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Baumwollpreis : Kein T-Shirt mehr aus China

Baumwollanbau in Afghanistan Bild: dpa

Der Handelskonflikt belastet auch den Rohstoffmarkt. Nirgends zeigte sich das zuletzt so deutlich wie bei Baumwolle. Wenn China keine T-Shirts mehr exportiert, braucht es auch keine Baumwolle.

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          Die Bewegungen der Rohstoffpreise werden schon seit einigen Jahren zu einem Großteil von der chinesischen Konjunktur bestimmt. Der Handelskonflikt oder besser das Ringen um Dominanz zwischen China und den Vereinigten Staaten trägt derzeit nicht dazu bei, ein gutes Klima zu schaffen. Noch zeigt sich das am Rohstoffmarkt nicht auf breiter Front. Zwar steht etwa die Notierung für Aluminium auf einem 16-Monats- und für Zink sogar auf einem 32-Monats-Tief, doch andererseits ist Nickel gefragt.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Notierungen landwirtschaftlicher Rohstoffe laufen mehrheitlich seitwärts. Eine Ausnahme ist allerdings Baumwolle. Derzeit kämpft der Preis bei 59 Cents für das englische Pfund darum, nicht auf ein Zehn-Jahres-Tief zu fallen.

          Anfang der Woche erhält die Notierung dadurch einen weiteren Dämpfer, als die chinesische Regierung ankündigte, keine amerikanischen Agrarprodukte mehr kaufen zu wollen. Der Handelskonflikt belastet die Geschäfte schon längere Zeit. Zum einen warten chinesische Unternehmen ab, zum anderen seien schon vereinbarte Geschäfte aufgrund der fallenden Preise nicht mehr abgeschlossen worden.

          Doch auch ohne das Quasi-Embargo Chinas belastet der Handelskonflikt den Baumwollmarkt. Denn die amerikanischen Strafzölle drücken auf die Nachfrage nach chinesischen Textilprodukten bis dahin, dass es keine mehr gibt, meinen etwa die Analysten der Commerzbank. Das wiederum senkt die Nachfrage nach amerikanischer Baumwolle. Zu allem Überfluss sind zuletzt die Prognosen für die Lagerbestände an Baumwolle um knapp 5 Prozent auf 6,7 Millionen Ballen (500 englische Pfund) gestiegen.

          Indes sind diese Entwicklungen langfristig betrachtet bisher nicht außergewöhnlich. Seit einem Preisanstieg im Jahr 1973 schwankt der Baumwollpreis im Wesentliche zwischen 50 Cents und einem Dollar für das Pfund. Bisweilen fällt er bis auf 40 Cents, selten (Ende der Achtziger und in den frühen 2000er Jahren) noch darunter. Noch weniger oft kostet das Pfund Baumwolle mehr als einen Dollar. Das war zuletzt 2011 der Fall, als der Preis bis auf 2,15 Dollar stieg.

          Damals hatten die Einzelhändler im Zuge der Finanzkrise ihre Lager geräumt. Als die Nachfrage wieder ansprang, wurden sie von der Dynamik überrascht und versuchten wieder aufzustocken. Das führte zur Furcht, es könne kein Angebot übrig bleiben, zumal in den Jahren davor landwirtschaftliche Flächen für den Anbau von Mais, Weizen oder Soja umgewidmet worden waren. Exportbeschränkungen Indiens taten ihr Übriges.

          Bis 2016 war der Preis wieder unter 60 Cents gefallen und sich bis Jahresbeginn wieder auf fast einen Dollar erholt. Nun also drückt der Handelskonflikt auf den Preis, aber letztlich ist es ein ganz normales zyklisches Muster, das sich im Wesentlichen seit 45 Jahren wiederholt.

          Das gibt auch Marktteilnehmern Hoffnung, dass es bald wieder aufwärts geht. Dafür gibt es auch fundamentale Gründe. So geht etwa die Commerzbank davon aus, dass sich die Textilproduktion in andere asiatische Länder verlagern kann. In Indien sind Baumwollfelder vom Roten Baumwollkapselwurm befallen worden. Analysten schätzen, dass 5 Prozent der Ernte betroffen sein könnten.

          Auch am Derivatemarkt ist ein leichtes Umdenken zu verzeichnen. In der letzten Juliwoche fielen die Leerverkaufspositionen deutlich stärker als die Kaufpositionen, wenngleich sie immer noch zweieinhalb Mal so hoch sind.

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