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Schicks Mitstreiter : Bändigt die Banken!

Gerhard Schick (Bündnis 90/Die Grünen), scheidendes Mitglied des Deutschen Bundestages. Bild: dpa

Der Grünen-Politiker Gerhard Schick verlässt die Politik und will eine Bürgerbewegung lostreten. Sein Vorbild ist die Deutsche Umwelthilfe.

          Es ist schon spät, als am 13. Dezember Gerhard Schick ans Rednerpult des Deutschen Bundestags tritt. Man merkt ihm an, dass ihm jede Minute kostbar ist: Es ist seine letzte Rede im Parlament. Andere würden in solchen Momenten vielleicht sentimental werden, doch der grüne Finanzpolitiker versagt sich das. Er konzentriert sich ganz auf die Sache: Es geht um sein Lieblingsthema, die Finanzwelt.

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Nur als einer aus den Reihen des Plenums lachend ruft: „Hoffentlich wird es eine versöhnliche Rede“, schmunzelt Schick kurz, um dann allen Anwesenden noch einmal einen mitzugeben. „Die Macht der Finanzbranche ist ungebrochen. Aber es ist nicht die Schuld der Finanzindustrie, wenn ihre Vorschläge teilweise wortgleich in den Gesetzestext übernommen wurden. Das hätte dieses Haus verhindern müssen.“ Am Ende gibt es trotzdem von allen Seiten Applaus, und zumindest die gefühlige Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth bekommt feuchte Augen.

          Schick ist zwar ein altgedienter Parlamentarier, seit 2005 gehört er dem Bundestag an. Aber er ist gerade einmal 46 Jahre alt und zählt zu den prominenteren Köpfen seiner Fraktion. Da einfach in der Mitte der Legislaturperiode zu gehen erfordert Mut, wie ihm Abgeordnete aller Parteien bestätigen. Denn Schick nimmt nicht etwa einen gutbezahlten Posten in einem Verband an, wie es im Berliner Politikbetrieb häufiger vorkommt. Nein, er wird zunächst einmal ehrenamtlich arbeiten, ohne jedes Gehalt – als Vorstand eines gerade gegründeten Vereins mit dem Namen „Bürgerbewegung Finanzwende“. Wieso lässt sich der Mann auf dieses Wagnis ein?

          Ganz einfach: Schick, der ausgebildete Ökonom, ist überzeugt davon, eine Marktlücke entdeckt zu haben. „Es gibt in der deutschen Zivilgesellschaft keine Nichtregierungsorganisation, die sich mit den Finanzmärkten als solchen beschäftigt. Sie ist aber nötig.“ Er will ein Gefühl aufgreifen, das in der Gesellschaft weit verbreitet ist. Es lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Mit dem Finanzkapitalismus, mit Banken und Märkten, stimmt etwas nicht. Dieses Gefühl eint viele Schichten und Berufe, gerade die Deutschen stehen der Finanzwelt häufig skeptisch gegenüber.

          Ist diese Welt wirklich so bösartig?

          Aber ist diese Welt wirklich so bösartig? Oder sind Finanzmärkte und Banken nicht wichtige Institutionen, die uns im Idealfall helfen, unseren Wohlstand zu vermehren? Diese Grundidee würde Schick nie in Abrede stellen. Er ist viel zu intelligent, um nur um der Polemik willen bei jeder sich bietenden Gelegenheit gegen die Finanzbranche zu wettern. Stattdessen schaut er genau hin, differenziert. „Es gibt sehr anständige Banker, über deren Tisch bestimmte problematische Finanzprodukte einfach nicht verkauft werden. Aber es gibt eben leider auch die anderen.“

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