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Agrarrohstoffe : Hitze treibt Weizenpreis auf Rekordhöhe

Die Hitze lässt die Getreideernten in Europa schrumpfen. Das treibt die Preise für Getreide, vor allem Weizen. Experten halten es für möglich, dass die Ernteprognosen immer noch zu niedrig sind.

          Deutschland stöhnt unter den heißen Temperaturen des Sommers. 36 Grad ist es in Berlin, heißer als in Kairo und Neu-Delhi. Auf der arabischen Halbinsel werden zwar Spitzenwerte von 45 Grad erreicht, aber es ist dennoch heiß genug – nicht nur in Berlin.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die mit der Hitze einhergehende Dürre sorgt an den Terminbörsen schon seit einiger Zeit für steigende Preise. So ist Weizen rund 35 Prozent teurer als noch zu Jahresbeginn und die Preise für weniger beachtete Getreidesorten wie Gerste und Hafer sind um 10 und 15 Prozent gestiegen.

          Dabei war der Preisanstieg von Weizen seit der ersten Julihälfte rapide. Um 22 Prozent hat der Preis seitdem angezogen. Gerste wurde um rund neun Prozent teurer, Hafer allein in den vergangenen zehn Tagen um 13 Prozent.

          Allenthalben schlechte Nachrichten

          Grund sind allenthalben niedrigere Ernteprognosen. Das französische Landwirtschaftsministerium etwa hat erst am Dienstag die Prognose für Hartweizen um 13 Prozent und auch für Mais um 10 Prozent gesenkt. Die Ukraine will mit 8 Millionen Tonnen Mahlweizen 20 Prozent weniger exportieren als im Vorjahr. Dafür wird erwartet, dass China sein aufgrund niedrigeren Ernten entstehendes Defizit an Qualitätsweizen durch höher Importe deckt. All dies hielt allein der Dienstag bereit.

          Die kommende Erntesaison soll die erste in sechs Jahren sein, in der das Angebot niedriger sein wird als die Nachfrage, weil die Produktion dem amerikanischen Landwirtschaftsministerium zufolge auf ein Dreijahrestief fallen wird. Ein drohender El Nino kann die Produktionsprobleme noch schüren.

          Indes sind starke Preisanstiege im Sommer bei Weizen nichts ungewöhnliches. In den vergangenen 13 Jahren gab es sie elfmal, am stärksten 2010, als der Preis innerhalb eines Monats um 33 Prozent nach oben ging. An der Börse Chicago hat Weizen zur Lieferung im Dezember mit aktuell 5,97 Dollar für den Scheffel (Bushel, etwa 27 Kilogramm) das Hoch des Vorjahres von rund 6,20 Dollar noch nicht erreicht. Das gilt ebenso für den Handel in Kansas und Minneapolis.

          Der Preis für europäischen Mahlweizen zur Lieferung im Dezember liegt mit 192 Euro für 50 Tonnen noch unter den Preisen von 2015, ist aber vergleichsweise deutlich teurer geworden. Das gilt allgemein, wenn auf den kurzfristigeren Liefertermin September blickt. Hier haben auch in Amerika die Preise ein Drei-Jahres-Hoch erreicht. In Europa sind es sogar vier Jahre.

          Die höheren Preissteigerungen in Europa liegen an den dort schwierigeren Wetterverhältnissen. Europa werde für den Markt in dieser Sasion keine große Rolle spielen, Louise Gartner, Eigentümerin von Spectrum Commodities in New Richmond der Nachrichtenagentur Bloomberg. Das öffne die Tür für amerikanische Exporte und werde den Markt bis weit in den Frühling stützen.

          Noch größer sind aber die Schwankungen der Preise. Die Schwankungsbreite über 60 Tage erreichte zuletzt für die meisten Terminkontrakte das höchste Niveau seit sechs Jahren. Als etwa die Ukraine niedrigere Exporte ankündigte, stieg der Preis stark. Als die Regierung dann aber sagte, dies sei keine Vorgabe, sondern nur eine Einschätzung gewesen, fiel der Weizenpreis auf das alte Niveau zurück.

          Stefan Vogel, Leiter der Agrarrohstoff-Analyse der Rabobank ist der Ansicht, dass die Prognosen des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums noch zu optimistisch und weit entfernt von der Realität in Europa sein könnten. Jetzt wird mit Spannung auf den nächsten Ausblick am 10. August gewartet. Auch Vogel erwartet, dass die Welt in dieser Erntesaison auf amerikanischen Weizen angewiesen sein wird.

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