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Scherbaums Börse : Grafikchips für die Zukunftstrends

  • -Aktualisiert am

Bekannt für Grafikchips und mehr: Nvidia - Zentrale im kalifornischen Santa Clara Bild: AFP

Beim jüngsten deutlichen Preisrückgang am Krypto-Markt wurden auch die Boom-Gewinner der zweiten Reihe abgestraft. Ganz vorne mit dabei: der Grafikchip-Hersteller Nvidia. Doch dieser Abgesang dürfte deutlich verfrüht sein.

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          Die moderne Computerwelt wäre ohne die Erfindung des Grafikchips nicht denkbar. Und der Erfinder spielt noch immer eine große Rolle und baut seine Position sogar immer weiter aus. Die Rede ist von Nvidia. Wann immer es zudem um die größten Mainstream-Profiteure des zwischenzeitlichen Krypto-Booms geht, wird auch der amerikanische Spezialist für Grafik-Prozessoren genannt. Groß geworden im Bereich Personal Computer, Server und Spielkonsolen hatte das Unternehmen auch gleich das perfekt passende Angebot parat, als die Krypto-Gemeinde händeringend leistungsstarke Grafikkarten zum sogenannten Mining, dem Schürfen, von digitalen Währungen wie Bitcoins benötigte.

          Zuletzt flachte die Goldgräberstimmung rund um Bitcoin & Co jedoch ab. Vor rund einem Jahr gab es noch etwas mehr als 67.000 Dollar für einen Bitcoin. In den vergangenen Wochen rutschten die Notierungen für die älteste und bekannteste Kryptowährung jedoch zeitweise unter die Marke von 20.000 Dollar. Andere digitale Währungen wurden im Zuge der allgemeinen Marktturbulenzen ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen, als Anleger verschiedene Arten von Investments abstießen, um den gestiegenen Marktrisiken Rechnung zu tragen.

          Kostenkontrolle und gezielte Investitionen

          Trotz des Ausfluges in Richtung Krypto-Währungen bleibt der Bereich Gaming das Brot- und Buttergeschäft für Nvidia. Aber auch dort lief es zuletzt nicht mehr allzu rund. Im Zuge der weltweiten Corona-Pandemie mussten Menschen zunächst häufiger zu Hause bleiben und sich ablenken. Dies taten viele auch mit Hilfe von Videospielen.

          Inzwischen ist es mit dieser Corona-Sonderkonjunktur für Nvidia jedoch vorbei. Ebenso machen sich die Inflation und die schwächeren wirtschaftlichen Aussichten negativ bemerkbar. Die Menschen müssen viele ihrer Ausgaben stärker überdenken. In diesem Fall kann es sein, dass Videospiele nicht als notwendige Ausgaben erachtet werden.

          Christoph Scherbaum ist Börsenfachmann und Finanzjournalist aus Ludwigsburg.
          Christoph Scherbaum ist Börsenfachmann und Finanzjournalist aus Ludwigsburg. : Bild: Christoph Scherbaum

          Dies führte dazu, dass Nvidia vorläufige, unter den eigenen Erwartungen liegende Eckdaten zum zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2022/23 (per Ende Juli) melden musste. Die Gesamterlöse sollen 6,7 Milliarden Dollar betragen, während der Konzern zuvor eine Prognose von 8,1 Milliarden Dollar ausgegeben hatte. Dies würde zwar einem leichten Plus von 3 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert bedeuten, jedoch einem Rückgang um 19 Prozent im Vergleich zum Vorquartal entsprechen.

          Hauptverantwortlich für das schwache Abschneiden waren unter den Erwartungen liegende Erlöse im besagten Gaming-Bereich. Hier vermeldete das Unternehmen mit Erlösen von 2,04 Milliarden Dollar einen Umsatzrückgang um 44 sowie um 33 Prozent gegenüber dem Vorquartal beziehungsweise im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Im Geschäft mit Datenzentren belief sich das Umsatzplus gegenüber dem Vorquartal auf 1 Prozent auf 3,81 Milliarden Dollar. Obwohl hier ein neuer Rekordwert erreicht wurde, lagen aufgrund der Lieferkettenprobleme auf der ganzen Welt die Erlöse in diesem Bereich ebenfalls unter den Erwartungen.

          Kurzfristig will das Management nun mit einer stärkeren Kostenkontrolle und gezielteren Investitionen reagieren. Allerdings bleibt es bei den Aktienrückkäufen, auch weil man in Zukunft weiterhin eine starke Cashflow-Generierung sowie ein hohes Wachstum sieht. Bei allen schlechten Nachrichten der jüngsten Zeit dürfte Nvidia mit seinen Grafikchips hervorragend positioniert bleiben, um von Zukunftstrends wie Gaming, Krypto-Währungen, dem autonomen Fahren, Datenzentren und vor allem der künstlichen Intelligenz zu profitieren.

          NVIDIA CORP. DL-,001

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          Seitens der Analystenhäuser wird die Aktie mehrheitlich als Kauf eingestuft. Die UBS etwa hat zwar nach der Umsatzwarnung das Kursziel von 280 auf 220 Dollar gesenkt, vergibt aber weiterhin für Nvidia eine Kauf-Empfehlung. Amerikanische Analysehäuser wie JP Morgan, Mizuho Securities und Raymond James haben gleichfalls reagiert und das Kursziel heruntergesetzt, das Kauf-Rating aber bestätigt.

          Im Tech-Bereich dürfte Nvidia daher weiterhin zu den aussichtsreichsten Titeln gehören – wenngleich Anleger auch in der Zukunft starke Nerven brauchen, was die Kursentwicklung in der jüngsten Vergangenheit aufzeigt.

          Für die Aktie von Nvidia ging es in den vergangenen beiden Jahren steil nach oben. Nach einem kurzfristigen, Corona-bedingten Rückschlag im März 2020 auf 45 Dollar haben sich die Notierungen in den folgenden 20 Monaten fast verachtfacht, wobei im November vergangenen Jahres ein neues Rekordhoch von 346 Dollar markiert wurde. Vom anschließenden Crash der Technologieaktien wurde Nvidia mit in die Tiefe gerissen. Der Kurs brach bis Anfang Juli dieses Jahres auf 144 Dollar ein, konnte inzwischen aber zeitweise wieder in den Bereich der 180er-Dollar-Marke zulegen.

          Charttechnisch notiert die Nvidia-Aktie trotzdem vorerst weiterhin im Abwärtstrend. Erst wenn hier die Rückeroberung der 200-Tage-Linie gelingt, würden die Trendpfeile wieder aufwärts zeigen. In diesem Fall sind die nächsten Kursziele die 300-Dollar-Marke und das Allzeithoch von 346 Dollar.

          Trotz des jüngsten, scharfen Kurseinbruchs der Nvidia-Aktie fällt aber die Dekaden-Performance nach wie vor sensationell aus. Auf Zehnjahressicht steht (auf Dollar-Basis) noch immer ein Kursgewinn von im Durchschnitt 48,8 Prozent je Jahr zu Buche. Auf Euro-Basis ist die Zehnjahresrendite mit durchschnittlich 51,9 Prozent jährlich sogar noch besser. Eine Einmalanlage von 10.000Euro im August 2012 (Eröffnungskurs: 2,73 Euro) wäre damit bis heute um den Faktor 64 auf zeitweise rund 644.000 Euro angewachsen.

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