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Neue Regierung : Bremse für die Griechenland-Rally

Einfach wird das Leben für Kyriakos Mitsotakis als künftiger Ministerpräsident sicher nicht. Bild: dpa

Griechenland bekommt eine neue konservative Regierung. Doch die Marktreaktionen sind nach der jüngsten Rally verhalten. Bei Anleihen scheint noch etwas drin zu sein.

          Die konservative Partei Nea Dimokratia (ND) hat die Parlamentswahl in Griechenland gewonnen und darf dank des griechischen Wahlgesetzes, das der stärksten Partei einen Bonus zuerkennt, wohl alleine regieren.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Wahlsieger Kyriakos Mitsotakis hatte während des Wahlkampfes viel versprochen: Weniger Steuern, viele Investitionen, neue Arbeitsplätze, größeres Wachstum, höhere Löhne und Renten sowie einen effizienteren Staat.

          Hoffnungsvoll stimmt die Wirtschaft der Umstand, dass Kyriakos Mitsotakis als marktorientierter Fachmann gilt. Konstantinos Mitsotakis, Vater des künftigen Ministerpräsidenten, war seinerseits 1990 als Reformer angetreten und damals an der klientelorientierte Mehrheit in der Partei gescheitert. Schon mit der uneingeschränkten Unterstützung seiner Partei handelt es sich um eine Herkulesaufgabe, unliebsame Strukturreformen durchzusetzen, Investitionen und Wachstum anzukurbeln und dabei auch noch den sozialen Versprechungen gerecht zu werden.

          „Kauf das Gerücht, verkaufe die Tatsachen“

          Diese Einschätzung spiegelt sich auch in der Reaktion auf das Wahlergebnis wider. Der Athener Aktienindex ASE reagierte zunächst volatil und pendelte sich dann auf dem Niveau des Freitags ein. Schon an diesem hatte er im Wesentlichen unverändert notiert. Es handelt sich wohl um einen Fall von „Kauf das Gerücht, verkaufe die Tatsachen“. Denn der ASE war seit Jahresbeginn um 46 Prozent gestiegen, mehr als doppelt so stark wie der amerikanische Aktienindex S&P-500.

          Diesen hatte er vor allem in den vergangenen sechs Wochen abgehängt. Einem Plus von knapp 2 Prozent in New York stehen 25 Prozent in Athen gegenüber. Jetzt ist dieser Höhenflug erst einmal vorbei und es wird abzuwarten sein, welchen Eindruck die künftige Regierung Mitsotakis in den kommenden 100 Tagen machen wird.

          Am Anleihenmarkt war die Reaktion ähnlich, wenngleich zunächst etwas freundlicher. Die Rendite der zehnjährigen griechischen Staatsanleihe fiel erstmals unter 2 Prozent und erreichte mit 1,98 Prozent ein Allzeittief. Doch dies hielt nicht lang. Mit 2,077 Prozent liegt die Rendite zwar immer noch unter dem Freitagsniveau, doch sind die neuerlichen Abschläge mit knapp 6 Basispunkten (0,06 Prozentpunkten) sehr maßvoll.

          Der griechische Aktienmarkt findet kaum Beachtung bei internationalen Analysten. Neben einem passiven Fonds der Boutique Expat Capital mit einem Nettoinventarwert von 200.000 Euro gab es zuletzt noch einen aktiven Fonds von Anodos Asset Management. Der Münchner Vermögensverwalter gab indes im Februar seine Bafin-Lizenz auf, der Fonds mit einem Volumen von zuletzt 11 Millionen Euro wird nun von Oddo BHF verwaltet.

          Was die Renditen der Staatsanleihen betrifft, so gehen die Analysten der Danske Bank davon aus, dass sich diese angesichts einer marktfreundlicheren Regierung innerhalb der kommenden drei bis sechs Monate den der italienischen angleichen werden. Derzeit liegt die der griechischen zehnjährigen Anleihe noch 28 Basispunkte über der der italienischen.

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