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Widersprüchliche Meinungen : Hält die Goldrally?

Gold ist derzeit gefragt. Doch wie lange noch? Bild: Reuters

An den Finanzmärkten dient der Donnerstag zur Verschnaufpause. Die Anleihenrenditen fallen leicht weiter – der Goldpreis konsolidiert. Wie geht es weiter?

          Der Goldpreis hat einen starken Monat hinter sich. Auch wenn er am Donnerstag eine Atempause macht, so hat dieser doch am Vortag den höchsten Stand seit mehr als sechs Jahren erreiche. Der Preisanstieg im Juni nimmt mit 8 Prozent auf der Liste der besten Monate für Gold immerhin Platz 43 ein und das will mit Blick auf mehr als 50 Jahre schon etwas heißen. Mit Blick auf das laufende Jahrhundert ist es immerhin auch noch Platz 12.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Für diejenigen, die in Gold noch nicht investieret sind, stellt sich die allfällige Frage, wie nachhaltig der Preisaufschwung ist. Hier gehen die Meinungen etwas auseinander. Die Investmentbank Goldman Sachs, die schon Anfang des Jahres einen Anstieg des Preises zumindest bis auf 1425 Dollar vorhergesagt und sich damit deutlich von den Prognosen anderer Banken abgehoben hatte, hat jetzt noch einmal draufgelegt. Laut einer aktuellen Studie erwartet Goldman nun einen Anstieg des Goldpreises innerhalb der nächsten zwölf Monate bis auf 1475 Dollar, das sind noch einmal 60 Dollar mehr als am Donnerstag.

          Rekordtiefe Anleihenrenditen machen Gold attraktiver

          Betrachtet man die Gründe, die für den bisherigen Preisanstieg genannt werden, so könnte die jüngste Rally noch weitergehen. Investoren würden von Rezessionsängsten und den fallenden Realzinsen in Amerika getrieben, so die Goldman-Analysten.

          Die herrschende Unsicherheit aufgrund der aktuellen geopolitischen Spannungen und die schwächeren Konjunkturdaten ließen Anleger nach Sicherheit streben, heißt es auch vom X-Markets-Team der Deutschen Bank, zuständig vor allem für Derivate. Das führe zu weiter in den negativen Bereich absinkende Anleiherenditen und das mache Gold für sicherheitsorientierte Anleger attraktiver.

          Gold

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          Auch am Donnerstag geht der Fall der Anleiherenditen weiter, wenngleich etwas differenzierter. In den langen Laufzeiten etwa fallen die Kurse von Ländern der Euro-Peripherie wie Italien oder Portugal, während etwa die zehnjährige Bundesanleihe mit einer Rendite von minus 0,4105 wieder ein neues Tief markierte. Im Bereich zweijähriger Laufzeiten dagegen ist das Bild etwas uneinheitlicher.

          Niedrigere Zinsen machen Gold im Vergleich interessanter. Speziell der Ausblick auf niedrigere Leitzinsen in den Vereinigten Staaten schwächen den amerikanischen Dollar und das ist stets positiv für den Goldpreis. Zuletzt habe dann auch das Rekordhoch Anschlusskäufe nach sich gezogen, nachdem der Gold aus der Spanne ausgebrochen sei, in der es sechs Jahre lang gehandelt worden sei, heißt es zudem von X-Markets.

          Goldman Sachs geht zwar davon aus, dass, dass sich die Weltwirtschaft in der zweiten Jahreshälfte erholt und die Rezessionsängste zurückgehen. Das könne auch zu einer graduellen Dämpfung der Goldnachfrage führen. Zugleich werde aber der für den Goldpreis gleichfalls wichtige Faktor „Wohlstand in den Schwellenländern“ eine stärkere Wirkung entfalten. Die Entwicklung des Goldpreises verlaufe, vereinfacht gesagt, nach der Faustformel „Angst plus Wohlstand gleich teures Gold“: Unsicherheit in den Industrieländern und Nachfrage aus den Schwellenländern. Zudem werde es größere Goldkäufe der Notenbanken geben, die 2019 rund 100 Tonnen über dem Vorjahr liegen könnten.

          Das X-Markets-Team gibt sich etwas zurückhaltender. Es sei schon ungewöhnlich, dass sowohl Aktien als auch Gold gefragt seien und wenn die Welt mit Blick auf die aktuellen Spannungsfelder wie den transpazifischen Handelskonflikt wieder etwas rosiger ausähe, könne das zulasten des Goldpreises gehen. Angesichts der bevorstehenden Präsidentschaftswahlen halten das die Analysten aber für weniger wahrscheinlich. Eher schon könnten sich die Zinserwartungen wieder ändern. Dass derzeit ein Drittel der Marktteilnehmer eine Leitzinssenkung in Amerika von 0,5 Prozentpunkten erwarte, halten die Deutschbanker für überzogen.

          Skeptische Edelmetallspezialisten

          Skeptisch äußert sich dagegen ausgerechnet die Investmentboutique Stabilitas, die auf die Beratung von Edelmetallinvestments spezialisiert ist.

          „Gold sendet derzeit sehr widersprüchliche Signale. Einerseits wurde die wichtige Marke um 1.380 Dollar geknackt. Zusammen mit dem zwischenzeitlichen 6-Jahreshoch ist das ein klares charttechnisches Kaufsignal“, sagt Geschäftsführer Martin Siegel.

          Auf der anderen Seite sprächen aber mehrere Entwicklungen gegen eine nachhaltige Goldhausse. Denn sowohl die Preise für Silber wie auch die Kurse der Minenaktien seien weniger stark gestiegen, als es bei einer gesunden Edelmetallhausse zu erwarten wäre. „Die Goldminenaktien entwickeln sich parallel zum Gold aufwärts, zeigen aber nicht den bei einer breit angelegten Aufwärtsbewegung typischen Vorlauf und Hebel auf den Goldpreis“, sagt Siegel. Silber habe mit einem Aufschlag von 2,7 Prozent im Juni gar weiter vor sich hingedümpelt.

          Obendrein seien Privatanleger aktuell beim physischen Metall mehrheitlich auf der Verkäuferseite. „Das bedeutet, dass der Goldaufschwung auf eher wackligen Füßen steht“, sagt Siegel. Folgt man der Argumentation, bleibt also abzuwarten, ob der Goldpreisanstieg vom Juni auf jenen Monat beschränkt bleibt.

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