https://www.faz.net/-gv6-9roqd

Hamburger Privatbank : Rambazamba bei Berenberg

Der mächtigste Berenbanker: Hendrik Riehmer Bild: Helmut Fricke

Hendrik Riehmer hat Berenberg in eine aggressive Investmentbank verwandelt. Seine nassforsche Art stößt einige vor den Kopf.

          5 Min.

          Einfach mal einen Spruch hinaushauen, das macht Hendrik Riehmer großen Spaß. Privatbanker sind normalerweise vorsichtige, abwägende Menschen. Doch der persönlich haftende Gesellschafter des altehrwürdigen Hamburger Bankhauses Berenberg, gegründet 1590, hält mit seiner Meinung nie hinterm Berg. Dabei verschont er niemanden, weder die Konkurrenz noch sich selbst.

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Zum Konzernumbau der Deutschen Bank fällt ihm ein: „Ich kann mir nicht vorstellen, wie die Kollegen in Zukunft noch ein Geschäft mit Börsengängen machen wollen.“ In einer Branche, die höchstens im stillen Kämmerlein über die Konkurrenten lästert, ist eine solche Stichelei ein Affront. Aber genauso offen räsoniert er über das eigene Geschäft, natürlich im besten Investmentbanker-Slang: „In Q4 hatten wir eine Super-Pipeline, ich will gar nicht sagen, wie groß die war. Und am Ende quasi null Geschäft.“ Soll heißen: Im vierten Quartal des vergangenen Jahres hatte Berenberg eigentlich damit gerechnet, viele Unternehmen an die Börse zu bringen. Doch weil die Aktienkurse damals deutlich fielen, traute sich am Ende kaum jemand an den Markt. Ein Schicksal, das auch andere Banken Ende 2018 in ähnlicher Weise traf.

          Dabei handelt es sich allerdings um die großen Investmentbanken à la Goldman Sachs & Co. Wie kann es sein, dass mit Berenberg ausgerechnet Deutschlands älteste Privatbank auch von der Entwicklung betroffen ist? Besteht doch das Geschäft solcher Banken üblicherweise in der verschwiegenen Beratung reicher Kunden. Die Antwort auf diese Frage lautet:

          Hendrik Riehmer. In nur wenigen Jahren hat Riehmer gemeinsam mit seinem Kompagnon Hans-Walter Peters Berenberg vollständig umgekrempelt. Die Rollenaufteilung funktioniert dabei so: Peters, der Öffentlichkeit bekannt als Präsident des Bankenverbandes, spielt nach außen die Rolle des nachdenklichen Mahners, er mimt den klassischen Privatbankier. Aber nach innen hat vor allem der dynamische Riehmer das Sagen, er hat aus Berenberg eine aggressive Investmentbank gemacht. Die Ölgemälde an den Wänden, die an frühere Zeiten erinnern, sind nur noch Staffage. „Alte Schinken“ nennt sie Riehmer, der damit erkennbar nichts anfangen kann.

          Der mächtigste Mann bei Berenberg

          Dem 51-Jährigen ist in den vergangenen Jahren etwas gelungen, was unwahrscheinlicher nicht sein konnte: Er hat es mit seiner direkten, unverstellten Art nach ganz oben geschafft. Da sein Kompagnon Peters nächstes Jahr in den Ruhestand geht, ist Riehmer schon jetzt der mächtigste Mann bei Berenberg. Den Hamburger treibt eine Grundnervosität an, die ihresgleichen sucht. Viele Sätze spricht er nicht zu Ende, oft hängt er an seine Aussagen mit norddeutschem Zungenschlag ein „weißt du?“ an. Riehmer sagt von sich selbst, er habe eine kurze „Attention span“. „Ich habe nicht viel Geduld. Früher war das nicht unbedingt sozialverträglich, da ist das Alter hilfreich.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Impeachment-Verfahren im Senat : Scheitern mit Ansage

          Gut zwölf Stunden dauerte der erste Tag des Prozesses gegen Donald Trump im Senat. Dabei ging es nur um die Verfahrensregeln. Die Demokraten stellten lauter Änderungsanträge. Die Republikaner schmetterten alles ab.
          Löst das Welthunger-Problem auch nicht: Ein als Ronald McDonald verkleideter Demonstrant fordert an Eröffnungstag des Weltwirtschaftsforums in Davos, „Eat the Rich“.

          Alles Öko? : Tage der Moralisten

          „Öko“ regiert Davos und die Grüne Woche: Alle ächzen unter der moralischen Last der Bewegung, nicht einmal die Biobauern atmen auf. Denn wer die Welt ernähren will, hat es schwer, die höchsten ethischen Standards zu erfüllen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.