen.

          In den vergangenen Tagen hatten sich die Emissionswünsche im Markt für kleine Hochzinsanleihen, einst als „Mittelstandsanleihen“ bezeichnet gehäuft. Der Konzerveranstalter Deutsche Entertainment bot erstmals eine Anleihe an. Auch die Autozulieferer Paragon und der Getriebespezialist NZWL kündigten an, einmal mehr Fremdkaptal aufnehmen zu wollen, ebenso der Gebrauchtwagenfinanzierer Mogo und das österreichische Immobilienunternehmen UBM Development.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Es liegt nahe davon auszugehen, dass zumindest ein Teil der Unternehmen noch rasch Anleihen plazieren will, bevor die Stimmung an den Aktienbörsen umschlägt, die aufgrund des eher vergleichbaren Risikos für den Hochzinsmarkt ausschlaggebender ist als die an den Anleihemärkten.

          Doch offenbar ist die Stimmung für kleine Hochzins-Emissionen schon schlechter als bislang angenommen. Paragon, die am Donnerstag der vergangenen Woche schon eine Zinsspanne 4,25 bis 4,75 Prozent angekündigt hatten, zogen die Emission am Mittwoch zurück. Angesichts des aktuell sehr schwierigen und volatilen Marktumfelds habe man entschieden, auf die Plazierung vorerst zu verzichten. Zwar sei die positive Unternehmensentwicklung bei Investoren auf reges Interesse gestoßen. Am Kapitalmarkt dominiere jedoch eine Kaufzurückhaltung.

          Es wurde kein Wertpapier gefunden!

          Selten deutlich zeigen sich an diesem Beispiel die veränderten Verhältnisse. Denn die Konditionen der Anleihe hätten ziemlich genau jener Anleihe entsprochen, die Paragon problemlos im Sommer 2017 hatte plazieren können. Und Paragon hat mit der Tochtergesellschaft eine E-Auto-Story zu bieten und keine schlechteren Verschuldungsrelationen. Am ehesten negativ hätte man noch die Geschwindigkeit der Fremdkapitalaufnahme werten können.

          Auch die DEAG-Emission zeigt im Nachhinein Schwächen, die man nach der vorzeitigen Schließung der Emission so nicht vermutet hätte. Nicht nur, dass die Anleihe mit einem Kupon von 6 Prozent am oberen Ende der angebotenen Zinsspanne plaziert wurde. Statt der angestrebten 25 Millionen wurden auch nur 20 Millionen plaziert.

          Allerdings habe man sich wegen des sehr volatilen Marktumfeld bewusst zu einem solchen Vorgehen entschlossen, heißt es von der DEAG. Um der Anleihe optimale Voraussetzungen für den Handelsstart im Sekundärmarkt zu ermöglichen, habe man das Ordervolumen nicht  ausgeschöpft. Zeichnungsaufträge über die Zeichnungsfunktionalität Direct Place wurden bis 5.000 Euro voll zugeteilt, höhere Beträge nur mit rund 44 Prozent berücksichtigt. Insgesamt sei dadurch die Nachfrage über Direct Place zu rund 55 Prozent zugeteilt worden.

          DEAG DT.ENTERTAINM. O.N.

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          Spätestens ab dem 5. November wird sich zeigen, wie es NZWL ergehen wird. 12,5 Millionen Euro will der Autozulieferer plazieren, diesmal zu 6,5 Prozent. Das erscheint angesichts des Marktes insofern gewagt, als die bisherigen Anleihe des Autozulieferers 7,5 oder 7,25 Prozent boten. Mit 6 Prozentpunkten über dem referenzzins der Banken ist das der niedrigste Aufschlag einer NZWL-Anleihe bisher.

          Auch wenn sich die Deckung der Zinszahlungen durch das Betriebsergebnis seit 2014 schleichend verringert hat, hat NZWL seine Verschuldung bislang recht gut gemanagt. Das liegt nicht zuletzt daran, dass neue Emissionen in der Regel mit Umtauschangeboten verbunden waren, so dass die Anleiheschulden per saldo seit 2015 nicht gestiegen sind. Das gilt aber nicht für die neueste Emission, so dass im Erfolgsfall die Verschuldung steigen wird.

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