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Großaktionäre verkaufen : Alzchem-Kurs fällt um ein Viertel

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„Für einen gesunden Boden und gesunde Pflanzen“ - Dünger Perlka von Alzchem Bild: Unternehmen

Die Großaktionäre des Spezialchemie-Unternehmens Alzchem haben ein Jahr nach dem Börsengang massiv Aktien verkauft. Dem Kurs tat das nicht gut.

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          Der Mittwoch hat den Aktionären des Spezialchemie-Unternehmens Alzchem eine böse Überraschung beschert. Um 27 Prozent fällt der Kurs auf 2,26 Euro und damit den tiefsten Stand seit dem Börsengang über den Mantel der Softmatic AG vor rund einem Jahr.

          Anlass dürfte eine Privatplazierung von Aktien sein. Die Die Großaktionäre Livia, HDI Vier CE und Four Two Na verkauften insgesamt mehr als 20 Millionen Aktien an ungenannte institutionelle Investoren – immerhin 20,1 Prozent des Grundkapitals. Angekündigt worden war der Schritt vor einem Monat unter der Absicht, „den Streubesitz der Alzchem Group AG deutlich zu erhöhen“. Das ist nun gelungen, denn dieser ist von nur ungefähr 1,2 Prozent auf mehr als 20 Prozent gestiegen.

          Was den Aktionären indes wohl nicht zusagte, war dass diese als Umplazierung bezeichnete Maßnahme fast genau ein Jahr nach dem Börsengang und damit praktisch taggenau mit dem Ende der Frist geschah, für die sich die Großaktionäre verpflichtet hatten, ihre Aktien zu halten. Einen guten Eindruck macht das nicht. Vor einem Monat war auch das Volumen nicht bekannt gegeben worden

          ALZCHEM GROUP AG INH O.N.

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          Es ist nicht die erste Ruckeligkeit im Börsenleben von Alzchem. Im Februar 2017 war der geplante Börsengang abgeblasen worden, der dem Unternehmen hätte zwischen 40 und 54 Millionen Euro einbringen sollen.

          Im September 2017 dann versuchte man es ein zweites Mal, diesmal über den Mantel der Softmatic. Die Emission war aber offenbar wenig attraktiv, und so betrug der Emissionserlös am Ende nur 2,6 Millionen Euro. Während der Bezugsfrist war der Kurs der Softmatic-Aktie kurzzeitig von 2,34 bis auf fast 14 Euro gestiegen – ein Niveau, das die Aktie zuletzt 2002 vor dem Konkursantrag des Vorgänger-Unternehmens erreicht hatte.

          Alzchem residiert in Trostberg. Altgediente Börsianer kennen das Unternehmen noch unter dem Namen SKW Trostberg, die von 1995 bis 2001 schon einmal an der Börse notiert war. Später war das damals breit aufgestellte Chemie-Unternehmen mit Degussa-Hüls verschmolzen und verkauft und aus der Metallurgiesparte entstand die seit 2006 börsennotierte SKW Stahl-Metallurgie.

          Es wurde kein Wertpapier gefunden!

          Diese ist keine Börsen-Erfolgsgeschichte: Kein Jahr lag der Kurs oberhalb des Emissionspreise von 29 Euro, heute ist die Aktie noch 0,8 Prozent des Verkaufspreises wert, nachdem das Unternehmen fast zeitgleich zum Börsengang der Alzchem Insolvenz beantragen musste.

          An beiden Unternehmen ist ein ähnlicher Personenkreis beteiligt. Denn hinter den Großaktionären, die am Mittwoch verkauften, stehen die Finanzinvestoren Peter Löw, Martin Vorderwülbecke und Markus Zöllner, die die ehemalige SKW Trostberg 2009 für knapp 80 Millionen Euro von Evonik übernommen hatten.

          Bei der SKW Stahl-Metallurgie hatten sie als Vorstände und Aufsichtsräte der Beteiligungsgesellschaft Arques den Börsengang initiiert. 2008, also etwa anderthalb Jahre nach dem Börsengang, wurden sie als Aufsichtsräte allerdings nicht mehr wiedergewählt, weil sie eine Zweidrittel-Mehrheit verfehlten, auch wenn sie zum damaligen Zeitpunkt zu Arques keine Verbindungen mehr hatten. Im Fall des nun erfolgten Verkaufs hieß es nun, dass die Mehrheitsaktionäre in diesem Zusammenhang einer 6-monatigen Lock-up-Frist zugestimmt hätten.

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