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Handelskonflikt : Der Schrecken klingt wieder ab

Werden Anleger auch an Wall Street erleichtert auflachen können? Bild: AP

Am Montag gingen die amerikanischen Anleger auf Nummer sicher. Was unter einem eskalierenden transpazifischen Handelskonflikt leiden könnte, wurde verkauft: Apple und Boeing. Am Dienstag hat sich alles wieder beruhigt. Vorerst.

          Die Eskalation des amerikanisch-chinesischen Handelskonflikt versetzte am Montagabend die Anleger an den amerikanischen Aktienmärkten in Aufregung. Der breit gefasste S&P-500-Index fiel um 2,41 Prozent auf 2811,87 Zähler. Es war nach Punkten der 15-stärkste Rückgang des Index an einem Tag. Prozentual aber war es nur Platz 218.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Härter traf es den Nasdaq-100-Index, der zu etwa der Hälfte aus Aktien der Technologiebranche besteht. Dieser fiel um 3,5 Prozent auf 7324 Punkte ab. Damit endete der Index mit dem höchsten Tagesminus seit Anfang Dezember.

          Vor allem zyklische Werte wurden verkauft. „Darin spiegelt sich die Angst der Anleger wider, dass der Handelsstreit bald tiefere Kerben in der Weltwirtschaft hinterlässt“, sagte Analyst Jochen Stanzl von CMC Markets. An den Börsen werde derzeit eine weitere Abkühlung des Wachstums einkalkuliert. „Donald Trump tut so, als seien Zollmehreinnahmen Nettogewinne. Nichts könnte weiter von der Realität entfernt sein“, so Stanzl.

          Die Kurse von Apple, Boeing oder des Baumaschinen-Konzerns Caterpillar litten mit Kursverlusten von 5 bis 6 Prozent vergleichsweise stark. Die betroffenen Unternehmen machen in besonders großem Umfang Geschäfte mit China.

          China hat am Montag angekündigt, ab dem 1. Juni die Zölle auf amerikanische Waren im Wert von 60 Milliarden Dollar anzuheben. Je nach Produkt gelten dann Zölle von bis zu 25  Prozent. Dies sei als Antwort auf entsprechende Entscheidungen der amerikanischen -Administration zu verstehen. Die Analysten von HSBC Global Research gehen davon aus, dass das Wachstum Chinas in den kommenden zwölf Monaten um gut 0,4 Prozentpunkte niedriger ausfallen wird. Ein angedrohter amerikanischer Zollsatz von 25 Prozent auf bisher unverzollte Produkte im Gegenwert von zusätzlichen 325 Milliarden Dollar würde die Wirtschaftsleistung der Volksrepublik wohl um weitere 1,2 Prozentpunkte abbremsen.

          Die Vergeltungsmaßnahmen der chinesischen Regierung hätten zu einer „Risk off“-Stimmung an den internationalen Finanzmärkten geführt. So seien die Kurse amerikanischer Staatsanleihen kräftig gestiegen. Die Rendite 10-jähriger amerikanischen Schatzanweisungen fiel mit rund 2,4 Prozent auf den niedrigsten Stand seit Ende März. Zum Jahresende 2019 rechnet HSBC sogar nur noch mit einer Rendite von 2,1 Prozent.

          China sei der Wachstumstreiber der weltweiten Wirtschaft, meint HSBC-Chefanlagestratege Axel Cron. Ein solcher Einbruch würde auch auf die Weltkonjunktur durchschlagen, für die sich zuletzt die Stabilisierungszeichen gemehrt hätten. China könnte allerdings notfalls geld- und fiskalpolitisch gegensteuern.

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          Am Dienstag indes legt sich die „Risk-Off“-Stimmung wieder. Schon im asiatischen Handel wurden die starken Kursverluste an Wall Street nicht nachvollzogen. Der japanische Nikkei-Index fiel um 0,6 Prozent auf 21.067 Punkte. Der Hongkonger Hang-Seng-Index schloss 1,5 Prozent tiefer bei 28.122 Zählern. Der CSI 300 mit den 300 wichtigsten Werten an den chinesischen Festlandbörsen hingegen verlor wie der Nikkei 0,6 Prozent auf 3645 Stellen.

          Ausschlaggebend waren die jüngsten Äußerungen von Amerikas Präsident Trump, der sich zuversichtlich zeigte, dass es eine Einigung geben werde. Dies führte auch zu einer kurzen Aufwertung des Yuan, der gegenüber dem Dollar in diesem Monat von rund 6,73 Yuan auf aktuell 6,91 Yuan deutlich abgewertet hat. Die neuen Verkäufe erfolgten zur Absicherung gegen mögliche weitere Nachrichten aus den Verhandlungen, sagte Gao Qi, Währungsstratege bei der Scotiabank der Nachrichtenagentur Bloomberg. Die chinesische Zentralbank werde den Kurs aber unter 7 Yuan für den Dollar halten wollen, um einen Teufelskreis von Kapitalabflüssen und Abwertung zu vermeiden, heißt es laut Bloomberg von Macquarie Securities.

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