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Gewinnprognose gekappt : Heidelberger Druck schockt Anleger und Investoren

  • Aktualisiert am

Im Stammwerk des Maschinenbauers Heidelberger Druck in Wiesloch, Baden-Württemberg Bild: dpa

Wieder warnt ein namhaftes Unternehmen vor sinkenden Gewinnen. Die Serie von Warnsignalen für die deutsche Konjunktur setzt sich mit „Heideldruck“ fort – der Aktienkurs des Maschinenbauers fällt tief.

          Nun bekommt auch der Druckmaschinenbauer Heidelberger Druck die konjunkturelle Eintrübung in Deutschland zu spüren. Das Unternehmen klagt über zunehmende Investitionszurückhaltung seiner Kunden. Die Aktie des Unternehmens brach in Reaktion auf eine gesenkte Gewinnprognose am Donnerstagvormittag um bis zu 17 Prozent auf gut 1,12 Euro ein.

          In der vergangenen Woche hatten bereits die Dax-Schwergewichte BASF und Daimler ihre Gewinnprognosen gekappt und die Märkte geschockt. Diese Serie von Warnsignalen schürt Angst vor einem breiten Abschwung der deutschen Wirtschaft. Am Donnerstag zogen zudem enttäuschende Quartalszahlen des Softwareunternehmens SAP den Leitindex Dax nach unten.

          Der Dax fiel am Donnerstag um ein Prozent auf 12.223 Punkte, der EuroStoxx50 notierte 0,7 Prozent schwächer bei 3475 Zählern. „Es ist wohl der schlechteste Start in die Berichtssaison am deutschen Aktienmarkt, den man sich hätte vorstellen können“, sagte Jochen Stanzl, Chefanalyst beim Brokerhaus CMC Markets. Den Anlegern an der Frankfurter Börse werde immer stärker bewusst, dass aus der erhofften Erholung des Wirtschaftswachstums in der zweiten Jahreshälfte nichts werde.

          Im Fall Heidelberger Druck verdoppelte sich der Nettoverlust im ersten Geschäftsquartal, das abweichend vom Kalenderjahr am 30. Juni endet, auf rund 31 Millionen Euro. Das hatte das Unternehmen am späten Mittwochabend nach Börsenschluss in Heidelberg gemeldet. Deshalb senkte der Konzern seine Ergebnisprognose für das Geschäftsjahr 2019/20 und rechnet nach Steuern nur noch mit einer schwarzen Null.

          HEID. DRUCK

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          Anfang Juni hatte das Management noch einen Gewinn auf dem Vorjahresniveau von 21 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Der Konzern will nun weitere Kosten sparen und Investitionen überprüfen, um das Ergebnis zu stabilisieren. Das laufende Effizienzprogramm soll fortgeführt werden.

          Insbesondere in Deutschland und in anderen Teilen Europas habe der Konzern im ersten Geschäftsquartal nicht an das Vorjahr anknüpfen können. Umsatz und Auftragseingang gingen zurück. Eine positive Nachfrage im Vertragsgeschäft, das unter anderem Dienstleistungen, Software und den Verkauf von Verbrauchsgütern umfasst, konnte die Schwäche im Maschinengeschäft nicht ausgleichen.

          Der Umsatz sank um 7,2 Prozent auf 502 Millionen Euro, der Auftragseingang nahm trotz einer höheren Nachfrage in China um 7,5 Prozent auf 615 Millionen Euro ab. Der Geschäftsverlauf habe insbesondere zum Ende des Quartals unter der zunehmenden Investitionszurückhaltung und der entsprechenden Umsatzverschiebung aufgrund der konjunkturellen Eintrübung gelitten, hieß es in der Mitteilung. Beim Umsatz rechnet Heideldruck aber weiter mit dem Erreichen des Vorjahresniveaus.

          Der Konkurrent von König & Bauer hat lange Jahre der Restrukturierung hinter sich und setzt auf Verpackungs- und Digitaldruck. Zudem baut der Konzern sein Geschäft mit Dienstleistungen aus. Heidelberger Druck reiht sich nun in die schon lange Liste der Unternehmen ein, die wegen der Abschwächung der Konjunktur, zu der der Handelsstreit mit den USA sowie der drohende Brexit beitragen, ihre Gewinnaussichten senken müssen.

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