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Yuan-Abwertung : Wer treibt hier wen?

Wie viel ist der Yuan wert? Bild: Reuters

Die Vereinigten Staaten werfen China im Handelskonflikt vor, den Wechselkurs der Landeswährung Yuan zu manipulieren. Der Blick auf die Daten zeigt: So einfach ist es nicht.

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          Die amerikanische Regierung schäumt. China manipuliere den Wechselkurs zum Dollar, lautet der Vorwurf, nachdem die Amerikaner in Person von Twitter-Präsident Donald Trump neue Strafzölle angedroht hatten. Der Mittwoch dürfte wohl einen neuen Wutanfall auslösen, hat doch die People’s Bank of China (PBOC), Chinas Notenbank, den Referenzkurs für den Yuan mit 6,9996 Dollar angesetzt und damit deutlich niedriger als noch am Vortag, als eine Festlegung auf 6,9683 Yuan noch für eine Erholung der Aktienkurse an Wall Street gesorgt hatte. Es sehe so aus, als wolle die Notenbank mit diesem Schritt ein Signal senden, dass sie die Lage im Griff habe, hieß es da noch.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Nun also eine neuerliche Abwertung, die den Kurs des Yuan in China selbst (Onshore) auf 7,0475 Yuan und außerhalb (Offshore) auf 7,0823 Yuan für den Dollar sinken lässt. Beides sind neue Tiefstände für den Yuan seit China dessen Kurs in einer Bandbreite von derzeit 2 Prozent um den Referenzkurs pendeln lässt.

          Doch die Frage ist, inwieweit die PBOC hier tatsächlich Treiber einer Abwertung ist oder nicht etwa dem Markt folgt. Denn schließlich darf der Yuan auch fester notieren als es der Referenzkurs vorgibt, könnte also auch bis auf rund 6,86 Yuan für den Dollar aufwerten. Das ist natürlich extrem unwahrscheinlich, wenn die Zentralbank eine Abwertung von rund 0,5 Prozent vorgibt. Insofern beeinflusst die Entscheidung der PBOC den Wechselkurs.

          Die Frage ist aber die nach der Motivation. Die Bank hat erst vor einigen Tagen begonnen, abzuwerten, was man als politische Maßnahme verstehen kann. Allerdings besteht der Abwertungsdruck schon länger. Anfang Mai begannen die On- und Offshore-Kurse des Yuan deutlicher als zuvor vom Referenzkurs deutlicher abzuweichen. Die PBOC reagierte auch seinerzeit schon mit einer Abwertung von 6,7344 Yuan bis auf 6,9023 Yuan, ohne dass es in derselben Weise wie heute Manipulationsvorwürfe gegeben hätte. Von Mitte Mai bis Mitte Juni hielt sie dann den Kurs konstant, ohne dass der Abwertungsdruck nachgelassen hätte. Dann verringerte der Abwertungsdruck.

          Man kann das auch so interpretieren, dass die PBOC hier dem Marktdruck folgt. Denn vergleicht man die Entwicklung des Offshore- und des Referenzkurses seit Anfang Mai, so stellt man fest, dass ersterer erst am Freitag, dem 2. August, jäh nach unten abzuweichen beginnt, nämlich um 1 Prozent, mithin die stärkste Abweichung seit dem 13. Mai, ähnlich nur weniger deutlich der Onshore-Kurs. Die Abwertung durch die PBOC am 2. August aber fällt moderat aus und ist nicht höher als etwa neun Tage davor. Erst am darauffolgenden Montag vollzieht die chinesische Zentralbank eine verhältnismäßig deutliche Abwertung, die stärkste seit dem 12. Februar.

          Letztlich ist keineswegs klar, ob also hier Marktkräfte wirken oder der Yuan im Handelskonflikt geschwächt werden soll. Klar ist, dass die jüngste Verschärfung des Tons im Handelskonflikt die Marktteilnehmer davon ausgehen lässt, dass die chinesische Exportwirtschaft leiden wird. Daher geht man von schwächeren Außenhandelsdaten aus und rechnet mit einer Abwertung. Dass die PBOC und Chinas Führung die Entwicklung vielleicht so ungern nicht sehen und nur allzu bereit sein könnten, dieser Einschätzung zu folgen, ist eine andere Sache.

          Auch Claudia Calich, Rentenfondsmanagerin bei der britischen M&G Investments, sieht auf Basis der vorliegenden Daten keine Rechtfertigung dafür, China ausgerechnet jetzt als Manipulator bezeichnen zu können. Die Abwertung habe vielmehr in etwa der anderer asiatischer Währungen entsprochen. Wenn überhaupt, sei der Yuan bis vor kurzem sogar weniger abgewertet worden als die Währungen der Nachbarländer. Selbst das amerikanische Finanzministerium habe erst im Mai Daten vorgelegt, wonach China während der vergangenen zwölf Monate nur selten wesentlich in den Wechselkurs eingegriffen hat.

          Jean-Jacques Durand, leitender Fondsmanager bei Edmond de Rothschild  meint, dass sowohl in Washington als auch in Peking innenpolitische Überlegungen und nationalistische Impulse die Tagesordnung bestimmten, mit dem Ziel, Unterstützung zu gewinnen und die eigene Macht zu festigen. „Es ist offensichtlich, dass China die Opferrolle gerne einnimmt, was innerhalb eines großen Teils der Bevölkerung zu funktionieren scheint. Das verspricht nichts Gutes für ein kurzfristiges Ende der Konfrontation.“

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