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Kapitalmarktausblick 2021 : Helaba und DZ Bank trauen dem Dax 14.000 Punkte zu

Besucher stehen abends in rund 198 Metern Höhe auf der Aussichtsterrasse des Main Towers, der auch die Helaba beherbergt. Bild: dpa

Weil der Staat die Wirtschaft in der Corona-Krise stützt wie nie, spricht Helabas Chefvolkswirtin Gertrud Traud von einer Nanny. Die staatliche Unterstützung treibt die Aktienkurse, aber schwächt eine bekannte Währung.

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          Die ersten Großbanken wagen sich trotz großer Unsicherheit über den Fortgang der Corona-Pandemie mit ihren Kapitalmarktausblicken für das neue Jahr aus der Deckung. Die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba), Spitzeninstitut der Sparkassen, und die DZ Bank, Spitzeninstitut der VR-Banken, erwarten beide, dass der deutsche Aktienindex Dax im Verlauf des Jahres 2021 von derzeit 13.100 auf 14.000 Punkten steigt. Das wäre ein Zuwachs um 7 Prozent und ein neuer Rekordstand.

          Hanno Mußler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Gertrud Traud, die Chef-Volkswirtin der Helaba, trifft für ihre Prognose unterschiedliche Annahmen, entwickelt daraus drei Szenarien und denkt sich dafür regelmäßig geistreiche Namen aus. Mal ging es auf den Rummelplatz, wo die Anleger im Hauptszenario Karussell fuhren; im vergangen Jahr ging es ins Theater, als Hauptaufführung prognostizierte Traud ein „Melodram“. Für 2021 hält sie es für passender, als Leitmotiv keinen Ort zu wählen, sondern eine Person.

          Ihr Hauptszenario hat die Helaba deshalb „Nanny“ genannt als Symbol für den Staat, der in der Corona-Krise und als Ausweg aus der Rezession neue Regeln aufstellt, Kontaktverbote und Maskenpflicht, aber auch viele Hilfsgelder in die Hand nimmt, damit das „Kind wieder zu Kräften kommt“. Dabei wurde die Struktur der europäischen Währungsunion verändert. „Wir sind in der EU auf dem Weg in die Transferunion“, sagt Traud am Dienstag in einer Telefonkonferenz mit kritischem Unterton.

          Staatsschulden schwächen Dollar

          Die Ökonomin gab aber zu, dass die Kapitalmärkte das 900 Milliarden Euro schwere EU-Paket aus Wiederaufbaufonds und Kurzarbeitshilfen begrüßten. „Das Geld schweißt die Eurozone zusammen.“ Negative Begleiterscheinung der Corona-Hilfen sei indes, dass gerade in den Vereinigten Staaten die Staatsverschuldung mit bald 150 Prozent einer Jahreswirtschaftsleistung (BIP) „durch die Decke geht“. Der Euro-Kurs werde deshalb zum Dollar von 1,18 auf 1,25 aufwerten.

          China sei der Krisengewinner schlechthin. Der Containerumschlag dort sei derzeit schon 15 Prozent höher als vor einem Jahr. „Da brummt es“, sagte Traud. Auch in Deutschland sei die Stimmung in der Industrie – anders als im vom zweiten Lockdown in Teilen getroffenen Dienstleistungsgewerbe – „extrem gut“. Deshalb erwartet sie im vierten Quartal keinen BIP-Rückgang, sondern nur eine Pause im Aufschwung, der sich im Jahr 2021 verfestigen werde. Das deutsche BIP werde im kommenden Jahr um 5 Prozent zulegen und im dritten Quartal 2021 das Vorkrisenniveau wieder erreichen.

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          Neben den Zentralbanken gäben auch die Geschäftsbanken – anders als nach der Finanzkrise – durch mehr Kreditvergabe zusätzlich zu den staatlichen Hilfen einen monetären Impuls ab. Dadurch werde die Inflationsrate von derzeit 0 bis minus 1 Prozent Richtung 2 Prozent klettern, erwartet Traud. Der Dax werde von den Unterstützungsmaßnahmen der Staaten und der Notenbanken profitieren. Die DZ Bank sieht das ähnlich. „Nach Rezessionen haben sich deutsche Unternehmen in der Regel schnell erholt. Ihre Gewinne werden spätestens 2023 wieder da sein, wo sie vor der Krise waren“, sagt Christian Kahler, der die Aktienstrategie der genossenschaftlichen Zentralbank leitet.

          Auch wenn Traud in ihrem mit 70 Prozent Eintrittswahrscheinlichkeit versehenen Hauptszenario „Nanny“ mit 5 Prozent BIP-Wachstum für Deutschland im Jahr 2021 eine stärkere Konjunkturerholung unterstellt als die DZ Bank mit 3 Prozent, so hält die Helaba die Risiken, dass es schlechter ausfällt, für größer, als dass es besser kommt. In ihrem „Poltergeist“ getauften Krisenszenario (Eintrittswahrscheinlichkeit 20 Prozent) greifen Pandemie und Unsicherheit noch länger um sich, die Wirtschaft fällt zurück in die Rezession, der Dax rutscht Richtung 10.000 Punkte, und die Krisenwährung Gold steigt statt auf 2000 Dollar im Hauptszenario Richtung 3000 Dollar je Feinunze. Im positiven Überraschungsszenario „Avatar“ (Eintrittswahrscheinlichkeit 10 Prozent) dienen die Hilfsgelder der EU tatsächlich dazu, den technischen Fortschritt zu beschleunigen. Dann könnte der Dax, so Trauds Prognose, 2021 sogar auf 16.000 Punkte steigen.

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