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Hedgefonds-Kunde Archegos : Credit Suisse und Nomura warnen vor hohen Verlusten

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Die hohen Kursverluste der Aktie von Viacom CBS sind einer der Gründe für die Nöte des Hedgefonds Archegos. Bild: AFP

Ein Hedgefonds bringt als Kunde die Investmentbanken Credit Suisse und Nomura in Bedrängnis. Der dadurch ausgelöste Wertpapiernotverkauf wird die Banken viel Geld kosten. Ihre Aktienkurse fallen am Montag massiv.

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          Die offenkundigen Probleme des Hedgefonds Archegos könnten einigen großen Investmentbanken hohe Verluste zufügen. So warnte die Credit Suisse am Montag vor einem möglichen Verlust durch den Ausstieg aus einem „bedeutenden amerikanischen Hedgefonds“. Der Hedgefonds sei in der vergangenen Woche Aufforderungen, Geld nachzuschießen, nicht nachgekommen, vermeldete die Großbank am Montag.

          Die japanische Nomura bezifferte Forderungen gegenüber einem gleichfalls ungenannten Kunden auf zwei Milliarden Dollar. Die Höhe des Schadens hänge davon ab, zu welchen Konditionen die Geschäfte nun abgewickelt würden. Doch könnte dies dem Vernehmen nach die Bank den gesamten Gewinn des zweiten Halbjahres kosten. Der Kurs der Nomura-Aktie fiel in Tokio am Montag um mehr als 16 Prozent und gab damit die Kursgewinne von sieben Wochen ab. Der Aktienkurs von Credit Suisse verlor am Morgen in der Schweiz knapp 10 Prozent und fiel damit auf den tiefsten Stand seit Ende Dezember.

          Auch wenn Nomura und Credit Suisse den Namen des Fonds nicht nannten, so gilt es als offenes Geheimnis, dass es sich um Archegos Capital Management von Bill Hwang handelt, wobei Archegos nicht nur als Hedgefonds, sondern auch als Family Office bezeichnet wird.

          Credit Suisse und eine Reihe anderer Banken versuchen jetzt, die für Archegos gehaltenen Wertpapierpositionen möglichst schnell zu verkaufen. „Obwohl es zum jetzigen Zeitpunkt noch verfrüht ist, die genaue Höhe des Verlustes zu beziffern, der aus diesem Ausstieg resultiert, könnte er sehr bedeutend und wesentlich für unsere Ergebnisse des ersten Quartals sein“, hieß es von der Credit Suisse. Die Bank stellte weitere Informationen zu gegebener Zeit in Aussicht. Nach einem Bericht der „Financial Times“ könnte es die Schweizer Bank drei bis vier Milliarden Dollar kosten.

          „Noch ein Problemfall“, schrieb Georg Marti, Analyst der Zürcher Kantonalbank in einem Kommentar. Die Quartalsergebnisse würden schon von der Greensill-Affäre überschattet, die Verluste verursacht haben könnte. Jetzt komme noch die Hedge-Fonds-Angelegenheit dazu. Die Verluste haben auch die Schweizer Finanzmarktaufsicht Finma auf den Plan gerufen. Man sei von der Credit Suisse informiert worden und stehe in Kontakt mit dem Institut.

          NOMURA HLDGS

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          Auch Goldman Sachs, Morgan Stanley, die UBS und die Deutsche Bank haben wohl Broker-Leistungen für Archegos erbracht. Für Goldman Sachs seien die Verluste unerheblich, berichtet Bloomberg unter Berufung auf eingeweihte Personen. Die Kredite seien vollständig besichert und Goldman eine der ersten Banken gewesen, die begonnen habe, sich zurückzuziehen. Die meisten Positionen seien schon geschlossen. Für die Deutsche Bank soll Archegos als Kunde nur eine kleinere Rolle gespielt haben. Deren Aktienkurs gab kurzzeitig um mehr als 6 Prozent nach, erholte sich dann aber wieder und lag zuletzt nur noch 4 Prozent unter dem Schlusskurs vom Freitag.  

