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Bridgewater-Chef Ray Dalio : Rücksichtslos, superschlau, superreich

Ray Dalio hat ein Kultbuch für Investoren geschrieben. Darin erzählt er, wie er durch kluge Geldanlage ein Vermögen von 16 Milliarden Dollar verdient hat. Bild: Reuters

Ray Dalio ist Chef des führenden Hedgefonds der Welt. Sein Erfolg beruht auf der totalen Kontrolle seiner Angestellten. Jetzt warnt der Bridgewater-Chef vor einem Kurssturz.

          Wer den Absturz der Aktienkurse vorhersagt, macht sich in der Börsenwelt keine Freunde. So jemand gilt schnell als Spielverderber, als skrupellos gar: Verdient er doch womöglich Geld, wenn die Kurse fallen und alle anderen Verluste erleiden.

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Ray Dalio, dem Chef des erfolgreichsten Hedgefonds der Welt, sind solche Bedenken herzlich egal. Bridgewater, so heißt seine Firma, soll in jeder erdenklichen Marktphase Gewinne machen, völlig unabhängig davon, ob die Kurse gerade steigen oder fallen. Das ist der Anspruch jedes Hedgefondsmanagers: Wer schlau genug ist und die richtigen Finanzinstrumente einsetzt, kann immer Geld verdienen.

          Es ist eine Disziplin, in der niemand Ray Dalio etwas vormachen kann. Seit der Gründung seiner Firma im Jahr 1975 haben der heute 68-Jährige und seine Mitarbeiter durch geschickte Geldanlage das Vermögen ihrer Kunden um 50 Milliarden Dollar vermehrt. Nicht einmal der legendäre Investor George Soros kann da mithalten. Mit rund 44 Milliarden Dollar muss er sich Dalio klar geschlagen geben.

          Dalio wettet auf Kurssturz in Europa

          Nie hatte der Bridgewater-Gründer mehr Aufmerksamkeit als in diesen Tagen. Dies hat nicht allein mit dem Erfolg seines Unternehmens zu tun, das im beschaulichen Connecticut vor den Toren New Yorks rund 1500 Mitarbeiter beschäftigt. Sondern mehr mit einer furchterregenden Prognose – und mit einem lesenswerten Buch.

          Um mit dem Furchterregenden zu beginnen: Vor einigen Tagen wurde bekannt, dass Dalio im großen Stil auf einen Kurssturz am europäischen Aktienmarkt wettet. Für die stolze Summe von 22 Milliarden Dollar ist er sogenannte „Short“-Spekulationen eingegangen, an denen der Investor dann verdient, wenn die Kurse sinken. Besonders deutsche Unternehmen hat Dalio im Visier. Die größte Wette läuft gegen Siemens, aber auch der Versicherungskonzern Allianz, BASF und die Deutsche Bank sind auf seiner Liste. In einem Internet-Eintrag erklärt Dalio, woher dieses Misstrauen kommt. Der Hedgefondsmanager glaubt nicht, dass sich Europas Konjunktur so gut entwickeln wird, wie von vielen angenommen: Der hohe Kurs des Euros im Vergleich zum Dollar ist aus seiner Sicht ein Problem für Europas Firmen. Tiefer ins Detail geht Dalio zwar nicht. Aber angesichts seiner beeindruckenden Erfolgsbilanz kann einem bei diesen Aussichten ganz schön Angst und Bange werden.

          Keine wilden Spekulationen

          Nun ließe sich einwenden: Wie oft haben vermeintliche Crash-Propheten schon den Absturz ausgerufen und am Ende doch nicht recht behalten! Doch im Falle von Ray Dalio ist die Sache anders gelagert. Denn zum einen ruft Dalio nie pauschal den Untergang aus, sondern sagt stets sehr konkret, welche spezielle Anlageklasse ihm gerade Sorgen bereitet. Und zum anderen wissen viele Profi-Anleger auf der ganzen Welt sehr genau, auf welch fundierter Basis Dalio üblicherweise zu seinen Schlussfolgerungen kommt.

          Dies hat mit einem Buch zu tun, das der Hedgefondsmanager im Herbst 2017 veröffentlicht hat und das auch in Europas Finanzszene ein Erfolg ist. Viele Fondsmanager verschlingen es regelrecht – ganz so, wie normale Menschen einen spannenden Krimi nicht zur Seite legen können. Der Titel des 567-Seiten-Werkes: „Principles“ (zu Deutsch: Prinzipien; bislang nur auf Englisch im Verlag Simon & Schuster erschienen).

          Fragwürdige Methoden

          Dalio hat darin seine Lebensgeschichte aufgeschrieben, aber auch die Grundsätze, nach denen er seine Firma führt und nach denen er Geld anlegt. Es gibt in der Finanzszene kein vergleichbares Buch. Das erklärt, wie es in so kurzer Zeit Kultstatus erreichen konnte. Denn Dalio erzählt nicht nur spannend, sondern gewährt dem Leser auch eine beispiellose Offenheit: Er beschreibt detailliert, wie man ein Unternehmen wie Bridgewater aufbaut, und empfiehlt dieses Vorgehen ganz unbescheiden auch anderen Gründern zur Nachahmung – mögen sie nun an den Finanzmärkten oder in einer ganz anderen Branche tätig sein. „Ich bin in einer Phase meines Lebens, in der ich lieber anderen dabei helfe, Erfolg zu haben, als selbst noch erfolgreicher zu werden“, schreibt Dalio dazu. Das klingt selbstbewusst, aber auch selbstlos.

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