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Neue Anleihen : Italien entmutigt Griechenland

Im Streit zwischen Italien und der EU leidet der griechische Finanzminister Euclid Tsakalotos am Meisten. Bild: Reuters

Griechenland muss bis Ende 2019 Schulden von rund 15 Milliarden Euro tilgen. Doch die geplante Rückkehr an die Anleihemärkte wird durch den Konflikt zwischen Italien und der EU zunehmend erschwert.

          Zypern kann eine Anleihe begeben, das traut sich aber Griechenland derzeit nicht. Dafür nennt der griechische Finanzminister Euclid Tsakalotos in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters einen Grund: die Unruhe wegen Italien. Noch kurz vor dem Auslaufen des letzten Hilfsprogramms der Euro-Partner und des Internationalen Währungsfonds (IWF) im August schürte die griechische Regierung die Hoffnung auf eine neue Anleihe. So hatte Tsakalotos im Juli vor Investoren in Boston und New York für die Emission geworben. Doch die neue griechische Staatsanleihe lässt seitdem auf sich warten.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Griechenland bekommt nach den Worten von Tsakalotos die Folgen des Haushaltsstreits zwischen Italien und der EU-Kommission zu spüren. Die geplante Rückkehr seines Landes an die Anleihemärkte werde dadurch „etwas“ erschwert, sagte er in dem Interview. Die Regierung stehe allerdings nicht unter Zeitdruck. Tsakalotos rechnet nun mittelfristig mit einer Begebung, was auch an dem Puffer von 24 Milliarden Euro liegt. Denn Griechenland muss bis Ende 2019 Schulden von rund 15 Milliarden Euro tilgen, wozu dank des Polsters in diesem Zeitraum und darüber hinaus keine neue Schuldenaufnahme erforderlich ist.

          Insgesamt hat das noch immer überschuldete Land Finanzhilfen von 289 Milliarden Euro erhalten. Die Staatsschulden betragen weiterhin 320 Milliarden Euro, was 180 Prozent der wirtschaftlichen Jahresleistung, des Bruttoinlandsproduktes (BIP), entspricht. Zur Erinnerung: Der Referenzwert laut Maastrichter Vertrag liegt bei 60 Prozent.

          Die Investoren fragten fast viermal soviel nach

          Den Konfrontationskurs mit Brüssel hat die populistische italienische Regierung seit ihrem Amtsantritt im Juni begonnen. Mitte September wagte sich Zypern trotz Unruhe an den Märkten an den Anleihemarkt und nahm 1,5 Milliarden Euro auf. Die Investoren fragten fast viermal soviel nach. Im Februar war Griechenland die Emission einer siebenjährigen Anleihe geglückt, was eine wichtige Voraussetzung zur Beendigung des Hilfsprogramms war. Nun soll es erstmals seit dem Jahr 2010 wieder eine zehnjährige Anleihe sein, auf die sich die Anleger aber noch gedulden müssen.

          Mit einer Rendite von 4,2 Prozent in der zehnjährigen Laufzeit ist Griechenland gegenüber Deutschland (0,4 Prozent Rendite) weiterhin attraktiv. Selbst Zypern bietet mit 2,4 Prozent deutlich weniger. Aber die hohe Rendite Griechenlands spiegelt auch das weiterhin vorhandene Risiko wider. Angesichts des sehr hohen Schuldenstands ist es zweifelhaft, ob Griechenland dauerhaft ohne neue Finanzhilfen auskommt. Genauso wenig kann ein neuer Schuldenschnitt ausgeschlossen werden. Im Frühjahr 2012 mussten private Gläubiger wie Banken, Versicherer, Fonds und Kleinanleger auf Forderungen von 107 Milliarden Euro verzichten.

          Diese Gefahren drohen Anlegern nicht, wenn sie ihr Geld dem deutschen Staat anvertrauen. Allerdings erhalten sie dann für Laufzeiten bis Februar 2025 nur eine negative Rendite. Sie zahlen also dafür, dem Bund Geld leihen zu dürfen. Etwas besser schneiden die Anleger ab, wenn sie der staatlichen Förderbank KfW Geld anvertrauen. Am Dienstag begab die KfW eine fünfjährige Anleihe über 5 Milliarden Euro. Der Zinskupon beträgt 0,125 Prozent, was nach Abzug der deutschen Inflationsrate von 2,5 Prozent im Oktober einen deutlich negativen Realzins ergibt. Das bedeutet, die Anleger bekommen am Ende der Laufzeit aufgrund der Geldentwertung weniger raus, als sie vorher investiert haben. Doch das schreckt die Investoren nicht von der KfW ab. Mit 12,2 Milliarden Euro fiel die Nachfrage hoch aus. Die wichtigsten Käufer waren Zentralbanken und andere öffentliche Institutionen, die 34 Prozent der neuen KfW-Anleihe erhielten. Dahinter folgen Vermögensverwalter mit 28 Prozent und Banken mit 25 Prozent.

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