          Die Nachforderungen der Banken hatten schon am Freitag zum Verkauf von Aktien im Wert von 20 Milliarden Dollar geführt. Morgan Stanley plazierte rund 13 Milliarden Dollar an Aktien von Farfetch, Discovery, Baidu und GSX Techedu, berichtet Bloomberg. Über Goldman Sachs wurden Aktien von Baidu, Tencent Music Entertainment und Vipshop Holdings im Wert von 6,6 Milliarden Dollar verkauft. Dem folgte der Verkauf von Aktien von Viacom CBS und Iqiyi im Volumen von 3,9 Milliarden Dollar. Die Marktkapitalisierung der betroffenen Aktien sank um 35 Milliarden Dollar.

          Die Kurse all dieser Aktien standen zum Teil schon länger stark unter Druck. Viacom CBS verloren seit der Ankündigung einer Kapitalerhöhung vor rund einer Woche mehr als 50 Prozent. Tencent Music Entertainment, deren Kurs am Donnerstag um um ein Drittel abstürzte, wollen jetzt Aktien im Wert von rund eine Milliarde Dollar zurückkaufen.

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          2012 war Hwang schon in einen Skandal um Insiderhandel verwickelt. Derzeit wird die Frage diskutiert, wieso ihm die Banken so viel Kredit gewährt hätten. Allerdings habe Hwang sehr viel gehandelt und sei damit ein profitabler Kunde gewesen. Bevorzugt sei das über Swaps geschehen, die Archegos nicht habe offenlegen müssen. Transparenz sei sowieso nicht das Markenzeichen von Hwang gewesen, heißt es von Bloomberg.

          Auch wenn die Frage gestellt wird, ob sich hinter den Nöten von Archegos ein größeres Problem verbergen könnte, zeigen sich die Börsen am Montag nicht über die Maßen besorgt. Der japanische Nikkei Index und der chinesische CSI-300 schlossen im Plus, und auch der F.A.Z.-Index zeigt sich gut behauptet.

          Die Reaktion sei aktuell ziemlich gedämpft, sagte Matt Maley, leitender Marktstratege von Miller Tabak. Allerdings sei der Fremdkapitaleinsatz im System auf Rekordhöhe und es gäbe viele „bedrängte Transaktionen“. Müssten noch mehr kreditfinanzierte Transaktionen abgebaut werden, könnten „die Dinge etwas hässlich“ werden.

          Nichtsdestoweniger warnen einige Experten, das trotz hohen Handelsvolumens Liquidität immer ein Problem sein können, wenn Sie besonders dringend gebraucht werde. Die aktuellen Entwicklungen könnten die Volatilität an den Märkten weiter erhöhen.

          Wenn ein Fonds platze, sei das in sich kein systemisches Risiko, sondern mehr ein Fall fragwürdigen internen Risikomanagements, schreibt Neil Wilson, leitender Marktanalyst von markets.com. Archegos sei massiv gehebelt und seine Investments offenbar zu stark in ein paar risikoreichen Aktien konzentriert gewesen. Was man indes sehe, seien immer mehr ungewöhnliche Handelsaktivitäten in einigen Aktien. Immerhin seien die Kurse von Viacom CBS und Discovery bis zu ihrem Absturz in diesem Jahr um 170 und 150 Prozent gestiegen. Das Ganze sei vor allem ein Problem und ein Symptom überschüssiger Liquidität. Und man fragt sich nach dem Greensill-Fiasko, was der neuerliche Fall über das Risiko Management der Credit Suisse aussage.

          Die Kurse einiger Aktien, die am Freitag verkauft wurden, hatten schon am Ende der Sitzung wieder zugelegt. Nichtsdestoweniger wird die Eröffnung der Wall Street mit mehr Spannung erwartet als üblich.

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