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Nach langem Ringen : Hedgefonds-Star an der Spitze von Norwegens Ölfonds

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Der neue Chef des norwegischen Ölfonds, Nicolai Tangen. Links Zentralbankchef Øystein Olsen, der Tangen jetzt „ein Bier schuldet“. Bild: AFP

Wechsel an der Spitze von Norwegens Ölfonds: Die Anstellung des Geschäftsmannes Nicolai Tangen war ein hochpolitisches Tauziehen. Am Ende musste Tangen für seinen Traumjob einen hohen Preis bezahlen.

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          Den größten Staatsfonds der Welt zu verwalten, ist vielleicht nicht für jeden eine attraktive Sache. Für den Finanzmann, Kunstliebhaber und Milliardär Nicolai Tangen ist es das Größte. „Das ist nicht nur mein Traumjob. Das ist mein Traum“, sagte der Mann aus Kristiansand, als die Norwegische Zentralbank (Norges Bank) im März dieses Jahres bekanntgab, dass Tangen ab dem 1. September neuer Chef des sogenannten Ölfonds wird.

          Ein knappes halbes Jahr später sagte der 54-Jährige, die vergangenen Monate seien die intensivsten, anspruchsvollsten, aber auch lehrreichsten gewesen, die er je erlebt habe. Denn die Berufung zum Chefverwalter der norwegischen Ölmilliarden hatte einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Der unterschwellige Vorwurf: Der Geschäftsmann Tangen könnte Profit aus seiner neuen Position schlagen. Ins Kreuzfeuer geriet dabei nicht so sehr Tangen selbst, sondern die Zentralbank, die den Vertrag mit ihm ausgehandelt hatte.

          Der „Staatliche Pensionsfonds Ausland“, wie der Fonds offiziell heißt, soll mit den Einnahmen aus der Öl- und Gasförderung eine Rücklage für zukünftige Generationen bilden. Die Erträge fließen in den Staatshaushalt. Den Wert des Fonds lag zuletzt bei rund 10 Billionen norwegischen Kronen, umgerechnet rund einer Billion Euro. Der Fonds investiert in rund 9200 ausländische Unternehmen.

          Die Zeitung „Aftenposten“ beschreibt Tangen als europäischen Star im Finanzmanagement. Der Ökonom hat an der Prestigeuniversität Wharton in Pennsylvania studiert und außerdem einen Master in Kunstgeschichte aus England.

          2005 gründete Tangen die Verwaltungsgesellschaft AKO Capital. Dieses Unternehmen verwaltet im Auftrag von Kunden in den Vereinigten Staaten und in Europa Hedgefonds, die unter anderem auf den Cayman Islands und in Irland registriert sind. Damit hat Tangen ein persönliches Vermögen aufgebaut, das auf sieben bis zehn Milliarden norwegische Kronen geschätztz wird.

          Vor diesem Hintergrund gab es Kritik. Das Aufsichtsorgan des Parlaments, das die Zentralbank überwacht, fürchtete einen Interessenkonflikt. Dass Tangen seinen Kunden empfahl, ihr Geld in Hedgefonds in Steuerparadiesen anzulegen, ist zwar nicht illegal, machte die Sache aber nicht leichter. In einem Schreiben des Kontrollorgans an den Vorstand der Norges Bank hieß es im Mai: „Zweifel am Arbeitsverhältnis, potentielle Interessenkonflikte und Unsicherheiten in Bezug auf die Einstellung zur Steuerethik könnten anhaltende Herausforderungen darstellen, wenn diese Probleme nicht schnell und klar gelöst werden.“ Während weltweit die Corona-Pandemie die Schlagzeilen beherrschte, diskutierte man in Norwegen, ob ein erfolgreicher Geschäftsmann geeignet ist, einen Posten zu bekleiden, der ethisch und moralisch einwandfrei sein muss.

          „Ein Bier schuldig“

          Tangen hielt einen finanziellen Anteil von 46 Prozent und einen Stimmrechtsanteil von 43 Prozent an AKO Capital. Mit Antritt seines Postens als Chef des Ölfonds sollte sein Anteil am Gewinn an eine Stiftung und das Stimmrecht auf einen norwegischen Anwalt übergehen - so der Plan. Doch damit war das Risiko eines Interessenkonflikts nach Auffassung des Aufsichtsorgans im Parlament nicht gelöst. Dieser Auffassung schloss sich der Finanzausschuss an und die Diskussion wurde hitziger und hitziger. Krisentreffen folgte auf Krisentreffen und es wurde die Forderung laut, sowohl Tangen als auch Zentralbankchef Øystein Olsen, der alles eingefädelt hatte, sollten aufräumen oder zurücktreten.

          Vor einer Woche gaben Tangen und die Norges Bank nach. Nicolai Tangen verkaufte seine kompletten Anteile an der Fondsgesellschaft und überwies die Milliarden an die gemeinnützige AKO-Stiftung. Außerdem kündigte er an, die Verwaltung seiner persönlichen Fondsanlagen zu ändern.

          Damit gaben sich sowohl der Finanzminister als auch eine Mehrheit im Parlament zufrieden. Doch für Tangen rechnet sich die Sache finanziell nicht. Hätte man ihm im Dezember gesagt, dass der Verkauf notwendig ist, hätte er sich wahrscheinlich nicht um den Job beworben, räumte Tangen am Ende ein, betonte aber, dass er jetzt noch motivierter für den Job als Ölfondsmanager sei als zu Beginn dieses Jahres. Auf die Frage, ob er sauer darüber sei, sich von seinem Lebenswerk trennen zu müssen, antwortete Tangen: „Sauer? Nein, aber ich glaube, es ist fair zu sagen, dass Øystein mir ein Bier schuldet.“

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