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Aktien im Handelskrieg : Keine Angst vor Trump!

Nahrungsmittelhersteller gehören dazu

Da ist zum Beispiel der Technologiekonzern Qiagen. Der Tec-Dax-Konzern ist führend in der medizinischen Diagnostik, bringt in schöner Regelmäßigkeit neue Produkte auf den Markt und steigert so relativ unabhängig von der Konjunktur seine Erlöse. Bis 2020 kalkuliert Qiagen mit einem Umsatzplus zwischen sieben und neun Prozent im Jahr. „Qiagen profitiert von dem Megatrend der alternden Bevölkerung und dem Wunsch nach mehr medizinischer Diagnostik“, sagt Engelbrechten.

Ein anderes deutsches Technologieunternehmen, dem ein globaler Handelsstreit wenig anhaben kann, ist Scout24. Der Betreiber von ImmobilienScout24 und AutoScout24 ist vor allem in Deutschland, aber auch in einigen europäischen Ländern aktiv und hat seine Umsätze 2018 um 13 Prozent gesteigert. Im laufenden Jahr soll das Plus sogar bis zu 17 Prozent betragen. Das starke Wachstum, auch dank der Übernahme des Vergleichsportals Finanzcheck.de, war angesichts der gescheiterten Übernahme des M-Dax-Konzers durch die Finanzinvestoren Hellman&Friedman und Blackstone Mitte Mai vorübergehend in den Hintergrund getreten. An Scout24 kommt laut Engelbrechten kaum jemand vorbei, „der eine Wohnung oder ein Haus sucht, was hohe und steigende Gewinne mit sich bringt“.

Auch Benjardin Gärtner, Leiter des Aktienfondsmanagements der Fondsgesellschaft Union Investment, hält defensive Aktien für am besten geeignet, dem Handelskrieg halbwegs schadlos zu entgehen. Dazu zählt er europäische Immobilienunternehmen wie Vonovia, die nicht so sehr von der Enteignungsdebatte wie die Deutsche Wohnen in Berlin betroffen sind. Oder Stromversorger wie RWE oder Eon. Auch Nahrungsmittelhersteller wie Nestlé gehören dazu. Und das erfolgreiche, aber weitgehend unbekannte M-Dax-Unternehmen Symrise, ein weltweit aktiver Hersteller von Duftstoffen für Kosmetik- und Nahrungsmittelprodukte. Solche Stoffe haben einen geringen Anteil an den Gesamtkosten von Kosmetikprodukten, weswegen auch Zölle darauf das Geschäft nicht stark beeinträchtigen sollten.

Defensive Aktien

Gärtner sieht auch Unternehmen im Vorteil, die Software für die Digitalisierung der Wirtschaft liefern, zum Beispiel die amerikanischen Firmen Salesforce, Microsoft, Amazon, Alphabet (Google) oder die deutsche SAP. Denn an Ausgaben für dieses Zukunftsthema sparten die Firmen als Letztes, selbst wenn sie mit Zöllen belegt würden. Und in China sind viele von ihnen ohnehin kaum aktiv.

Pharma- und Gesundheitsaktien sind ebenfalls defensive Aktien. Sie könnten aber unter dem Streben Trumps leiden, die Gesundheitskosten in Amerika zu reduzieren. Das könnte zum Beispiel den Dax-Wert Fresenius Medical Care treffen.

Es gibt auch Papiere, die zwar dem Handelskrieg trotzen, die man aber trotzdem nicht unbedingt kaufen sollte. Dazu gehören zum Beispiel Telekomaktien. Sie haben gerade stark mit den Folgen eines harten Preiswettbewerbs und hoher Investitionen zum Beispiel für die schnellen 5G-Handynetze zu kämpfen.

Auch Konsumwerte wie Henkel, Beiersdorf oder Adidas sind von Zöllen nicht so stark getroffen. Allerdings könnten sie Probleme bekommen, wenn der Handelskrieg so stark eskaliert, dass die gesamte Wirtschaft in Mitleidenschaft gezogen wird und dadurch die Arbeitslosigkeit steigt. Dann würde auch die Konsumlaune stark eingetrübt. Solch einem Negativszenario könnten sich allenfalls Wohn- und Versorgeraktien entziehen.

Vorsicht sollten Anleger in Amerika walten lassen. Die Wette auf die vermeintlichen Profiteure, die von Trumps Zöllen vor Konkurrenz geschützt werden sollen, ging bisher nicht auf. Der Aktienkurs des amerikanischen Aluminiumgiganten Alcoa hat sich seit Einführung der Zölle mehr als halbiert. Auch die Aktie des Waschmaschinenherstellers Whirlpool stürzte kräftig ab.

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